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Die Eintracht ist müde

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Auch ein Kämpfer wie David Abraham merkt die Belastungen der Saison.
Auch ein Kämpfer wie David Abraham merkt die Belastungen der Saison. © Marc Schüler (Marc Schüler)

Sperren, Verletzungen, Krankheiten: Zurzeit fehlen dem Eintracht-Coach 50 Prozent der Mannschaft aus der Vorrunde.

Auch er wollte nur noch nach Hause. Auf eine tiefschürfende kritische Analyse der Mängel hatte Niko Kovac direkt nach dem 1:0 (1:0) im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Arminia Bielefeld nicht so recht Lust. „Es zählt nur das Weiterkommen. Die Art und Weise möchte ich links liegen lassen“, meinte der Trainer der Frankfurter Eintracht kurz und knapp.

Die Probleme sind allerdings klar erkennbar. Acht Spiele erst im neuen Jahr – sechsmal in der Liga, zweimal im Pokal – und die Eintracht läuft schon auf der letzten Felge. Das hat auch Kovac erkannt und seinen Spielern den heutigen Donnerstag freigegeben. Das 1:0 gegen Bielefeld hat viel Kraft gekostet. Und durch die Sperren, Verletzungen und Krankheiten sind die personellen Möglichkeiten des Trainers inzwischen doch sehr eingeschränkt.

„Zurzeit fehlen 50 Prozent der Mannschaft aus der Vorrunde“, sagt Kovac, „das ist jetzt eine ganz andere Eintracht-Mannschaft als in der Hinserie.“ Die zwar immer noch außergewöhnlich und unerwartet gut dasteht mit dem Erreichen des Halbfinales im DFB-Pokal und Platz sechs in der Liga, die aber sowohl körperlich als auch spielerisch besorgniserregend schwächelt.

Der 45 Jahre alte Coach spürt, dass sein Team an einem Scheideweg steht. Die vielen Fehlpässe gegen Bielefeld hatten dazu geführt, „dass wir früh unser Selbstvertrauen verloren haben.“ Das ist sicher ein Ansatz. Ein anderer aber ist, dass wichtige Spieler wie Jesus Vallejo oder Marco Fabián einfach nicht zu ersetzen sind. So fehlt es nun hinten und vorne und vor allem im Mittelfeld. In der Defensive sei die Eintracht „absolut am Limit“, räumt Kovac ein. Von der stabilen Deckung des ersten halben Jahres sind ja nicht mehr wirklich viele übrig geblieben. Gegen Bielefeld hatten aus unterschiedlichen Gründen mit Makoto Hasebe, Jesus Vallejo und Bastian Oczipka drei wichtige Bausteine gefehlt. Was dazu führte, dass sogar der Zweitligist zu fünf hochkarätigen Chancen gekommen war.

Plädoyer für Meier

Seine Stürmer dagegen nahm Kovac zu Recht in Schutz, allen voran Alexander Meier, der gegen Bielefeld wirkungslos geblieben war. Der Angreifer sei „abgeschnitten“ gewesen vom Spiel, weil der Plan, über die Flügel die Bielefelder Abwehr aufzureißen, im Grunde nur einmal, beim siegbringenden1:0 von Danny Blum, aufgegangen war. „Die Kritik an Alex ist nicht korrekt, er hat sein Bestes gegeben“, sagte der Trainer. Meiers Qualitäten würden nun mal in der „Box“ liegen, also im Strafraum, und genau dahin kommt kaum ein Ball. „Daran sind nicht die Stürmer schuld“, sagte Kovac, „es liegt an jenen, die sie nicht ins Spiel bringen.“

Also am Mittelfeld. Aber das ist kein Wunder. In den ganz guten Tagen haben dort Hasebe, Szabolcs Huszti und Marco Fabián gespielt. Gegen die Arminia haben sie nicht gespielt. Omar Mascarell, Mijat Gacinovic und Aymen Barkok sind nicht, nicht mehr oder noch nicht in der Lage spielerische Akzente zu setzen. Da ist es eine ausgesprochen gute Nachricht, dass Fabián im Training gute Fortschritte macht und auf absehbare Zeit wieder eine Alternative werden könnte. Kurzfristig freilich bleibt Kovac nur die Verwaltung des Mangels. Gegen den SC Freiburg wird am Sonntag ja auch David Abraham fehlen, der noch eine Woche gesperrt ist.

Immerhin, die Eintracht kann darauf hoffen, dass Hasebe und Oczipka zurückkehren werden. Hasebe hatte am Dienstag noch mit hohem Fieber im Bett gelegen, seit Mittwoch gehe es ihm „deutlich besser“, wie er dem Trainer am Telefon versicherte. Schon an diesem Donnerstag wollte der Japaner wieder loslegen, doch Kovac hat ihn gebremst. Verteidiger Oczipka war am Montag umgeknickt und hat sich eine Knöchelverletzung zugezogen. Die Untersuchungen haben ergeben, dass nichts gebrochen oder gerissen ist, es handelt sich wohl um eine starke Bänderdehnung. „Ich hoffe, dass er spielen kann“, sagt der Trainer. Dabei könnten durchaus auch Schmerzmittel eingesetzt werden, Spritzen und/oder Tabletten.

Weitere gute Nachrichten aus der Personalabteilung aber gibt es nicht. Denn ausgerechnet beim so schmerzlich vermissten Innenverteidiger Vallejo geht es nicht voran. Dessen Muskelverletzung ist wohl schlimmer als angenommen, der Spanier steht noch nicht einmal für Lauftraining auf dem Platz.

Nur ein Spieler scheint völlig frei zu sein von Abnutzungserscheinungen. Torwart Lukas Hradecky war auch gegen Bielefeld wieder der beste Mann seiner Mannschaft. Die Leistung in der zweiten Halbzeit sei schlicht „Weltklasse“ gewesen, lobte Kovac überschwänglich. Dem Lob folgte ein Bitte: Hradecky möge doch so schnell wie möglich seinen noch bis 2018 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern. Der Eintracht bliebe dann auch ein offener, kritischer Geist erhalten: „Wir sind zwar optimal gestartet, danach haben wir aber zweitklassig gespielt“, monierte der finnische Nationalkeeper nach dem Sieg über Bielefeld: „So können wir nicht weiterspielen. Sonst verlieren wir am Sonntag gegen Freiburg.“

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