Bankdrücker in Abu Dhabi, wo alle Jahre wieder auch über Strategiefragen gesprochen wird: Axel Hellmann (links) und Heribert Bruchhagen.	Foto: Rhode
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Bankdrücker in Abu Dhabi, wo alle Jahre wieder auch über Strategiefragen gesprochen wird: Axel Hellmann (links) und Heribert Bruchhagen. Foto: Rhode

Eintracht Frankfurt

Eintracht-Führung uneins: Wo gibt es mehr Geld?

  • VonPeppi Schmitt
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Von weißen Rittern und trojanischen Pferden: Hellmann findet Schuldenmachen nicht sinnvoll, Bruchhagen steht Investoren skeptisch gegenüber.

Die Ansage von Dr. Wilhelm Bender war eindeutig. „Es ist die klare Erkenntnis aus dem Wettbewerb in der Bundesliga, der sich mit Clubs wie dem FC Ingolstadt oder RB Leipzig noch verschärfen wird, dass wir finanzielle Antworten finden müssen“, hatte der Aufsichtsratsvorsitzende der Frankfurter Eintracht vor ein paar Tagen gesagt. Es gelte, das Eigenkapital, das aktuell rund fünf Millionen Euro beträgt, „deutlich zu erhöhen“. Darüber besteht in den Führungsgremien der Eintracht Konsens. Doch der Weg dorthin spaltet die Führungsebene. Dies wurde in unterschiedliche Statements deutlich, die der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Finanzvorstand Axel Hellmann am Sonntag im Rahmen des Trainingslagers in Abu Dhabi abgegeben haben.

Den Anfang hatte Bruchhagen direkt am Trainingsplatz gemacht. Der Vorstandschef steht der Suche nach Investoren, die laut einem Beschluss des Aufsichtsrates (AR) in vollem Gange ist, skeptisch gegenüber und machte daraus auch keinen Hehl. Der Nachteil einer sogenannten „mutigen Investition“ sei, „dass ein Investor Geld verdienen will und man deshalb das Geld irgendwann zurückzahlen muss.“

Aus Sicht Bruchhagens würde man sich mit einem Investor „ein trojanisches Pferd“ in den Garten stellen. Und, so der Eintracht-Chef: „Es muss diesen Investor erst einmal geben. Aber es gibt ihn nicht, das ist alles Wunschdenken und fernab der Realität.“ Er, Bruchhagen, habe den „Weißen Ritter“ noch nicht gesehen. Es sei immer noch am besten, die Mannschaft aus dem laufenden Geschäft zu bezahlen, „alles andere ist nicht zielführend.“

Ein „favorisiertes Modell“

Sein Kollege Hellmann, der ein paar Minuten später in einem kleinen Restaurant am Pool des Quartieres „Emirats Palace“ zu den Journalisten sprach, sieht das komplett anders. „Es gibt Leute, die bereit sind bei Eintracht Frankfurt zu investieren“, sagt er, „und die sind auch bekannt.“ Die Meinung des AR sei in Protokollen festgehalten, danach würden verschiedene Möglichkeiten der Geldbeschaffung geprüft. „Und selbstverständlich gibt es ein von uns favorisiertes Modell“, versichert Hellmann.

Bruchhagen verschließt sich nicht dem Wunsch, die Wettbewerbsfähigkeit durch Zuführung weiteren Eigenkapitals zu erhöhen. Er würde aber eindeutig den konservativen Weg bevorzugen. „Wenn man Geld braucht, geht man zur Bank und leiht es sich“, sagt er. Das sei der sicherste Weg, aber damit verbunden, „dass wir Schulden machen“. Dies müsse auch ehrlich nach außen kommuniziert werden.

Hellmann sieht auch dies anders. Bei einem derzeitigen Eigenkapital von fünf Millionen Euro sei eine Kreditfinanzierung bei einer Bank über beispielsweise zehn Millionen „nicht sinnvoll“. Die Eintracht würde sich bei einem für solche Verhältnisse fälligen Zinssatz „in keiner guten Position“ befinden. Er bevorzuge deshalb andere Modelle.

Es sind die nicht die einzigen Meinungsunterschiede in der Führungsebene. So wies Bruchhagen, auch Mitglied des DFL-Vorstandes, darauf hin, dass die Beteiligungen von Investoren an Spielertransfers, „schlicht weg verboten sind und sanktioniert werden“. Auch wenn andere Clubs diesen Weg schon gegangen seien, komme das für die Eintracht nicht in Frage. „Das will ich nicht“, sagt Bruchhagen.

Dem widersprach der Finanzvorstand zwar nicht im Detail, sieht aber durchaus andere, legitime Möglichkeiten, um Investoren zu beteiligen. „Es ist nicht verboten, Investoren an Veräußerungsgewinnen von Spielern zu beteiligen“, sagt er. Gerade zum Ausbau des Kaders biete sich bei derzeitiger Finanz- und Zinslage „der Gang zur Bank nicht an“. Fremdkapital nehme man besser für neue Geschäftsmodelle auf, beispielsweise in der Vermarktung oder ähnlichem, um daraus Gewinne zu schöpfen.

„Dem Geld, das verzinst wird, stehen bei bestimmten Modellen sichere Einnahmen und Zusatzeinnahmen gegenüber“, sagt Hellmann, „bei Spielern ist das nicht der Fall“. In jedem Fall müsse das Fremdkapital in das Eigenkapital fließen, sagt Hellmann, der sich in seinen Auffassungen des zukünftigen Kurses in Übereinstimmung mit dem AR sieht. „Es gibt eine klare Beschlusslage“, versichert er.

Keine Fremdbestimmung

Einige sind sich die beiden Vorstände immerhin, dass bei der Struktur der Eintracht besondere Vorsicht bei Investorenmodelle geboten sei. „Unser Club ist stark geprägt von einer Fan-Kultur, von den vielen Zuschauern und einer großen Tradition“, sagt Bruchhagen, „das alles muss man berücksichtigen“. Hellmann formuliert es anders, meint das Gleiche. „Wir müssen eine Kapitalaufstockung verdaulich gestalten für unsere Aktionäre, für die Freunde der Eintracht und den Verein“, sagt er, „wenn wir Kapital aufnehmen, muss es mit der Philosophie von Eintracht Frankfurt vereinbar sein.“ Eine „Fremdbestimmung“ sei ausgeschlossen.

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