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Im finnischen Tor

Eintracht-Keeper Hradecky: Lächelnd gegen die DFB-Elf

  • VonPeppi Schmitt
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Der in der Slowakei geborene Torwart hat bei dem Frankfurter Bundesligisten eine rasante Entwicklung hingelegt.

Es ist ein Jahr her, da gab es nicht wenige in Frankfurt oder in der gesamten Fußball-Bundesliga, die die Frage stellten: Wer ist Lukas Hradecky? Ein in der Slowakei geborener finnischer Torwart aus der dänischen Liga hatte durchaus etwas Exotisches. Für zwei Millionen Euro Ablöse hatte die Eintracht Hradecky von Bröndby IF aus Dänemark geholt, als Nachfolger von Kevin Trapp, der für neun Millionen Euro zu Paris St. Germain gewechselt war. Man muss sich dies in Erinnerung rufen, will man die Entwicklung dieses Spielers richtig beurteilen. Denn Hradecky, den noch der frühere Trainer Armin Veh aus mehreren Kandidaten ausgewählt hatte, hat sich binnen zwölf Monaten nicht nur zu einem der besten Torhüter der Liga entwickelt, sondern auch zu einem Publikumsliebling.

Längst wissen alle, wer Hradecky ist. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Eintracht in der vergangenen Saison noch die Kurve gekriegt hat. Sein gehaltener Elfmeter in Darmstadt gegen Sandro Wagner gilt als Schlüsselszene der Rettung. In seine zweite Saison ist er noch besser gestartet als in die erste. Beim glücklichen Pokalerfolg in Magdeburg war er der beste Mann, wehrte unter anderem zwei Elfmeter ab. Beim Sieg gegen Schalke zum Liga-Auftakt gelang ihm gleich eine Parade, die für Aufsehen sorgte. Klaas-Jan Hunterlaar hatte zehn Minuten vor dem Ende völlig frei gestanden, der Ausgleich schien nur noch Formsache. Doch Hradecky wehrte den Schuss aus kürzester Entfernung ab, mit der rechten Hand.

„Da mache ich mich breit, schließe die Augen und hoffe, dass er mich anschießt“, hat er hinterher gesagt. Das sind Aussagen, die die Fans an ihm lieben. Keine Sprüche über besondere Reflexe, hartes Training oder Ähnliches, das ist bei ihm sowieso selbstverständlich, sondern auch das Eingeständnis, dass Glück bei solchen Rettungstaten dazugehört.

Am Mittwoch wird sich Hradecky auf der großen Bühne präsentieren. Mit Finnland spielt er in Mönchengladbach gegen Weltmeister Deutschland. „Ich fahre da hin mit einem breiten Lächeln im Gesicht“, hat er gesagt. Und sich am Montag in den Zug nach Düsseldorf gesetzt. Dort treffen sich die Finnen zur Vorbereitung auf das Spiel. Der Torwart freut sich auf viel Arbeit. Er erwarte eine „besondere Herausforderung und ein tolles Erlebnis“ gegen die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Für den 26 Jahre alten Keeper wird sein 27. Länderspiel der bisherige Höhepunkt der internationalen Karriere werden. „Ich hoffe nur, dass wir nicht 0:5 oder 0:6 verlieren, das wäre schlecht für unser Qualifikationsspiel“, sagt er. Am nächsten Montag starten die Finnen in die WM-Qualifikation gegen Kosovo.

Erfrischend normal

In Frankfurt hat Hradecky mehr gehalten, als er versprochen hat. Das ist bei Neuzugängen der Eintracht eher ungewöhnlich. Er ist selbstbewusst und doch bescheiden. Er ist ein vorbildlicher Profi, aber auch ein freundlicher Mensch. Nicht, dass sich das ausschließen würde, aber man trifft im Kreis vieler Egomanen nicht mehr so oft auf diese Kombination. Hradecky ist erfrischend normal. Natürlich trinke er auch mal ein Bier, hat er schon öfter erzählt, „ich bin doch auch nur ein Mensch“.

Hradecky gibt längst alle Interviews auf Deutsch. Das hat er nebenbei gelernt. Er scheut sich nicht, klare Ansagen zu machen. Er blickt mit Grauen auf die vergangene Saison zurück. „Wir hatten Glück, es waren nur Kleinigkeiten, die uns gerettet haben“, gibt er zu. „Wenn man hoffen muss, dass ein Elfmeter nicht reingeht, läuft etwas falsch.“ Er hat es korrigiert, damals in Darmstadt. So etwas dürfe aber nie mehr vorkommen, hat er gesagt und nach dem Pokalspiel gefordert: „Wir müssen mehr Chancen kreieren, die Ordnung muss besser werden“. Längst ist er in der Hierarchie ganz weit nach oben gerückt, kommt gleich nach Kapitän Alexander Meier. Er habe sich schneller etabliert, als er selbst gedacht habe. „Ich bin gekommen, um zu beweisen, dass ich Bundesliga spielen kann“, sagt Hradecky, „jetzt werde ich schon zu einem führenden Spieler.“ So schnell kann es manchmal gehen.

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