1. Startseite
  2. Eintracht

OB Peter Feldmann blamiert sich bei Eintracht-Siegesfeier

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Trainer Glasner und Kapitän Rode haben den Pokal scheinbar sicher – da greift OB Feldmann zu (von links nach rechts).
Trainer Glasner und Kapitän Rode haben den Pokal scheinbar sicher – da greift OB Feldmann zu (von links nach rechts). © dpa

Im größten Eintracht-Moment legt der Oberbürgermeister ein bemerkenswertes Solo hin. Noch werden Leute gesucht, die das nicht peinlich fanden.

Frankfurt – Mann, das war große Klasse, wie Peter Feldmann am Mittwochabend im Hexenkessel von Sevilla (sprich: „Micky-Maus-Stadion“) fast das gesamte Europapokalfinale mit einer krassen Platzwunde am Kopf durchhielt. Blutverschmiert! Nicht? Ach, das war Seppel Rode? Na dann eben – wie er den letzten Elfmeter verwandelt hat! Auch nicht? Einen Elfer gehalten? Nee? Moment: Dann hat er diese fantastische Mannschaft fitgemacht für den größten Erfolg ihrer … – auch das nicht? Das war Oliver Glasner?

Ja, liebe Leute, warum hat OB Peter Feldmann dann im größten Moment der Eintracht-Geschichte seit mehr als vier Jahrzehnten dem Seppel und dem Oliver im Rathaus den Pokal aus der Hand genommen? Warum wollte er denn unbedingt selbst das Ding in den Kaisersaal tragen?

Eintracht Frankfurt: Rodes Blick für die Ewigkeit

„Der Peter ist eine unkontrollierbare Rakete“, hat Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann schon am Nachmittag gesagt. Er meinte damit zwar Peter Fischer, den Eintracht-Präsidenten, ja, das ist der mit dem „Micky-Maus-Stadion“ (nein, das war auch nicht Feldmann), der den Fans auch gern mal einen ausgibt, und den die Fans nicht nur deshalb abgöttisch lieben. Aber es trifft genauso auf Feldmann zu, das mit dem Vornamen Peter und das mit der Rakete, die jederzeit in jede Richtung losgehen kann. Der Rest eher nicht so sehr.

Wie der OB also den Helden von Sevilla den Pokal entwindet, kreiert er einen Moment für die Ewigkeit. Der Blick von Seppel Rode zum Trainer wird in die Geschichte eingehen. Er sagt: Was will der seltsame Mann mit unserem Pokal? Oder eher: Ach Gottchen – er nu wieder!

„So, liebe Freunde, so sieht er aus, der Pokal“, verkündet Feldmann. Aha! Endlich erfährt es die Welt. Dann die quälend lange Rede, während draußen 100.000 Menschen seit fünf Stunden nicht direkt auf den OB warten, sondern auf … „Tschiep! Tschieprill Soo“? Wer ist das? „Evan Nickdika“? „Makoto Hasabee“?

Kader von Eintracht Frankfurt: Namen, die niemand kennt

Der Oberbürgermeister liest Namen vor, die man so noch nie im Kader der Eintracht gehört hat, und geht dann selbstverständlich mit auf den Balkon, um im Jubel der Fans zu baden. Er darf das. Sonst niemand, auch nicht die Bürgermeisterin, die mit ihrem Vereinsbeitritt für eine beispiellose Siegesserie im Europacup sorgte, auch nicht der Sportdezernent. Diese Anweisung, heißt es aus gewöhnlich gut unterrichteten Anstoßkreisen, habe jemand schriftlich gegeben. Wer das wohl war?

Oliver Glasner

Der Architekt des Eintracht-Erfolgs

Auf seiner Facebook-Seite hat Feldmann am nächsten Tag um Nachsicht gebeten. „Dickes Sorry!“, hat er geschrieben: „Da war ich wohl gestern für einen Moment lang mehr Eintracht-Fan als Oberbürgermeister.“ Seine Follower sind auch darüber geteilter Meinung („Entschuldigung angenommen“ – „Treten Sie endlich zurück“). Fest steht: Ein herkömmlicher Eintracht-Fan kennt die Namen der Spieler meistens besser als ein herkömmlicher OB. So oder so dürfte diese große Frankfurter Fußballjubelnacht auch als die Nacht in Erinnerung bleiben, in der Peter Feldmann sein peinlichstes Eigentor schoss. (Thomas Stillbauer)

Auch interessant

Kommentare