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Eintracht-Bilanz

Das Eintracht-"Klassenbuch" der Hinrunde: Strategen und Überflieger

Die Eintracht hat sich blendend geschlagen – mit Platz sechs in der Bundesliga und sechs Siegen in der Europa League. Viele persönliche Geschichten sind bei der Eintracht geschrieben worden. Geschichten von Siegern, aber auch von Verlierern. Wir haben sie im „Klassenbuch“ zusammengetragen.

Musterschüler

Makoto Hasebe (11 Bundesligaspiele/0 Tore/6 Europa-League-Spiele/0 Tore): Wichtigster Spieler, der Stratege, die Säule, der Alles-Zusammenhalter. Nie war der Japaner wertvoller als heute. Zu Recht mit einem neuen Kontrakt belohnt.

Luka Jovic (15/12/6/5): Er knipst und knipst und knipst. Eiskalt, unerbittlich, gnadenlos. Dabei ist er gerade erst 21 geworden. Erster und einziger Eintracht-Profi, der in einem Spiel fünf Buden machte.

Sébastien Haller (17/9/6/3): Noch so ein Überflieger. Macht die Bälle fest, verteilt sie klug, hat technisch enorm dazugelernt, führt mit die meisten Zweikämpfe, gewinnt sie auch, zuweilen auf unorthodoxe Art. Nie verletzt. Legt auf und trifft verlässlich. Chapeau.

Filip Kostic (17/1/4/2): Was für eine Wandlung: Das kann nicht der Kostic sein, der in Stuttgart und Hamburg so lustlos vor sich hinkickte. Spurtet fast das ganze Spiel durch, immer volle Pulle. Lieferte sechs Vorlagen in der Liga und stete Torgefahr. Als Linksverteidiger. Dazu defensiv erstaunlich stark.

Kevin Trapp (16/0/4/0): Glücksgriff ohne Risiko. Sicherer Rückhalt, starke Paraden, überragend im Spielaufbau mit dem Fuß, gereift als Persönlichkeit.

Ante Rebic (12/5/4/0): Überraschend nach der WM in Frankfurt geblieben. Er weiß halt, was er an der Eintracht hat, inklusive Gehaltserhöhung. Einmalig seine Wucht, seine Aggressivität, sein Pressing – das kann in der Liga keiner so wie er.

Danny da Costa (17/1/6/2): Immerspieler auf rechts. Nimmermüde, kam ohne Verletzungen durch die Hinrunde, das ist gut. Die Alternativen sind rar gesät. Marschiert ständig nach vorn, doch seine Flanken sind häufig zu ungenau, nur zwei Vorlagen in der Bundesliga. Dafür torgefährlich in Europa.

Evan Ndicka (17/1/4/0): Vom unbeschriebenen Blatt zum Stammspieler. Abgebrüht wie ein alter Hase, kocht Angreifer reihenweise ab, guter Zweikämpfe, feine Technik für einen Verteidiger. Man vergisst bei seinem abgezockten Spiel, dass er erst 19 Jahre alt ist.

Zweite Reihe

Gelson Fernandes (15/1/4/0): Fleißiges Lieschen. Rennt von Pontius zu Pilatus, bis er den Ball hat. Hat auch fußballerisch eine Schippe draufgelegt. Dazu mit hoher Sozialkompetenz ausgestattet, hält den Laden zusammen, immer lächelnd, immer guter Laune.

Jonathan de Guzman (17/2/4/0): Licht und Schatten. Eine gewisse Kontinuität geht ihm ab. Vier Vorlagen in der Liga sind nicht schlecht, erzielte das schnellste Eintracht-Tor der Hinrunde, nach 52 Sekunden lag in Augsburg der Ball im Tor.

Mijat Gacinovic (16/0/6/2): Ist ein bisschen stabiler geworden, doch zu häufig versandet sein Spiel, bleiben seine gut gemeinten Pässe an Gegners Füßen hängen. Gibt nie auf, läuft viele, viele Kilometer, haut sich immer rein.

