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Sein Stern ist bei der Eintracht aufgegangen: Luka Jovic.

Eintracht Frankfurt

Jovic gilt als heißeste Ware auf dem Transfermarkt – weg ist er deswegen noch lange nicht

Wenn Adi Hütter über Luka Jovic spricht, spart er nicht mit Superlativen. Ein kompletter Spieler sei Jovic, sagt der Trainer von Eintracht Frankfurt. Aber auch einer, der noch dazu lernen muss.

Frankfurt - Es ist jetzt nicht so, dass Luka Jovic alles richtig machen würde. Gut, das meiste macht er schon richtig, 15 Tore in der Bundesliga, so viele wie aktuell kein anderer, dazu sechs in der Europa League, das ist wirklich gut. Und da ist es kein Wunder, dass angeblich tagtäglich sich die Interessenten gegenseitig auf die Füße treten, um diesen 21 Jahre alten Serben zu einem baldigen Vereinswechsel zu überreden, mit viel Geld natürlich.

Aber Jovic macht noch Fehler, verhält sich auf dem Platz zuweilen nicht so, wie es sich sein Trainer Adi Hütter wünscht. Am Sonntag beim Bundesligaspiel in Hannover gab es Szenen, in denen sich der Himmelsstürmer besser hätte verhalten können. Und damit war nicht gemeint, dass er die beste Torchance des Spiels auf eine fast schon überhebliche Art und Weise verdaddelte, als er den Torwart aus kurzer Entfernung keck zu überlupfen versuchte. Das hat ihm Adi Hütter nicht besonders angekreidet. Mein Gott, sagt Hütter, „der Junge ist erst 21“. Da trifft man schon mal falsche Entscheidungen.

Fredi Bobic sieht Luka Jovic in der Weltklasse des Fußballs

Was Trainer aber gar nicht mögen: Wenn ein Spieler stehen bleibt, einem verlorenen Ball nicht richtig nachgeht, pomadig-nachlässig in die Zweikämpfe geht. Luka Jovic ist ein Spieler, der dazu neigt. Er glaubt, findet Hütter, „es wird schon irgendwie gehen“, auch mit weniger läuferischem Einsatz. „Da fehlt ihm die letzte Aufmerksamkeit, die letzte Spannung.“ Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic verortete Jovic in der Weltklasse, falls er noch den „einen Schritt mehr nach rechts und links machen“ würde. Am Sonntag hat er das in der ersten Hälfte vermissen lassen. Prompt gab es in der Halbzeitpause eine Ansage – mit Folgen: Jovic erzielte beim 3:0-Sieg den Treffer zum 2:0, die beiden anderen bereitete er mustergültig vor. „Das ist Luka Jovic“, sagt Hütter. Er ist sehr angetan von dem Angreifer, dessen Torbilanz in Pflichtspielen (21) derzeit nur von Kylian Mbappé (26 Tore) und Lionel Messi (31) übertrumpft wird. „Er ist ein außergewöhnlicher Stürmer. Ich habe selten einen Spieler gesehen, der so gefährlich in der Box ist – ob mit dem Fuß, in der Luft oder mit dem Kopf. Er ist ein kompletter Spieler.“ Andere, sagt Hütter, würden möglicherweise nach der ersten Hälfte von Hannover „zerbrechen“. Jovic aber habe eine Reaktion gezeigt. „Er ist sehr, sehr empfänglich, was Kritik betrifft. Er setzt vieles schnell um. Das ist ganz großes Kino, was der Junge in seinem Alter schon leistet.“ Jovic ist einer, der nicht viele Chancen braucht für seine Tore, der im Strafraum nicht lange fackelt und mit links und mit rechts sehr verlässlich trifft.

Bemerkenswerte Statistik bei Eintracht-Spieler Luka Jovic

Seine statistischen Werte sind bemerkenswert. Im Schnitt spielte er in dieser Saison (bei 21 Einsätzen) nur 67 Minuten und traf alle 94 Minuten ins Tor. In der Europa League sieht es ähnlich aus, er spielte in den acht Begegnungen nur 426 (von 720 möglichen) Minuten, traf dennoch sechsmal. Er allein erzielte ein Drittel aller Frankfurter Tore. Jovic ist auch der erste Spieler in der Geschichte von Eintracht Frankfurt, dem fünf Tore in einem Spiel gelangen, beim 7:1 über Fortuna Düsseldorf. „Er ist der Beste von uns“, sagt Stürmerkollege Sébastien Haller.

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Dabei hatte Jovic seine Zukunft anscheinend schon hinter sich gehabt. Bei Benfica Lissabon hatte man ihn ins B-Team abgeschoben. Knapp zwei Jahre später ist der Junge 40 Millionen (und mehr) wert – dabei hat er weder im Pokalfinale 2018 gespielt noch kommt er in der serbischen Nationalelf an Aleksandar Mitrovic (FC Fulham) vorbei. Inzwischen ist Luka Jovic so etwas wie die Lebensversicherung von Eintracht Frankfurt. Das Schnäppchen aus Lissabon, für den die Eintracht noch die Option (sieben Millionen Euro) ziehen muss, gilt längst als heißeste Ware auf dem Transfermarkt. Real Madrid, FC Barcelona, FC Chelsea, Bayern München und viele mehr sollen die Finger nach ihm ausgestreckt haben. Angebote für Jovic freilich lägen dem Klub nicht vor, „das ist Fakt“, so Bobic. Die Schmerzgrenze für den Angreifer dürfte bei etwa 60 Millionen Euro liegen. Auch eine weitere Saison bei der Eintracht ist nicht völlig ausgeschlossen.

Wahrscheinlich wäre es für seine sportliche Weiterentwicklung sogar gut. „Ich würde nächste Saison gern hier spielen“, hat Jovic schon gesagt. „Wenn wir die Champions League erreichen, werden sie mich hier nicht los.“ Wahrscheinlich muss man so was sagen.

Von Thomas Kilchenstein

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