Gemeinsam auf dem Rad ? aber schon damals mit ein wenig Abstand: Eintracht-Trainer Niko Kovac (links) und Alexander Meier im vergangenen Juli im Trainingslager in Flachau. Foto: Klein
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Gemeinsam auf dem Rad ? aber schon damals mit ein wenig Abstand: Eintracht-Trainer Niko Kovac (links) und Alexander Meier im vergangenen Juli im Trainingslager in Flachau. Foto: Klein

Eintracht Frankfurt

Eintracht-Führung und Alex Meier: Schleichende Entfremdung

  • VonPeppi Schmitt
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Gekriselt hat es schon lange. Der jüngste Krach zwischen Alexander Meier und Eintracht-Sportvorstand Bobic hat eine Vorgeschichte.

Jetzt also wieder Reha. Wieder Quälerei auf dem Laufband, Krafttraining, Stromtherapie, Behandlungen beim Physiotherapeuten. Alexander Meier (34) kennt sich in diesem Jahr damit fast schon so gut aus wie mit dem Toreschießen, seiner eigentlichen Kernkompetenz. Im Frühjahr hat er wochenlang gekämpft, um nach einer Fuß- und Fersenverletzung rechtzeitig zum Saisonfinale wieder den Anschluss zu schaffen. Jetzt wieder eine Knöcheloperation. Und dazu noch offene Kritik per Pressemitteilung durch den Verein, das dürfte dem dienstältesten Spieler der Eintracht nicht gefallen. Doch Meier schweigt zu den Vorwürfen, er habe seinen Arbeitgeber nicht rechtzeitig über den operativen Eingriff informiert.

Um zu verstehen, was da passiert zwischen Spieler und Verein, ist ein Blick zurück hilfreich. Denn es stimmt schon länger nicht mehr zwischen Meier, dem Kapitän, der von der sportlichen Führung im Grunde nicht mehr als Kapitän anerkannt wird, und den sportlich Verantwortlichen. Wer auch immer an der schleichenden Entfremdung seit der mit hehren Worten verkündeten Vertragsverlängerung im Juni letztens Jahres mehr oder weniger Schuld trägt, es ist abträglich für alle, es demontiert den von den Fans verehrten Meier und es schadet dem gesamten Club.

Es herrscht kein Vertrauen, und das ist bei einem solchen Spieler, der mehr als ein Jahrzehnt absolute Loyalität zur Eintracht vorgelebt hat und noch immer ein Gesicht dieses Clubs ist, durchaus irritierend. Sportlich war die letzte Saison eine Achterbahn für Meier. Nach einem starken Start mit wichtigen Tore, insgesamt waren es am Ende fünf, wurde er im Laufe der Vorrunde nach und nach ins zweite Glied verschoben. Das ist das gute Recht des Trainers, zumal in diesen Zeiten die Leistung der Mannschaft gestimmt hat.

Versäumt wurde aber schon da das Gespräch miteinander, und dies zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Monate. Irgendwann war Meier nur noch einer von vielen, was ihm schwer fiel zu akzeptieren, zumal seine sportlichen Konkurrenten nun wirklich nicht mit Glanzleistungen verwöhnen konnten. Zu Beginn der Rückrunde war es noch einmal Meier, dem das Siegtor auf Schalke gelang, danach ging es für ihn persönlich, übrigens auch für die Eintracht, in jeder Beziehung abwärts. Erst hatte er seinen Stammplatz verloren, dann kam die Verletzung, die ihn daran hinderte, diesen zurückzuerobern. Aus der sportlichen Führung wurde gestreut, dass man sich nicht wehren würde, wenn Meier zum Ende der Saison gehen wolle.

Zurück zum aktuellen Fall. Da ist es wichtig, die Fakten chronologisch zusammenzutragen. Bei einem Trainingslauf im Urlaub am 9. Juni hatte Meier sich am Knöchel verletzt. Ganz Profi flog er in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni von Miami zurück in die Heimat. Kaum in Frankfurt gelandet, ließ er sich von einem Freund nach Basel fahren und dort von Professor Bernhard Segesser, einem ausgewiesenen Spezialisten, untersuchen.

Und da passierte der erste Fehler: Meier hatte den Club über die Untersuchung nicht informiert. Kurzfristig wurde entschieden, dass eine OP unumgänglich sei. Am nächsten Morgen, Dienstag, der 13. Juni, wurde der Eingriff vorgenommen, eine Knochenabsplitterung entfernt. Während Meier auf dem OP-Tisch lag, hatte sein Berater, der ehemalige HSV-Profi Jürgen Milewski, Eintrachts Sportvorstand Fred Bobic informiert. Am Tag danach, Mittwoch, 14. Juni, hat Meier dann mit Trainer Niko Kovac und Bobic telefoniert. So weit, so gut.

Rätsel über Rätsel

Warum die Eintracht dann sage und schreibe acht Tage und eine „Bild“-Vorabmeldung gebraucht hat, bis zum Donnerstag, 22. Juni, um eine offizielle Presseerklärung zu formulieren, in der sie ihrem Kapitän gute Besserung wünscht, gleichzeitig aber Vorwürfe erhebt, dieser sei seiner Informationspflicht nicht nachgekommen, gehört zu den Rätseln dieser Geschichte. Denn zu diesem Zeitpunkt war Meier schon vier Tage wieder zu Hause in Frankfurt und in der Reha in Neu-Isenburg.

Der Vorwurf: Erst an diesem Donnerstag habe der Verein „genaue Informationen“ bekommen. Warum weder Meier noch sein Berater noch der operierende Arzt den OP-Bericht der Eintracht früher zugänglich gemacht hat, ist ein weiterer Teil des Rätsels.

Geredet wurde also zwischen Berater Milewski und Sportvorstand Bobic, auch zwischen Spieler und Trainer und Bobic, aber miteinander gesprochen wurde offenbar nicht. Mit der Kommunikation ist es jedenfalls nicht weit her in diesem Fall – und zwar auf beiden Seiten. Wer oder was hindert Meier, mit seinen Vorgesetzten zu sprechen? Wer oder was hindert Bobic, mit einem seiner wichtigsten Spieler zu sprechen, nachdem er dies öffentlichkeitswirksam in einer Pressemitteilung als eine Art Drohung angekündigt hat?

Beide, Bobic und Meier, wohnen quasi mit Sichtkontakt in Sachsenhausen, der eine auf der einen Seite des Mains, der andere auf der anderen. Offenbar ein zu weiter Weg. Dafür melden sich andere zu Wort. Präsident Peter Fischer, der Meier öffentlich kritisiert („Das geht gar nicht“), Weltmeister Thomas Berthold, der ihn verteidigt und der Eintracht vorwirft aus einer Mücke einen Elefanten zu machen und dem Spieler zu wenig Respekt entgegenzubringen. Das sehen im übrigen viele ehemalige Eintrachtler so, die dies schon am Rande des Pokalendspiels in Berlin in Gesprächen ziemlich deutlich gemacht hatten.

Bleibt die Frage, wer dieses Thema endlich befriedet. Zeit genug wäre ja, denn Meier wird mindestens zwei Monate Reha machen müssen, bevor er ins Team zurückkehren kann.

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