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Die Eintracht musste eine bittere Pleite gegen Mainz einstecken.

SGE

Bittere Pleite gegen Mainz - Verspielt die Eintracht im Endspurt noch alles?

Durch das 0:2 gegen Mainz muss am letzten Spieltag viel passieren, um wieder europäisch zu spielen. Ein Remis gegen Mainz hätte schon gereicht.

Frankfurt - Nach dem fünften nicht gewonnenen Bundesligaspiel in Serie ist Torhüter Kevin Trapp zu Boden gegangen. Er hat sich dann an den Torpfosten gelehnt wie weiland Oliver Kahn nach dem verlorenen WM-Endspiel 2002 der DFB-Auswahl gegen Brasilien in Yokohama. Der Torwart war niedergeschlagen, enttäuscht, wirkte tief getroffen. Der Mann hat große Ziele, er ist über die Maßen ehrgeizig, und natürlich hat er in dem Moment gewusst, dass es jetzt nach dieser 0:2 (0:0)-Niederlage gegen den Nachbarn FSV Mainz 05 verdammt schwer wird, die großen Ziele noch zu erreichen. Am letzten Spieltag muss Eintracht Frankfurt zum FC Bayern München, der wiederum noch einen Punkt benötigt, um Deutscher Fußball-Meister zu werden. Die Chancen der Frankfurter, auch im nächsten Jahr europäisch unterwegs zu sein, sind nach dieser ärgerlichen Niederlage deutlich geringer geworden. Mindestens einen Punkt brauchen die Hessen noch, es sei denn, Wolfsburg unterliegt zu Hause gegen Augsburg und Hoffenheim spielt in Mainz Remis.

"Wir haben heute unsere Chance nicht genutzt, die Europa League perfekt zu machen. Das schmerzt extrem", fasste Martin Hinteregger hinterher die Frankfurter Gefühlswelt zusammen. Ein einziger Zähler hätten die Frankfurter nur noch aufs Konto schaufeln müssen, dann hätten sie sich erneut für die Spiele in Europa qualifiziert, ein schnödes Unentschieden gegen Mainz 05 hätte es sein müssen. Doch daraus wurde nichts. "Alle haben gespürt, wie geil es ist, durch Europa zu fliegen. Das wollen wir auf jeden Fall wieder erreichen", sagte Stopper Hinteregger.

Eintracht Frankfurt: Hütter ist selbstkritisch

In erster Linie muss Eintracht Frankfurt aber erst einmal wieder zu Kräften gekommen. "Wir müssen Kopf und Körper wieder fit bekommen", fand der Österreicher, das sei nicht schwer, weil es ja nur noch einmal um Bundesligapunkte geht. "Und am Ende können die Ergebnisse kurios werden." Auch Kollege Simon Falette pfiff schon mal im Walde: "Die verlorenen Punkte müssen wir halt bei den Bayern holen." Wenn es mal nur so einfach wäre. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann sah die Sachlage realistischer: "Es braucht jetzt ein mittelgroßes Wunder, wenn wir nächste Saison europäisch spielen sollten." Auf der Schlussgeraden ist der Eintracht die Puste ausgegangen. Unübersehbar war bei diesem letzten Heimspiel der Saison: Die Eintracht konnte sich in den letzten Wochen nur noch zu den internationalen Höhepunkten zusammenreißen und über die eigenen Grenzen gehen. Dieser Kraftakt hat Körner gekostet, viele Körner, am Ende zu viele.

Zum Schluss haben die Hessen ihre hervorragende Ausgangsposition in den als machbar eingeschätzten Heimspielen gegen den FC Augsburg (1:3), Hertha BSC (0:0) und jetzt Mainz (0:2) hergegeben. Auch das 1:1 beim VfL Wolfsburg in letzter Minute war kontraproduktiv. Wer aber solche Gelegenheiten nicht nutzt, hat es schwer, unter die ersten Sechs zu kommen. Und wenn es ganz schlecht läuft für die Frankfurter, dann stehen sie, die am 32. Spielplatz noch auf einem Champions League-Platz lagen, am Saisonende komplett mit leeren Händen da und auf einem enttäuschenden achten Tabellenplatz. "Wir sind aber selbst daran schuld", sagte Trainer Adi Hütter selbstkritisch. Lediglich einen Punkt aus drei Heimspielen zu holen, ist in dieser Phase einfach zu wenig. Nun wartet der "Show-down" in München auf die Eintracht, "dort müssen wir unsere letzte Chance nutzen", meinte der Trainer. Im Fußball sei alles möglich.

Entgegen seiner Ankündigung vom Freitag hatte Trainer Hütter nicht so furchtbar viel verändert gegenüber der Mannschaft, die am Donnerstag in London so heroisch ausgeschieden war. Er wolle rotieren, hatte der Fußballlehrer erklärt - und hatte sich dann doch anders entschieden. Bis auf den verletzten Sebastian Rode (siehe unten stehenden Bericht auf dieser Seite) spielte genau die Elf von der Stamford Bridge. Für Rode war erwartungsgemäß Gelson Fernandes ins Team gerückt. Den Europa-League-Helden gehörte das Vertrauen, "ich würde es immer wieder so machen", sagte er.

Aber trotz der erneut bemerkenswert intensiven Unterstützung von den Rängen, die die Mannschaft erst einmal mit rot-weißen Rauchtöpfen empfangen hatte, war der Substanzverlust in der ersten Hälfte kaum zu übersehen. Die Eintracht mühte sich zwar, kam aber in den ersten 45 Minuten kaum einmal durch. Und wenn, dann hatten entweder Filip Kostic oder Ante Rebic ihre Füße im Spiel. Beide schienen keine Müdigkeit zu kennen.

Insgesamt fehlte in Halbzeit eins aber die Durchschlagskraft. Dazu versuchten es die müden Frankfurter viel zu häufig mit langen Schlägen, die viel zu oft beim Gegner landeten. Zuweilen hätte ein wenig mehr Ruhe und Gelassenheit gut getan. Spielerisch lief nicht viel zusammen.

Eintracht Frankfurt: Jetzt Mainzer Schützenhilfe?

Die Mainzer machten es zudem nicht schlecht, sie hatten viele Räume, sie spielten durchaus mutig nach vorne. Und nach der Pause traf der Doppelschlag des bis dato nicht in Erscheinung getretenen Anthony UIjah (53. und 57.) die Eintracht ins Mark. Beide Male nutzte der Mainzer Stürmer Frankfurter Unkonzentriertheiten, beide Tore wären leicht vermeidbar gewesen. Danach war der Stecker gezogen. Die Eintracht fand kaum noch Möglichkeiten, erst in den letzten fünf Minuten hatten Filip Kostic und Ante Rebic Chancen, doch sie scheiterten.

Kurioserweise ist die Eintracht auf Schützenhilfe aus Mainz angewiesen. "Wir geben nicht drei Tage frei und lassen es austrudeln", versprach der Mainzer Coach Sandro Schwarz. Sein Ziel ist, die TSG Hoffenheim zu schlagen. In Frankfurt könnte man damit leben.

VON INGO DURSTEWITZ UND THOMAS KILCHENSTEIN

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