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Hütter (links) lobt Rode ? und könnte ihn nun erstmal schonen.

SGE

Eintracht Frankfurt: Vorfreude auf Inter Mailand, Warnung vor Hannover

Die Eintracht zieht ein großes Los: Inter Mailand ist der nächste Gegner im Europapokal. Erstmal aber gilt es, sich in Hannover auf eine ganz andere Aufgabe einzustellen.

Als das große Los dann am Freitagmittag gezogen war, hat das in der Kabine bei den Profis der Frankfurter Eintracht „keine großartigen Stimmungsschwankungen“ ausgelöst, erzählte ihr Trainer Adi Hütter hinterher. Sie hätten es zur Kenntnis genommen in dem Wissen, dass es schlimmer hätte kommen können, Krasnodar etwa oder auch St. Petersburg, zumindest, was die Reisestrapazen angeht. Hütter selbst war angesichts des kommenden Gegners in der Europa League, Inter Mailand, deutlich emotionaler unterwegs: „Ein tolles Los“, sagte er über „die absolute Top-Mannschaft“, Tabellendritter in Italien, gespickt mit prominenten Akteuren, dazu eine Begegnung im „altehrwürdigen San-Siro-Stadion“ mit 80 000 Zuschauern.

Am 7. März (18.55 Uhr) empfängt der Bundesligist den 18-maligen italienischen Meister zum schon ausverkauften Hinspiel, eine Woche später geht es in das „super Stadion“ eines „super Vereins“ mit einem „tollen Trainer“, so Hütter. Die Wertschätzung war ihm anzumerken, Angst hat der Fußballlehrer nicht. Im Gegenteil: „Wir freuen uns auf diese tolle Paarung.“

Manches spricht dafür, dass die Eintracht mindestens die Leistung vom Donnerstag wiederholen muss, um eine Chance aufs Weiterkommen zu haben. Dass sie zunächst Heimrecht hat, ist nicht optimal: „Es geht darum, eine gute Ausgangsposition zu schaffen, vorzulegen und nach Möglichkeit zu null zu spielen“, sagt Hütter. Unglücklich aus Frankfurter Sicht ist die Bundesligaansetzung: Zwischen beiden Europa-League-Spielen steht am 11. März ein Montagsspiel bei Fortuna Düsseldorf an. Montagabend in Düsseldorf, Donnerstagabend in Mailand – „eventuell“ will sich die Eintracht um eine Verschiebung des Ligaspiels bemühen.

Auch am Tag nach „dem unvergesslichen Abend“ (Hütter) waren die Eruptionen spürbar. Noch immer standen die Protagonisten im Banne dieses außergewöhnlichen Spiels gegen eine Mannschaft von Schachtjor Donezk, die in den letzten zehn Jahren acht Mal in der Champions League spielte, oft genug auch die K.-o.-Phase erreicht hatte. „Und gegen solch eine Mannschaft mit so viel Qualität konnten wir mithalten. Wir können solche Gegner auch schlagen“, staunte Rechtsverteidiger Danny da Costa, der mit einer sehr starken Vorstellung großen Anteil am überraschend klaren 4:1-Erfolg hatte.

Hütter indes wollte nach der unglaublichen Willensleistung keinen aus dem Team besonders herausheben, nicht Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic, die alle vier Treffer markiert hatten, nicht da Costa und Filip Kostic, die enormen Druck über die Flügel entwickelt hatten, nicht die Abwehrmänner Martin Hinteregger, David Abraham oder Evan Ndicka. „Es war eine famose geschlossenen Mannschaftsleistung“, sagte der Trainer, der internationale Auftritt seines Teams erfülle ihn „mit Stolz“.

Das Erreichen des Achtelfinales kommt einem Quantensprung gleich. Zuletzt spielte 1995 eine Eintracht-Elf so lange im Europacup mit, sie kam gar bis ins Viertelfinale, dann war gegen Juventus Turin Endstation. Das ist fast ein Vierteljahrhundert her. Die Bedeutung, 2019 in der Runde der letzten 16 Mannschaften zu stehen, ist mittlerweile um ein Vielfaches höher. „Der Stellenwertung für den Verein ist enorm“, sagt Vorstand Axel Hellmann. „Wir werden den deutschen Fußball in der nächsten Runde repräsentieren“, stellte er stolz fest. „Das ist eine große Ehre für den Verein, aber wir sind in dieser Rolle auch aller Ehren wert.“ Und ein geheimer Traum ist in Erfüllung gegangen: Vor zehn, zwölf Jahren habe man beisammen gesessen und ein wenig philosophiert, erzählte Hellmann: „Einmal in einem Pflichtspiel gegen den FC Chelsea zu spielen, das wäre es doch“, habe man sich da zugeraunt. Nun ist es zwar nicht der Londoner Club geworden, aber Inter Mailand zählt auch nicht zur Laufkundschaft. „Wir sind im Kreis der klangvollen Namen dabei“, sagte Hellmann.

Und das Achtelfinale bringt, neben internationaler Aufmerksamkeit, Respekt der Branche und einem Stimmungshoch auch bare Münze. Bislang hat der Ritt durch Europa laut Hellmann etwa zwölf Millionen Euro brutto eingebracht, weitere Prämien winken. Und durch das Ausscheiden von Bayer Leverkusen als weiterem deutschen Vertreter erhöht sich obendrein der Anteil an Ausschüttungen aus dem deutschen Marketing-Pool.

Die große Kunst wird es freilich sein, den Spagat zu schaffen zum Ligaalltag. Am Sonntag muss die Eintracht zum Tabellenvorletzten Hannover 96: Eben noch mitten drin im gleißenden Rampenlicht, dann schon Abstiegskampf pur. „Wir müssen das Spiel im Kopf annehmen“, warnt Hütter. Er wird wohl dem einen oder anderen Spieler eine schöpferische Pause geben, Sebastian Rode etwa, aber an der grundsätzlichen Ausrichtung nicht rütteln. „Wenn wir nicht überholt werden wollen, müssen wir voll punkten.“ Vor allem hofft der Fußballlehrer, der erstmals Neuzugang Almamy Touré mit ins Aufgebot nehmen will, dass die Eintracht den Schwung aus dem internationalen Auftritt mitnehmen kann. Es wäre damit schon viel gewonnen.

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