Schwerer Gang: die Eintracht-Delegation mit Justiziar Philipp Reschke (von links), Rechtsanwalt Christoph Schickhardt und Vorstand Axel Hellmann auf dem Weg zum Sportgericht in der DFB-Zentrale in Frankfurt.
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Schwerer Gang: die Eintracht-Delegation mit Justiziar Philipp Reschke (von links), Rechtsanwalt Christoph Schickhardt und Vorstand Axel Hellmann auf dem Weg zum Sportgericht in der DFB-Zentrale in Frankfurt.

Eintracht Frankfurt

Eintracht muss hart büßen

  • VonKlaus Veit
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Teilausschluss der Zuschauer in Pokal und Liga: Für erneute Fan-Krawalle wird die Eintracht vom DFB-Sportgericht hart bestraft. Lesen Sie hier das Urteil im Einzelnen.

Dieses „Auswärtsspiel“ war für die Frankfurter Eintracht nicht zu gewinnen. Zu lang war die Latte der Vorstrafen, zu schändlich und teilweise gar kriminell war das Verhalten einiger Anhänger des Fußball-Bundesligisten beim Spiel der 1. DFB-Pokalrunde beim VfL Magdeburg gewesen. Unter anderem waren dort zwei Raketen gezielt in einen Magdeburger Zuschauerblock geschossen worden.

Bei der Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht am Montag konnte Eintracht-Anwalt Christoph Schickhardt ein hartes „1:6“ nicht verhindern. Die Strafen und Auflagen im Einzelnen: 0:1: Die Bewährung des Urteils vom 12. Juli, wo es um diverse Verfehlungen während der vergangenen Rückrunde gegangen war, wurde widerrufen. Das bedeutet, dass im kommenden Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Bayern München am 15. Oktober der Block 40 der Nordwesttribüne leer bleiben wird. Dort stehen normalerweise über 2000 der heißesten Anhänger. 0:2: Im Pokalspiel gegen den FC Ingolstadt am 26. Oktober bleibt die Nordwesttribüne komplett gesperrt. Nur Sitzplatz-Dauerkartenbesitzer, das sind insgesamt gut 14 000 Personen, der anderen Stadionbereiche dürfen Tickets für diese Partie kaufen und müssen sich dabei verpflichten, diese nicht weiterzugeben. Der Gästebereich ist normal geöffnet. Da der Spieltermin auf einen Dienstagabend fällt, rechnet Eintracht-Vorstand Axel Hellmann nur mit insgesamt rund 10 000 bis 12 000 Besuchern. 0:3: Bei jedem Auswärtsspiel der Saison muss die Eintracht je 50 eigene, qualifizierte Ordner mitbringen. In Absprache mit dem DFB kann diese Zahl bei unbedenklichen Begegnungen auf 30 reduziert werden. 0:4: In der gesamten Rückrunde dieser Saison darf die Eintracht nur personalisierte Auswärtstickets verkaufen. Die Käufer müssen sich dann in den entsprechenden Stadien mit Personalausweis und Ticket überprüfen lassen. Bis Ende Oktober soll ein entsprechendes Konzept erstellt werden. 0:5: Da im DFB-Pokal Einnahmeteilung besteht, muss die Eintracht nach Absprache mit dem FC Ingolstadt sowie dem DFB dem Gegner eine Entschädigung bezahlen. Sollte eine Einigung mit Ingolstadt nicht zustande kommen, wird der DFB eine Summe festlegen. 0:6: Die Eintracht muss die Verfahrenskosten tragen. 1:6: Das Sportgericht verzichtete auf noch härtere Maßnahmen wie Pokal-Ausschluss oder komplettes Geisterspiel. Richter Hans E. Lorenz führte als strafmildernde Gründe hauptsächlich zwei Dinge auf. Einerseits habe sich die Eintracht eindeutig von den Tätern distanziert (Lorenz: „Das war früher nicht immer so“), andererseits habe es rechtsradikale Provokation aus dem Magdeburger Block Richtung Frankfurter Anhänger gegeben.

Nach knapp zweistündiger Beweisaufnahme, bei der sich alle Parteien über die Vorfälle grundsätzlich einig waren, hatte sich das Gericht mit der Eintracht-Delegation sowie dem DFB-Kontrollausschuss, angeführt von Anton Nachreiner, zu einem Vermittlungsgespräch zurückgezogen, in dem nach rund 60 Minuten eine Einigung über das Strafmaß erzielt wurde. Der Richterspruch ist rechtskräftig.

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann akzeptierte die Strafen, bezeichnete Magdeburg als Tiefpunkt der Beziehung zu einigen Fans und hofft, dass in Zukunft weitere „Tiefpunkte ausbleiben“. Er hätte in der Verhandlung gerne die antisemitischen Provokationen der Magdeburger mehr in den Vordergrund gestellt, „aber dieses Fehlverhalten verblasste durch unsere eigenen Taten“. Lorenz versicherte, dass man sich in einem anderen Verfahren auch mit der Magdeburger Seite beschäftigen werde.

Hellmann forderte alle Stadionbesucher auf, den Verein zu unterstützen, wenn es um die Suche von Straftätern gehe: „Sonst wird der Club von wenigen in Geiselhaft genommen. Und das wollen wir nicht.“ Als besonders hart für den Verein bezeichnete Hellmann den Teilausschluss gegen München, denn „dieses Spiel wird in über 200 Ländern übertragen.“

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