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Jubelt Eintracht Frankfurt auch gegen Benfica?

SGE

Eintracht Frankfurt will auch Benfica aus der Europa League werfen und die Reise nach Baku fortsetzen

Darauf musste die Frankfurter Sportgemeinde 24 Jahre warten: Die Eintracht steht wieder im Viertelfinale eines Europapokals, heute gegen Benfica Lissabon. Dabei hatte vor der Saison nichts darauf hingedeutet, dass diese Mannschaft derart durchstarten würde.

Als das letzte Mal ein Fußballprofi von Eintracht Frankfurt in einem Viertelfinale der Europa League – damals hieß es noch Uefa-Pokal – ein Tor erzielte, saß auf der Trainerbank ein gewisser Jupp Heynckes. Es war der 28. Februar 1995, und die Frankfurter spielten da in der Runde der letzten Acht gegen Juventus Turin. 1:1 hieß es im Hinspiel, Jan Furtok war der Torschütze, doch im Rückspiel ließen die Italiener nichts mehr anbrennen. 0:3 aus Sicht der Eintracht, die Party war zu Ende.

Seinerzeit spielten bei der Eintracht noch Andreas Köpke und Rudi Bommer, Manni Binz und Uwe Bindewald, Mirko Dickhaut und Thorsten Legat. Anthony Yeboah und Maurizio Gaudino hatte der gestrenge Jupp Heynckes ja zuvor schon aus dem Verein geworfen, bald warf auch er das Handtuch. 24 lange Jahre ist das her, es sind Erinnerungen aus einer anderen Zeit. Es sollten bleierne, dürre, manchmal auch trostlose Jahre folgen. Fast ein Vierteljahrhundert später unternimmt heute eine andere Frankfurter Mannschaft gegen das portugiesische Spitzenteam Benfica Lissabon (21 Uhr/live in Dazn und RTL) erneut den Versuch, ins Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs zu gelangen. Es ist eine frische, unverbrauchte, fast fröhliche Mannschaft, die sich nicht gesucht, aber gefunden hat, die drauf und dran ist, an große Frankfurter Erfolge der Vergangenheit anzuknöpfen.

Und das mit einem Fußball, der nicht nur Fans das Herz im Leib vor Freude hüpfen lässt. Vor allem deshalb, weil zu Beginn dieser Saison nichts darauf hindeutete, dass gerade dieses Team derart durchstarten würde. Und, ganz nebenbei, als einzige deutsche Mannschaft noch im internationalen Geschäft verblieben ist.

Eintracht Frankfurt: Hype in allen Bereichen

Fast ein Vierteljahrhundert also musste die Frankfurter Sportgemeinde auf diesen Moment warten. Alleine das zeigt das Besondere, das Außergewöhnliche des Erreichens dieses Viertelfinales, die Strahlkraft und das Interesse an diesen beiden Spielen ist enorm. Eintracht Frankfurt hat einen bemerkenswerten Imagetransfer hinbekommen, vom übel beleumundeten „Randalemeister“ zum deutschen Vorzeigeclub in der Europa League, selbst wenn einige unbelehrbare Chaoten den überragenden Fan-Auftritt zuweilen trüben – das ist schon eine Leistung, zumal in dieser kurzen Zeitspanne. Da ist im gute Arbeit geleistet worden, der momentane Hype um Eintracht Frankfurt, der nahezu alle Bereiche umfasst, ist der Lohn.

Denn die Eintracht hat diesen Wettbewerb angenommen wie kaum eine andere Mannschaft in Europa, weil die Hessen mit derlei Auftritten in der Vergangenheit ja nicht gerade verwöhnt wurden. Eintracht Frankfurt ist ein Aufsteiger, ein Emporkömmling, der das gerade mit so unendlich viel Mühe Erreichte unbedingt verteidigen will. Aus diesem exklusiven Zirkel wollen sie so schnell nicht mehr heraus. Die Reisen durch Europa empfinden sie als Bereicherung, nicht als Belastung. Und so schweben sie auf der Wolke der Begeisterung, weiter und immer weiter. Bis Baku?

Finanziell ist das Frankfurter Solo auf der so geliebten europäischen Bühne ein voller Erfolg: Mehr als 25 Millionen Euro wurden bisher eingenommen, 2,92 Millionen Euro als Startgeld, dazu kommen 3,42 Millionen Euro an Prämien für sechs Siege in der Gruppenphase, gut vier Millionen für das Erreichen des Viertelfinales. 6,66 Millionen fließen aus dem Marketingpool, weitere 9,5 Millionen spülten die Zuschauer in die Frankfurter Kasse. Und sollte man tatsächlich auch Benfica Lissabon aus dem Wettbewerb werfen und ins Halbfinale einziehen, kämen weitere 2,4 Millionen Euro von der Uefa hinzu. Im Halbfinale würde übrigens der Sieger der Partie zwischen dem FC Chelsea und Slavia Prag warten. Aber so weit ist es noch lange nicht, selbst wenn halb Frankfurt, so zumindest der Eindruck, mehr oder weniger stillschweigend von einem Weiterkommen gegen den portugiesischen Abonnementsmeister ausgeht.

Europa League-Viertelfinale: Andere Rollenverteilung

Die Stimmungslage vor der Partie gegen Schachtjor Donezk und Inter Mailand war eine andere, deutlich vorsichtiger. Da rechneten viele mit einem Ausscheiden, ein Weiterkommen galt eher als Überraschung – selbst wenn die Eintracht etwa Mailand im Rückspiel klar dominiert hatten. Diese beiden Clubs hatten klar die Favoritenrolle inne. Bei Benfica, obgleich in der Champions League gestartet und unter anderem an Bayern München als Gruppendritter gescheitert, ist die Rollenverteilung eine andere.

„Unsere Chancen stehen 50 zu 50“ schätzt Stürmerstar Luka Jovic eher konservativ, im Frankfurter Umfeld ist die Zuversicht höher ausgeprägt. Die portugiesische Liga gilt als weniger hochklassig als die italienische, englische oder spanische. Und, so heißt es allenthalben weiter, wenn schon ein Haris Seferovic, der in Frankfurt während seiner drei Jahre eigentlich nur in der ersten Saison zu überzeugen wusste, zu den herausragenden Akteuren des aktuellen Tabellenführers der Liga NOS zählt, dann müsste Eintracht Frankfurt schon in der Lage sein, diesen Gegner zu bezwingen.

Oder nicht? Eines sollten die Frankfurter nicht tun: Benfica, ein mannschaftlich geschlossenes Kollektiv mit hochtalentierten Profis, unterschätzen. Hochmut kommt vor dem Fall. Dass portugiesische Clubs nicht ganz schlecht sind, haben die Frankfurter am eigenen Leib erfahren müssen: Vor fünf Jahren sorgte der FC Porto im Sechzehntelfinale für das Ende aller Träume.

VON THOMAS KILCHENSTEIN

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