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Auch Filip Kostic (links) hat in Hannover getroffen. Nach dem 3:0 gratulierten der ebenfalls treffsichere Ante Rebic (links) und Goncalo Paciencia.

SGE

Eintracht Frankfurt: Die zweite Erfolgsserie dieser Saison wird eindrucksvoll fortgesetzt

Eintracht-Trainer Adi Hütter hat schon viele kluge Personalentscheidungen getroffen. Als absoluter Volltreffer entwickelt sich Filip Kostic.

Als die Arbeit dann verrichtet und der Abstiegskandidat Hannover 96 standesgemäß und souverän 3:0 geschlagen war, ist eine Frankfurter Abordnung auf Trainer Adi Hütter zugegangen. Makoto Hasebe war dabei, David Abraham und Kevin Trapp, Spieler also, die im Team was zu sagen haben, und sie haben höflich angefragt, ob es angesichts der Strapazen (und der Erfolge) der letzten Zeit nicht möglich wäre, einen zusätzlichen freien Tag zu bekommen. Adi Hütter hat sich kurz mit seinem Trainerteam beraten, dann war er einverstanden. „Das haben sie sich verdient“, sagte der Coach, physisch sei ein weiterer Tag Pause kein Problem.

Nun müssen die Profis von Eintracht Frankfurt erst morgen Vormittag wieder zum Training erscheinen, am Montag und am Dienstag blieb der Ball im Schrank. Am kommenden Samstag empfängt Eintracht Frankfurt die TSG Hoffenheim im eigenen Stadion, da ist es gut, eine ausgeruhte und hochmotivierte Mannschaft zu haben.

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Eintracht Frankfurt: Ein Geben und Nehmen

Adi Hütter verspricht sich von diesem „Zuckerl“ natürlich einiges. „Alles ist ein Geben und Nehmen“, sagt er, und weil die Mannschaft nicht nur in den letzten beiden Wochen mit den „Highlights“ in der Europa League gegen Schachtjor Donezk und in der Liga Wertarbeit abgeliefert hätte, hat der Fußballlehrer mit der langen Leine auch keine Schwierigkeit. Der Erfolg gibt allen ja Recht: In diesem Jahr sind die Hessen noch ungeschlagen, in acht Begegnungen inklusive der europäischen Auftritte. Und sie haben damit die zweite Erfolgsserie dieser Saison gestartet, die erste endete erst nach elf ungeschlagenen Pflichtspielen, davon zehn Siege.

Dennoch hinkt Eintracht Frankfurt nach 23 Spielen um zwei Punkte der Ausbeute aus der vergangenen Saison hinterher, damals, noch unter Trainer Niko Kovac, hatte die Eintracht 39 Zähler (bei Platz drei) aufs Konto geschaufelt, jetzt sind es 37. Allerdings kam unter Kovac im letzten Drittel ein dramatischer Einbruch. Der soll sich nun nicht wiederholen. Hütter ist da ganz optimistisch, aber er weiß auch nur zu gut: „Hinten heraus brauchst du Saft.“ In den zurückliegenden zwei Jahren ist der Eintracht hingegen die Puste ausgegangen.

Danach sieht es derzeit nicht aus, die Mannschaft wirkt weitgehend frisch, spritzig und war selbst nach dem kräftezehrenden Spiel vom Donnerstag in der Lage, „physisch einen Zahn zuzulegen“, Hannover 96 in Zaum zu halten und „noch einen drauf zu setzen“ – wenn auch erst nach einer etwas deutlicheren Ansprache zur Halbzeit. Aber diese Unzufriedenheit mit der ersten Hälfte ist auch ein Zeichen des gestiegenen Anspruchs. Hütter hat das selbst formuliert: „Bei allem Respekt vor Hannover 96, aber dies war ein Spiel, das eine Mannschaft, die vorne stehen will, auch gewinnen muss.“ Deshalb würde er den coolen Auftritt auch nicht als Reifeprüfung bezeichnen: „Da gewinnen andere Teams, die oben dabei sind, ebenfalls.“

Große Sorge habe er gerade im zweiten Durchgang nicht gehabt, es sei „nur eine Frage der Zeit“ gewesen, bis sich das bessere Team würde durchsetzen können. Er, Hütter, wolle zwar nicht behaupten, „wir sind da über sie drüber gefahren“, aber einen „Klassenunterschied habe ich gesehen“.

Ohnehin hat der 49-Jährige den Eindruck gewonnen, dass es Eintracht Frankfurt nach den Erfahrungen auf internationaler Bühne, nach Spielen gegen absolute Top-Mannschaften, leichter fällt, sich in der Bundesliga zu behaupten. Bis auf die Partie gegen den VfL Wolfsburg (1:2) haben die Hessen kein Spiel in der Liga verloren, nachdem sie donnerstags europäisch unterwegs waren. Weil sein Team sich mit den stärkeren Mannschaften hat messen dürfen, fällt es ihm offenbar leichter, sich gegen die schwächeren durchzusetzen.

Klar zu erkennen ist aber, dass die Eintracht gegen Clubs aus dem Mittelfeld oder dem unteren Drittel ihre Klasse ausspielt und die Kontrahenten zumeist niederhält. Insofern dürften die nächsten Gegner nach Hoffenheim der Eintracht weniger Angst bereiten: Fortuna Düsseldorf (A), 1. FC Nürnberg (H), VfB Stuttgart (H), Schalke 04 (A) und FC Augsburg (H).

Eintracht Frankfurt: Gehöriges Selbstvertrauen

Dazu kommt: Seit einiger Zeit schon geht Eintracht Frankfurt mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen in die Spiele: „Wenn die Leistung ordentlich ist, sind wir schwer zu schlagen“, sagt Hütter, der aber noch Steigerungspotenzial sieht: „Ich wünsche mir mehr Dominanz mit dem Ball.“ Er weiß schon um die ganz speziellen Fähigkeiten seiner Mannschaft, nicht nur der Drei im Sturm („Einer von ihnen trifft immer“). Und durch die Neuverpflichtungen im Winter sind des Trainers Optionen größer geworden. Insbesondere die Möglichkeit, Makoto Hasebe jetzt auch ins zentrale defensive Mittelfeld verschieben zu können ohne Gefahr zu laufen, in der Abwehr weniger stabil zu stehen, bietet ihm neue Varianten und dem kompletten Spiel mehr Flexibilität.

Eine seiner besten Personalentscheidungen ist Adi Hütter freilich mit der Versetzung von Filip Kostic nach links hinten gelungen. Dass der Serbe derart gut einschlagen würde, hat auch er nicht gedacht. „Als Filip kam, steckte er in der untersten Schublade.“ Der Ruf, ein Legionär zu sein, ein Abzocker, haftete ihm an. Zudem ist er mit seinen vorherigen Clubs jeweils abgestiegen. Doch gekommen war ein Spieler „mit einem Top-Charakter, unglaublich bescheiden und mannschaftsdienlich“. Mittlerweile stecke Kostic „in der obersten Schublade“, seine ganze Entwicklung sei „sensationell“. Und Tore schießen kann er auch, in Hannover hat sich der 26-Jährige mit einem fulminanten Schuss zum 3:0 selbst belohnt. Ein Treffer, ganz klar, aus der obersten Schublade.

von THOMAS KILCHENSTEIN UND INGO DURSTEWITZ

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