Eintracht Frankfurt

Wie die Eintracht ohne Mascarell auskommen will

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Erst nächste Woche rechnet Kovac wieder mit Mascarell. Am Samstag kann die Eintracht schon einmal für nächstes Jahr üben, wie sie ohne ihren Ballverteiler auskommt.

Die von der in Sachen Real Madrid gewöhnlich gut informierten spanischen Sportzeitung AS verbreitete Nachricht hat Niko Kovac natürlich auch mitbekommen – und er nimmt sie in gewisser Weise als Zeichen der Wertschätzung für einen der Seinen, der nach dieser Saison offenbar erst einmal ein Königlicher werden soll. „Er wird ja nicht umsonst zurückbeordert, wie ich lese“, sagt der Trainer der Frankfurter Eintracht über Omar Mascarell, der noch seinem Kader angehört, ihm in diesen Tagen blöderweise aber auch nicht zur Verfügung steht. Hoffnung auf einen Einsatz seines Strategen im Heimspiel gegen Hannover 96 jedenfalls hat ihm das jüngste Gespräch mit der medizinischen Abteilung kaum gemacht. „Omar ist auf dem Weg der Besserung, aber die Chancen stehen nicht gut“, hat Kovac erfahren und will da nichts riskieren: „Ich wünsche mir natürlich, dass er dabei ist. Aber als Trainer tragen wir ja auch Verantwortung für die Gesundheit der Spieler.“ Auch in eigener Sache: Ein weiterer längerer Ausfall Mascarells wäre schließlich noch bitterer.

Langsam immerhin sind die Schmerzen abgeklungen, die den 25-jährigen Spanier seit einem Schlag auf den Spann beim 4:2 gegen den 1. FC Köln vor zweieinhalb Wochen plagen. Der Fußwurzelknochen ist auch nicht gebrochen, die Schwellung zurückgegangen, aber immer noch zu viel Flüssigkeit im Spiel. Die Gefahr eines Ermüdungsbruchs bestünde, hat Kovac erfahren – und rechnet daher erst am Sonntag in einer Woche bei Borussia Dortmund wieder mit Mascarell: „Das muss das Ziel sein.“

Am Samstag kann die Eintracht daher wohl schon einmal üben, wie es in der nächsten Saison dann ganz ohne ihren Ballverteiler gehen könnte, der nach seiner Achillessehnen-Operation bereits die ganze Hinrunde schmerzlich vermisst worden war und nach einem überragenden Comeback zum Rückrunden-Start nun auch schon wieder zwei Spiele verpasst hat.

Beim 2:1 gegen RB Leipzig fiel das noch nicht weiter auf, beim enttäuschenden 0:1 beim VfB Stuttgart zuletzt aber umso mehr. Bei beiden Gelegenheiten rückte Makoto Hasebe aus der Abwehr nach vorne, um den Vertretungsjob zu übernehmen. „Gegen Leipzig war das ein Volltreffer, in Stuttgart hat es nicht funktioniert“, resümiert Kovac. Wobei letzteres nicht an Hasebe allein gelegen habe: „Da haben alle Spieler nicht das Niveau erreicht, das wir uns vorgestellt haben.“ Zudem war es gewiss nicht hilfreich, dass auch Boateng in Stuttgart gesperrt fehlte. Er ist gegen Hannover wieder dabei – und könnte wie gegen Leipzig mit Hasebe das Mittelfeld lenken. Ganz entschieden hat sich Kovac noch nicht, wie er die Mascarell-Lücke und andere taktische Fragen löst. „Ich habe schon eine Idee, wie man das machen könnte“, sagte er gestern, „aber mir gehen viele Dinge durch den Kopf“. Vielleicht auch Wechsel in der ersten Elf oder bei den sieben Plätzen auf der Bank? „Wir hatten jetzt schon drei, vier Spiele fast den selben Kader“, sagt Kovac und überlegt, seine Spieltags-Crew etwas „durchzumischen“, „neue Impulse zu setzen“.

Die jüngste Enttäuschung soll so oder so für alle eine Lehre sein. „Wir sind Eintracht Frankfurt, wir müssen immer ans Limit gehen“, hat Kovac seinen Profis noch einmal eingebleut. Ohne die weiter unverhofft großen Europacup-Chancen in der in diesem Jahr nicht nur für ihn „unberechenbaren Bundesliga“ mit vielen unerwarteten Ergebnissen extra zu erwähnen, sagt er: „Man kann viel erreichen, wenn alle gesund bleiben und wir unsere Leistung abrufen. Wenn nicht, haben wir solche Spiele wie in Stuttgart.“

Gegen Hannover erwartet der Trainer eine gute Reaktion. Auch wenn Mascarell weiter ausfällt. Vermutlich wird Real Madrid die Rückkaufoption über vier Millionen Euro ziehen, die man sich beim Verkauf an die Eintracht im Sommer 2016 gesichert hat. „Omar hat diesen Vertrag. Sonst hätten wir ihn damals auch nicht bekommen, für kleines Geld“, erklärt Kovac. Laut AS will das ruhmreiche Real Mascarell in der Vorbereitung eine Chance geben, solange seine Weltstars noch im WM-Sonderurlaub sind. Oder ihn gegebenenfalls für eine stattlichere Summe gleich weiterverkaufen.

Ob die Eintracht eine Chance hat, da wieder ins Geschäft zu kommen? „Omar ist sehr glücklich hier, und wir werden ihn gerne behalten. Aber uns sind die Hände gebunden. Und Real ist Real, die lassen sich nicht unter Druck setzen“, weiß Kovac. Ganz aufgegeben hat er die Hoffnung nicht. „Fredi und Bruno sind kreative Jungs“, baut er auf Sportvorstand Bobic und Sportdirektor Hübner – notfalls auch auf der Suche nach Ersatz, möglicherweise auf gleichem Weg, aus den hinteren Reihen der vielen Talente Reals.

An den gerüchteweise ins Spiel gebrachten Marco Llorente habe man dabei noch nicht gedacht, so Kovac. Aber der Draht ist gut. Mit dem bereits zurückgeholten Innenverteidiger Jesus Vallejo und nun Omar Mascarell hat die Eintracht zwei Real-Spieler bestens weiter entwickelt, zur guten Tat gehört freilich auch eine Art Fluch: Das wird zwar in Madrid wohlwollend registriert. Je besser die Spieler aber werden, umso schlechter stehen die Chancen, sie in Frankfurt zu halten.

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