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Trost unter Kollegen: Ante Rebic (rechts) und Mijat Gacinovic nach der Niederlage gegen Augsburg.

SGE

Vor dem Rückspiel in der Europa League - kleine Schaffenskrise bei der Eintracht

Die müden Profis müssen schnell regenerieren. Denn die Eintracht steht vor zwei richtungsweisenden Partien.

Frankfurt - Da saßen sie also, die knapp 50 Frankfurter Fans vor der Haupttribüne der Arena und warteten und warteten und warteten. Und tatsächlich, 75 Minuten später als geplant, huschten doch noch ein paar Fußballer aus den Katakomben heraus, legten rasch die dreißig, vierzig Meter zum Trainingsplatz zurück und spulten dort ihre lockere Einheit, das Auslaufen nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Augsburg, ab.

Bei Eintracht Frankfurt, das war offensichtlich, hatte am Montagvormittag Redebedarf geherrscht, Trainer Adi Hütter deshalb seine Analyse länger als gewohnt ausgedehnt. Er habe in seiner Ansprache zur Mannschaft aber mehr motiviert als kritisiert, sagte Angreifer Goncalo Paciencia hinterher, „denn es ist auch mal normal, dass so etwas passiert“.

Eintracht Frankfurt erlebt Niederlagendoppel

Gemeint war das Niederlagendoppel der vergangenen Woche. Auf das 2:4 in der Europa League bei Benfica Lissabon am Donnerstag war nur drei Tage später das 1:3 gegen Augsburg gefolgt. Eine Niederlage, die in Ordnung ging, weil die Frankfurter zwar kämpferisch alles gaben, spielerisch zurzeit aber eine kleine Schaffenskrise erleben. „Das war das schlechteste Spiel der Saison“, gab Paciencia offen zu. Nur 66 Prozent der Pässe brachten die Frankfurter Profis zu den eigenen Kollegen. Dazu erwischte die abwehrende Abteilung zum zweiten Mal hintereinander einen miesen Tag: Sieben Gegentreffer in den vergangenen 180 Minuten, das sind schlicht zu viele.

Ein Grund für die leichte Formdelle ist schnell ausgemacht: die Müdigkeit. Gegen Augsburg absolvierten die Frankfurter ihr 42. Pflichtspiel der Saison; das sind neun mehr, als der Gegner hatte. Gerade in den vergangenen Wochen ging es Schlag auf Schlag, ein Höhepunkt folgte auf den nächsten. „Das geht an die Substanz und in den Kopf. Das hat uns den Zahn gezogen“, bestätigte Trainer Hütter. Zumal die Frankfurter sowohl in Lissabon als auch gegen Augsburg über weite Strecken in Unterzahl agieren mussten. Das schlaucht, ganz klar.

Macht die SGE am Ende der famosen Saison schlapp?

Sind die müden Eintracht-Profis gerade dabei, ihre famose Saison im Schlussakt noch zu versemmeln? Auszuschließen ist das nicht. An einen Totalabsturz aber will von den Beteiligten selbstverständlich niemand denken. Dafür ist das Vertrauen in die eigene Stärke in dieser Saison der Erfolge viel zu ausgeprägt.

„Wir müssen die Niederlage akzeptieren, abhaken, gut regenerieren und neu angreifen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. „Am Donnerstag werden wir deutlich besser spielen“, versprach Rechtsaußen Danny da Costa. Und Mittelfeldrackerer Sebastian Rode ließ mit Blick auf das Duell gegen Benfica verlauten: „Wir sind sehr, sehr heiß. Unsere Motivation liegt bei 150 Prozent.“

Klar ist: Die Eintracht steht vor zwei richtungsweisenden Partien in den nächsten sieben Tagen. Zuerst das Europa-League-Rückspiel am Gründonnerstag gegen den Spitzenreiter der portugiesischen Liga, das mit 2:0, 3:1 oder noch höher gewonnen werden muss, um ins Halbfinale einzuziehen. Danach aber auch der Bundesliga-Alltag am Montag beim VfL Wolfsburg – mit einem Sieg könnten die Hessen die erneute Qualifikation für die Europa League nahezu absichern und weiter von der Champions League träumen. Bei einer Niederlage käme dagegen sicher ein wenig Nervenflattern auf. Was aus Eintracht-Sicht für eine positive Restsaison spricht, ist, dass in dieser Runde auf Rückschläge immer die passende Reaktion folgte. Mehr als zwei Niederlagen nacheinander gab es noch nicht.

SGE: Spiel gegen Benfica - ein Selbstbewusster Paciencia

Allerdings: Personell wird es gerade für das Duell gegen Benfica eng. Stürmer Sebastien Haller trainierte auch gestern nicht auf dem Platz; die Bauchmuskelbeschwerden werden wohl wieder keinen Einsatz zulassen. Bei Verteidiger Martin Hinteregger, am Sonntag nach 25 Minuten verletzt ausgewechselt, gibt es noch immer keine genaue Diagnose der Oberschenkelblessur – zumindest wurde sie der Öffentlichkeit nicht preisgegeben. Wer dem Österreicher aber am Sonntag beim Gang in die Kabine in die feuchten Augen sah, der konnte erahnen, dass sich da jemand wenig Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr machte. Zudem ist Innenverteidiger Almamy Touré für die Europa League nicht gemeldet und Defensivkollege Evan Ndicka rotgesperrt. Immerhin übte Marco Russ gestern nach überstandener Reizung der Achillesferse erstmals wieder auf dem Rasen.

Als sicher gilt, dass der gegen Augsburg geschonte Kapitän David Abraham am Donnerstag rechts hinten seinen Platz einnimmt, wenngleich er sich am Montag nur von den Physiotherapeuten die Muskeln kneten ließ. Sollte aber Hinteregger nicht doch noch eine rasche Heilung erfahren, muss Coach Hütter auf links ein neues Mitglied für seine verteidigende Dreierbande finden. Favorit wäre dann Simon Falette. Nicht etwa, weil Hütter vom Franzosen besonders überzeugt ist, ließ er ihn doch das letzte Mal vor fast drei Monaten in Bremen ran. Nein, Falette wäre schlicht der einzig verbliebene fitte Verteidiger für das zu stopfende Loch.

von Daniel Schmitt

Seferovic trifft: Benfica ist Spitze

Frankfurts Europa-League-Gegner Benfica Lissabon hat die Tabellenspitze der portugiesischen Fußball-Liga zurückerobert. Drei Tage nach dem 4:2-Hinspielerfolg gegen die Eintracht setzte sich die Mannschaft von Trainer Bruno Lage am Sonntagabend in der Liga mit 4:2 (2:1) gegen Vitória Setubal durch. Durch den Sieg zieht Benfica wieder an Konkurrent FC Porto vorbei. Die Tore für den Vize-Meister erzielten der Ex-Frankfurter Haris Seferovic (77. Minute), Mittelfeldspieler Rafael Silva (1./36.) und „Wunderkind“ Joao Felix (56.). Nuno Valente (39.) und Jhonder Cadiz (87., Elfmeter) trafen für die Gäste.

(dpa)

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