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Eintracht Frankfurt verliert gegen Lissabon: Ein frustrierender Abend

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Von: Ingo Durstewitz, Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt

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Viele enttäuschte Gesichter bei Eintracht Frankfurt am Mittwochabend.
Viele enttäuschte Gesichter bei Eintracht Frankfurt am Mittwochabend. © dpa

Zum Auftakt der heiß ersehnten Champions League gibt es für Eintracht Frankfurt gleich einen herben Dämpfer: Nach dem 0:3 gegen Sporting Lissabon herrscht Ernüchterung.

Das gesamte Waldstadion ein schwarzweißes Fahnenmeer, die Gesänge schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff ohrenbetäubend laut, die Choreo in der Fankurve nicht unbedingt jedermanns Geschmack, aber zumindest gewaltig. Die verbliebenen Eintracht-Helden der 1960er Jahre um Istvan Sztani mit dem Europa-League-Pott auf der Tribüne, und dann, na klar, die Hymne, diese irgendwie merkwürdig verschrobene, aber weltbekannte Hymne, die der Champions. In Frankfurt, das erste Mal in der Geschichte des stolzen Klubs im Herzen von Europa. Was Wunder, dass da manch Auge feucht, weil ein Traum wahr wurde. Es ist Champions League, und Eintracht Frankfurt ist dabei. Wer hätte das vor wenigen Jahren gedacht?

Doch so feierlich und kitschig schön sollte der Abend für die Eintracht nicht weitergehen und schon gar nicht enden. Zum schlechten Schluss herrschte große Ernüchterung im Frankfurter Lager, nach einer klassischen Lehrstunde musste die Eintracht bei ihrem Debüt in der royalen Klasse in eine humorlose 0:3 (0:0)-Niederlage einwilligen. Zumindest die Fans schien das nicht großartig zu stören, sie dankte ihrer Mannschaft und feierten sie noch Minuten nach dem Abpfiff in beeindruckender Lautstärke. Und: Auch vor drei Jahren startete die Eintracht mit einem 0:3 in den internationalen Wettbewerb, damals unterlag sie dem FC Arsenal – die K.o.-Runde erreichte sie dennoch. Allerdings in der Europa League. In der Königsklasse hängen die Trauben höher. Der Mittwochabend dient als Beweis.

Sportvorstand Markus Krösche relativierte aber direkt nach Spielschluss: „Ernüchterung herrscht bezogen auf das Ergebnis, ja, aber wir haben 60 Minuten ein gutes Spiel gemacht. Das Ergebnis ist ärgerlich, ein Stück weit unnötig.“

Eintracht Frankfurt gegen Sporting Lissabon: Ein fast schon wildes Spiel

Nach dem festlichen Rahmen ging das erste Königsklassenspiel in Frankfurt gleich ohne Firlefanz los. Das lag in erster Linie am Team von der iberischen Halbinsel, das sich offenbar als netter Gast einführen wollte: Manuel Ugartes zu laschen Rückpass erspurtete Eintracht-Senkrechtstarter Randal Kolo Muani, doch statt die Kugel freistehend vor Sporting-Keeper Antonio Adan hoch anzusetzen, versuchte er es mit einem Flachschuss, den der Schlussmann aber mit einem langen Bein hervorragend parierte. Perdu die Riesenchance. Da waren gerade einmal 90 Sekunden gespielt. Es wäre natürlich ein Auftakt wie gemalt gewesen für den Königsklassen-Frischling vom Main. Doch Konjunktiv bleibt Konjunktiv. „Du musst halt die ein, zwei Möglichkeiten nutzen“, urteilte Manager Krösche: „In der Champions League entscheiden Kleinigkeiten.“

Es entwickelte sich gerade am Anfang ein hektisches, fast schon wildes Spiel. Es ruckelte hier und flutschte dort, aber alles und von beiden Seiten mit hoher Intensität, Tempo und ständigem Gegnerdruck. Die Eintracht schaffte es in den ersten Minuten kaum mal, einen kontrollierten Ball zu spielen, sie verpasste es auch in der Folge, mal das Tempo zu drosseln, auf den Ball zu treten und den Rhythmus zu verändern. Sie ließ sich vielmehr treiben von der aufgepeitschten Atmosphäre und hatte auch das Pech, auf einen ausgebufften, routinierten Kontrahenten zu treffen, der sich auch von der imposanten Kulisse nicht verrückt machen ließ und ganz cool seinen Stiefel runterspielte, und spielen können die technisch versierten Portugiesen allemal.

Eintracht Frankfurt nicht zwingend genug

Nun war es nicht so, dass man der Eintracht ansonsten irgendwas vorwerfen konnte, sie enttäuschte keineswegs, versuchte immer wieder, den Gegner unter Druck zu setzen und ihm wehzutun, doch das Unterfangen erwies sich eben als schwieriger als manch einer gedacht haben mag – außer Trainer Oliver Glasner, der vor der Stärke und Robustheit Sportings gewarnt hatte.

Die Südeuropäer hätten sogar um ein Haar früh die Chance gehabt in Führung zu gehen, doch Schiedsrichter Orel Grinfeeld kassierte seinen Elfmeterpfiff, nachdem sich der Videoassistent eingeschaltet hatte – zu Recht: Nicht Eintracht-Verteidiger Christopher Lenz hatte Lissabons Marcus Edwards am Fuß getroffen, sondern umgekehrt (12.). Die Eintracht blieb die etwas gefährlichere Mannschaft, war aber nicht zwingend genug. Weder Daichi Kamada (16./30.) noch Jesper Lindström (17.) gingen entschlossen genug zu Werke. Man ahnte schon da bereits: Das ist ein ganz harter Brocken, der sich der Eintracht da in den Weg gerollt hatte.

Eintracht Frankfurt lässt sich von Sporting auskontern

Und der sollte sich im zweiten Abschnitt zu einem unüberwindbaren Felsen auftürmen. Denn je länger die Partie dauerte, desto einfallsloser agierten die Hessen und desto größer wurden die Räume, die sie den Portugiesen ließen. Und die abgezockten Mannen in den weißen Hemden schlugen denn auch ganz abgekocht zu und ließen in den entscheidenden Momenten ihre große spielerische Klasse aufblitzen, allen voran Stürmer Marcus Edwards, der die Frankfurter mit seinem von Eric Dina Ebimbe abgefälschten Schuss zum 1:0 in eine Art Schockstarre versetzte und ihnen den Stecker zog (65.).

Fortan rannte die Eintracht kopflos nach vorne und wurde von den Iberern ein ums andere Mal mustergültig ausgekontert. Francisco Trincao (67.) und Nuno Santos (82.) schraubten das Ergebnis sogar noch in die Höhe, 0:3 am Ende. „Sporting hat eiskalt zugeschlagen“, sagte Krösche. „Daraus müssen wir lernen.“ Die Frankfurter Sternstunde fiel jedenfalls aus, magisch war der Abend im Stadtwald dieses Mal nur vor dem Anpfiff.

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