Zuversicht sieht anders aus: Niko Kovac nach dem 0:3 in Mönchengladbach.
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Zuversicht sieht anders aus: Niko Kovac nach dem 0:3 in Mönchengladbach.

Eintracht Frankfurt

Ist die Eintracht noch zu retten?

  • VonPeppi Schmitt
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Noch acht Spiele, drei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer, ein Tor Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz, aktuell qualifiziert für die Relegationsspiele, ein seit Wochen ungebremster Absturz in der Tabelle: Ist Eintracht Frankfurt noch vor dem fünften Abstieg nach 1996, 2001, 2004 und 2011 zu retten?

Betrachtet man die letzten Wochen, ist die Eintracht dem Abstieg geweiht. Alle Optionen, die Vereinen in solchen kritischen Situationen zur Verfügung stehen, sind erfolglos verpufft. Zunächst wurde im Winter mit gleich fünf Spielern nachgerüstet. Das hat sich eher als kontraproduktiv herausgestellt, denn keiner dieser Spieler (Ayhan, Regäsel, Huszti, Fabian, Ben Hatira) hat bislang die Erwartungen erfüllt und der Mannschaft wirklich geholfen. Der Gedanke, den Konkurrenzkampf zu intensivieren, war nicht falsch, doch die geholten Spieler waren nicht die Richtigen. Zudem wurden andere, wie beispielsweise Timothy Chandler, letztes Jahr noch Stammkraft, komplett abgehängt.

Dem alten Trainer wurde lange das Vertrauen ausgesprochen. Die Eintracht wollte die Saison mit Armin Veh durchziehen. Erst als der Druck von außen zu groß wurde, knickten die Verantwortlichen ein. Veh selbst hat Diverses probiert, wie Taktik- und Personalwechsel, hat die Ansprache verschärft und die Trainingsintensität erhöht, doch nichts hat dauerhaft funktioniert.

Als vermeintlich letzte Patrone hat die Eintracht den Trainer gewechselt. Der Auftakt in Mönchengladbach war für Niko Kovac und alle, die sich einfache Lösungen erhofft und Veh zum Alleinschuldigen erkoren hatten, mehr als ernüchternd. Die Mannschaft hat eher schlechter gespielt als in den beiden Begegnungen seines Vorgängers in Berlin und gegen Ingolstadt. Erst jetzt weiß Kovac, auf was er sich eingelassen hat.

Ob bei Veh oder Kovac, die Hoffnungen lagen immer auf einer Verbesserung der Leistungen der Schlüsselspieler wie Aigner, Seferovic, Hasebe oder Oczipka. Das hat nicht geklappt und es gibt keine Hinweise, dass es klappen wird.

Beide Trainer haben immer auf die Rückkehr von verletzten Spielern gesetzt. Kovac hofft nun für Samstag, dass Carlos Zambrano, Marc Stendera und Alex Meier spielen können. Natürlich wäre dies ein Qualitätssprung für die Mannschaft. Aber es steht auch fest: Alle drei würden aus Krankheiten oder Verletzungen nach zwei- oder dreiwöchigen Pausen zurückkommen, könnten also kaum ihre volle Leistungskraft entfalten. Rückkehrer sind also nicht die Lösung des Problems, sondern vielmehr Teil des Problems, was zuletzt bei Stefan Reinartz deutlich zu erkennen war. Die Hoffnungen auf die Rettung sind also gering.

Aber sie ist natürlich nicht ausgeschlossen. Für die Eintracht spricht der Spielplan, der ihr direkte Duelle mit allen Konkurrenten beschert, zweimal zu Hause (Hannover und Hoffenheim) und zweimal auswärts (Darmstadt und Bremen). Selbstverständlich ist mit Erfolgen in diesen Spielen der Klassenerhalt möglich. Die Frankfurter haben es immer noch in eigener Hand, auch wenn die Wahrscheinlichkeit nicht groß ist, dass eine Mannschaft, die in 26 Spielen nur fünf Siege errungen hat, nun in acht Spielen vier schafft. Möglich aber ist es. Das hat die eigene Vergangenheit gezeigt, erinnert sei an das „Wunder“ mit Jörg Berger im Jahr 1999 mit vier Siegen an den letzten vier Spieltagen.

Grundvoraussetzung ist ein Erfolg gegen Hannover. Mit drei Punkten wäre die Eintracht wieder mitten drin im Rennen um den direkten Klassenerhalt. Danach hätte Kovac wegen der Länderspielpause zwei Wochen Zeit, klammert man das nächste Auswärtsspiel in München als hoffnungslosen Fall aus, sogar drei Wochen, um das Team doch noch einmal auf Vordermann zu bringen.

Der eine oder andere Verletzte könnte Rückstände aufholen. Nötig wäre es, dass Spieler wie Zambrano, Hasebe oder Seferovic endlich ihr Herz für ihren Arbeitgeber entdecken und die eigenen Ambitionen bei ihren Nationalmannschaften zurückstellen würden.

Wichtig für eine Rettungsmission wäre auch, dass Verein, Mannschaft, Publikum, Stadt und Region endlich wieder näher zusammenrücken. Aufbruchstimmung ist allenthalben nicht zu spüren, es herrscht Hoffnungslosigkeit, teilweise sogar Gleichgültigkeit. Es werden „Sündenböcke“ gesucht anstatt Lösungen. Nachdem Veh „erlegt“ wurde, bläst nun den Verantwortlichen wie Sportdirektor Bruno Hübner, Vorstand Axel Hellmann und Aufsichtsrat Wolfgang Steubing der Wind ins Gesicht.

Fazit: Ja, es ist möglich, dass die Eintracht erstklassig bleibt. Aber es ist längst nicht mehr wahrscheinlich.

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