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Viertligist Schweinfurt setzte sich gegen Zweitligist SV Sandhausen durch.

DFB-Pokal

Eintracht gegen Schweinfurt: Wer sind diese Schnüdel überhaupt?

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Natürlich träumen die Schweinfurter von der Pokal-Sensation: Die große Eintracht schlagen, an alte Zeiten anknüpfen, ganz Deutschland auf Schweinfurt schauen lassen. Wir haben vor dem Spiel auf Eintracht-Gegner Schweinfurt geblickt und uns gefragt: Wie viel ist noch übrig vom Glanz vergangener Tage?

Die glorreichen Zeiten des FC 05 Schweinfurt sind lange vorbei, die Helden gestorben. Die hießen Ander Kupfer und Albin Kitzinger und waren Ende der 1930er Jahre das, was die Ronaldos und Messis heute sind. Zwei der besten Fußballer der Welt. Kupfer und Kitzinger spielten auf der Außenbahn, waren Nationalspieler, galten vor dem Krieg als bestes deutsches Läuferpaar. Beide spielten in einer Stadt, die brummte, in einem Land, das sich auf den Krieg vorbereitete, das Metall brauchte, nach Motoren und Kupplungen lechzte und für die meisten Maschinen Kugel- und Wälzlager suchte.

In dieser Stadt boomte der Fußball: Schweinfurt erreichte in den 1930er und 40er Jahren zwei Mal die Endrunde zur deutschen Meisterschaft, stand gegen Schalke im Halbfinale des Pokals und hätten später in den 60er und 70 er Jahren fast den Sprung in die erste Liga geschafft. Das ist lange her: 1989/90 und 2001/02 gab Schweinfurt einjährige Gastspiele in der zweiten Liga, stieg aber sofort wieder ab. Es folgten Pleite, Bayernliga, Landesliga – an die glorreichen Zeiten erinnert nur noch der Platz vor dem Willy-Sachs-Stadion: der heißt Ander-Kupfer-Platz.

Typen hatten die Schweinfurter immer mal wieder: Bernhard Winkler, zum Beispiel, der blühte später bei den 60ern auf. Oder Martin Schneider, der für Nürnberg und Mönchengladbach 379 Mal in der Bundesliga auflief. Auch das ist schon ein paar Tage her. Heute haben sie in Schweinfurt Adam Jabiri. Der ist 33 Jahre alt, stammt ein paar Kilometer mainabwärts aus Kitzingen und hat für Hoffenheim und die Würzburger Kickers Profiluft geschnuppert.

Den richtigen Durchbruch hatte Jabiri nicht, in Würzburg saß er am Ende nur noch auf der Bank. Trotzdem: Jabiri ist einer, der weiß, wo er im Strafraum stehen muss und der trifft. Zehn Tore hat er für die "Schnüdel" in dieser Saison erzielt und noch wichtiger: Jabiri ist einer, der sich reinhängt, der kämpft, der arbeitet. Und das mögen die Schweinfurter, das haben schon die Kupfers und Kitzingers gemacht. Darauf sind sie stolz in Schweinfurt, das haben sie sich zum Slogan gemacht: „Wir arbeiten Fußball. Seit 1905.“

Und so haben sich die Schweinfurter im Sommer ihre Mannschaft gebastelt. Gesucht waren Arbeiter, junge Kicker, die zusammen funktionieren. Große Namen findet man hier nicht, das Kollektiv soll es richten. Zum Beispiel Florian Pieper, 24 Jahre alt, ein Mittelstürmer, der aus der Jugend des FSV Frankfurt über Aschaffenburg und 1860 München II nach Schweinfurt kam. Oder Matthias Strohmayer, ein Niederbayer, 23, der zuletzt für den FC Vaduz in der zweiten Schweizer Liga spielte. Oder Steffen Krautschneider, die Nummer 19. Seit vier Jahren in Schweinfurt, spielt im linken Mittelfeld und schoss in der ersten Pokal-Runde gegen Sandhausen das 2:1-Siegtor.

Eigentlich hatten die Schweinfurter einen anderen Plan. Aufstieg, hieß der. Aufstieg in die Dritte Liga, in den Profifußball. Dahin gehören die Schweinfurter, das ergibt sich aus der Tradition, dort sehen sich die Fans und so sieht das auch der Club-Chef Markus Wolf. Die Saison 2017/18 sollte die Aufstiegssaison werden, das Problem der Schweinfurter: München. 1860 München. Den Sechzigern fehlte das Geld, sie stürzten aus der zweiten Liga in die Regionalliga Bayern und waren plötzlich ein Schweinfurter Problem. Am Anfang lief noch alles halbwegs nach Plan, Schweinfurt blieb Sechzig auf den Fersen, war als einziger ernsthafter Titelkonkurrent in der Regionalliga Bayern übriggeblieben – bis zum 13. Spieltag: 1860 empfing Schweinfurt, 1860 führte Schweinfurt vor, 1860 siegte mit 3:1 – der Schweinfurter Traum war geplatzt. Vorerst.

Markus Wolf ist der starke Mann beim FC Schweinfurt 05. Er ist Hauptsponsor und Präsident, und er hat einen ganz klaren Plan für den FC 05. Zurück in den Profifußball. Wolf führt einen Möbelhandel, nach eigener Aussage der größte Importeur von Indienmöbeln weltweit. Im vergangenen April kündigte er auf der Hauptversammlung des Clubs an: „Wir geben jetzt Vollgas und wollen mit aller Macht in die Liga.“ Wolf hat sein finanzielles Engagement erhöht, in Schweinfurt trainieren sie jetzt unter Profi-Bedingungen. Allerdings wurden die Aufstiegspläne um ein Jahr verschoben – wenn dann keine Löwen mehr im Weg stehen.

Ausverkauft: Das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt ist seit Tagen ausverkauft. 15 000 Karten sind verkauft, 3000 Frankfurter Fans werden im Gästeblock erwartet, weitere 1000 Frankfurter sollen Karten für die normalen Plätze haben.

Stadion-Öffnung: Der FC Schweinfurt 05 empfiehlt aufgrund des Zuschauerandrangs eine frühzeitige Anreise. Das Stadion öffnet um 18.30 Uhr, ab 15 Uhr gibt es Verköstigung auf dem Ander-Kupfer-Platz für die Heimfans und hinter dem Gästeblock für die Gästefans.

Parkplätze: Parkplätze gibt es auf dem Volksfestplatz, geparkt werden darf auch auf der Niederwerrner Straße und dem Kennedy-Ring, weitere Parkplätze gibt es am Schulzentrum in der Geschwister-Scholl-Straße.

Anreise: Eintracht-Fans reisen aus Frankfurt am besten über die A66 Richtung Fulda und dann die A7 und die A 70 nach Schweinfurt an.  

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