David Abraham (9/0/3/0): Kam schleppend in die Saison, mit vielen einfachen Fehlern. Stabilisierte sich im Saisonverlauf. Der Kapitän läuft viele Bälle ab. Allerdings: Die Wehwehchen häufen sich, er fehlt oft. Hinterbänkler

Lucas Torro (5/0/2/1): Kluger Kopf, der im vergangenen Halbjahr viel zu verarbeiten hatte. Erst den Wechsel aus Spanien nach Deutschland, dann den tragischen Tod seines Bruders, nun eine Schambeinverletzung. Torros Rückkehr wird noch dauern, kein Problem, er hat noch viereinhalb Jahre Vertrag. Starkes Kopfballspiel, ordentliche Ballbehandlung, nicht ganz so schnell und mit dem einen oder anderen haarsträubenden Fehlpass zu viel. Kann aber noch werden.

Carlos Salcedo (6/0/0/0): Sollte der Abwehrchef werden, fiel nach einem Tritt des Bremers Klaassen aber lange aus. Hat klasse Heilfleisch, in der Endphase der Hinrunde wieder im Dienst, aber auch mit einigen Wacklern.

Jetro Willems (12/0/5/0): Bringt viele Qualitäten mit, vor allem eine exzellente Technik. Um häufiger zu spielen, muss der Mann aus Curaçao zielstrebiger werden. Flog zweimal hintereinander vom Platz und aus dem Team. Nicht klug.

Marco Russ (4/0/4/0): Achtmal eingesetzt, siebenmal gewann die Eintracht. Muss in der Abwehrarbeit viel mit Auge lösen, weil die Beine nicht mehr wirklich schnell unterwegs sind. Mittlerweile ein gereifter Führungsspieler abseits des Rasens. Dafür mit einem Einjahresvertrag belohnt.

Simon Falette (4/0/4/0): Im Vergleich zur Vorsaison ein klarer Rückschritt. Spielte wenig, in der Bundesliga fast gar nicht. Ist der Verteidiger für Europa, dort immerhin viermal eingesetzt, in Marseille sogar als Linksverteidiger und mit der Vorlage zum Siegtor.

Blauer Brief

Nicolai Müller (7/2/4/0): Zwei Tore in der Liga, das 1:0 in Freiburg und das 3:0 in Stuttgart, das war gut. Besitzt eine gewisse Torgefahr. Ansonsten aber enttäuschte der Ex-Nationalspieler. Nach seiner Knieverletzung nicht mehr spritzig genug.

Marc Stendera (5/0/3/0): Das Frankfurter Eigengewächs sollte gehen, wollte bleiben und wurde – Stichwort: Trainingsgruppe zwei – erst mal nicht berücksichtigt, ehe er gegen Lazio Rom ein gelungenes, von den Fans umjubeltes Kurz-Comeback feierte. Danach häufiger eingesetzt, wenngleich er nur mitschwamm.

Allan Souza (4/0/0/0): Beim wichtigen 4:1-Erfolg am sechsten Spieltag gegen Hannover über 90 Minuten aufgeboten. Da dachte man, es könnte vielleicht was werden mit dem vom FC Liverpool ausgeliehenen Techniker. Eine Fehleinschätzung, ihm fehlt der Biss. Jetzt ist der Brasilianer am Knie verletzt und muss im Sommer wohl wieder gehen.

Taleb Tawatha (3/0/3/0): Überraschend am ersten Spieltag in Freiburg in der Startelf, danach durfte er nur noch ran, wenn andere geschont werden mussten. Aus einem einfachen Grund: Seine Qualität reicht nicht aus.

Marco Fabián (1/0/0/0): Erst abgeschoben in die Trainingsgruppe zwei, dann aufgeboten beim Spiel in Dortmund, später überhaupt keine Option mehr. Soll weg, will auch gehen. UANL Tigres aus Mexiko hat angeblich Interesse.

Branimir Hrgota (1/0/0/0): Sollte im Sommer weg. Soll es auch noch im Winter. Das sagt alles.

Zu viele Fehlstunden

Frederik Rönnow (2/0/2/0): Nach Verletzungsproblemchen in der Vorbereitung, einer schwachen Leistung beim 0:5 im Supercup gegen den FC Bayern, dem ordentlichen Spiel beim 2:0-Sieg in Freiburg verpflichtete die Eintracht auf den letzten Drücker noch Kevin Trapp. Eine richtige Entscheidung. Rönnow ist kein schlechter Torhüter, er blieb in beiden Ligaeinsätzen ohne Gegentor. Es mangelt ihm aber an Ausstrahlung, wirkt sehr jugendlich. Eine gute Nummer zwei.

Jan Zimmermann (0/0/0/0): Sein Stammplatz ist die Tribüne, damit kann sich der 33-Jährige aber sicher anfreunden. Beliebt bei Mitspielern und Trainern, solche Leute braucht es in einer Mannschaft.

Felix Wiedwald (0/0/0/0): Als Torhüter Nummer zwei geholt, mittlerweile an die vierte Stelle abgerutscht – warum, das ist im Training zu sehen. Schwach.

Deji Beyreuther (0/0/0/0): Eigentlich ein ganz guter Kicker, mit seinen 19 Jahren aber noch eher ein Jugendfußballer. Schließt sich für die Rückrunde leihweise dem Viertligisten Chemnitz an, braucht schließlich Spielpraxis.

Noel Knothe (0/0/0/0): Auch dafür da, den Kader mit deutschen Vertragsspielern aus dem eigenen Leistungszentrum aufzufüllen. Der 19-Jährige ist ohne Einsatzchance, sollte sich im Sommer einen neuen Club suchen.

Es fehlten entschuldigt

Timothy Chandler (0/0/0/0): Der Ausfall des Deutsch-Amerikaners wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie wog schwer, weil er eine mehr als gute Alternative auf der rechten Bahn gewesen wäre. Kann er dann hoffentlich in der Rückserie sein.

Goncalo Paciencia (0/0/0/0): Schoss im DFB-Pokal beim Aus in Ulm ein Tor, musste danach wegen eines Meniskusrisses zuschauen. Er hat Potenzial, wird sich aber hinter dem Trio infernale als Angreifer Nummer vier einreihen müssen.

Schulabbrecher

Danny Blum (1/0/0/0): In der Vorbereitung hatte man den Eindruck, Hütter wolle Blum aufbauen. Dann reichte die Qualität doch nicht, der Linksfuß wurde nach Las Palmas verliehen. Dort mit 13 Einsätzen und zwei Vorlagen, meist nur Einwechselspieler.

Francisco Geraldes (0/0/0/0): Feiner Techniker, Bücherfreund, kluger Junge. Konnte sich nie durchsetzen, zu wenig Biss, zu schnell das Tempo, zu oft verletzt. Kehrt zu seinem Stammverein Sporting Lissabon zurück.

Daichi Kamada (0/0/0/0): Im Sommer an den belgischen Club VV St. Truiden ausgeliehen, fast schon abgeschoben. Blühte dort förmlich auf, erzielte in 15 Spielen zehn Tore für den Tabellenfünften.

Marjan Cavar (0/0/0/0): Spielt auf Leihbasis in Kroatien bei NK Osijek, machte neun Spiele, kein Tor.

Max Besuschkow (0/0/0/0): Zu Royale Union Saint Gilloise ausgeliehen. Das liegt bei Brüssel, ist zweite Liga. 17 Einsätze, keine Auffälligkeiten.

von THOMAS KILCHENSTEIN UND DANIEL SCHMITT

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