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Eintracht Frankfurt

Eintracht-Randalierer von Fan überführt

  • VonKlaus Veit
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Erstmals haben friedliche Fußball-Fans dabei geholfen, einen Straftäter aus ihren Reihen zu überführen. Der junge Mann hatte bei einem Pokalspiel der Eintracht Leuchtraketen in die gegnerischen Zuschauer geschossen.

Ein Polizeierfolg führt bei Eintracht Frankfurt zu großer Erleichterung. Der Straftäter von Magdeburg, der während eines Pokalspiels zwei Leuchtraketen in die Zuschauerränge schoss, ist anscheinend gefasst.

Die Fans des Fußball-Bundesligisten gelten seit Jahren als überdurchschnittlich heißblütig. Da wurde in der Vergangenheit auch schon mal weggeschaut, wenn sich der Stadionnachbar daneben benahm, mit Pyro zündelte, Gegner oder gegnerische Fans unflätig beschimpfte oder Gegenstände Richtung Spielfeld warf. Mitglieder aus der eigenen Szene bei der Polizei anschwärzen? Nein, das ging nicht.

Erstmals hat nun ein Fan erheblich dazu beigetragen, dass ein anderer Anhänger als Straftäter überführt werden kann. Blicken wir zurück auf den 21. August 2016: Frankfurt tritt im DFB-Pokal beim 1. FC Magdeburg an. Kurz nach der Pause fliegen zwei Leuchtraketen vom Frankfurter in einen Magdeburger Block. Gezielt, nicht zufällig. Eindeutig eine Straftat. Versuchte schwere Körperverletzung.

Ein Aufschrei der Entrüstung ging nicht nur durch die Fußballszene. Der Täter hatte eine Linie überschritten, hatte Pyrotechnik als Waffe genutzt. Ein Unding, fanden auch diejenigen unter den Eintracht-Fans, die ansonsten gegen bunten Rauch oder Leuchtfackeln nichts einzuwenden haben.

Einer von ihnen hatte die Szene aus nächster Nähe gesehen, den Täter gefilmt und das Video der Polizei übergeben. Und so konnte die „Ermittlungsgruppe Fußball“ am Dienstag zuschlagen. In Neu-Anspach wurde ein 24-Jähriger vorübergehend verhaftet. Bei der Hausdurchsuchung wurde nicht nur die Kleidung gefunden, die der Täter in Magdeburg getragen haben soll, sondern auch eine Eintrittskarte fürs Spiel, eine gehörige Menge an Pyrotechnik sowie ein ordentliches Lager an in Deutschland verbotenen Böllern.

Der junge Mann, der bisher der Polizei nicht bekannt war, verweigerte die Aussage und kam nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß. Ihm droht nun ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung sowie wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Die Polizei erklärte, dass er Mitglied eines Eintracht-Fanclubs ist oder zumindest war. Der Ultraszene soll er dagegen nicht angehören.

Für ihn könnte der Ausflug nach Magdeburg noch sehr teuer werden. Denn neben den strafrechtlichen Konsequenzen drohen ihm nun Regressansprüche seitens der Eintracht. Diese wiederum war nur rund 24 Stunden vor dem Zugriff in Neu-Anspach vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen des Abschießens der Leuchtraketen empfindlich bestraft wurden. Gegen Bayern München sowie im Pokal gegen Ingolstadt müssen bestimmte Stadionbereiche leer bleiben, in der Rückrunde muss die Eintracht zu jedem Auswärtsspiel 50 Ordner mitschicken und darf nur personalisierte Auswärtstickets verkaufen. Das alles zusammen kostet den Bundesligisten über 100 000 Euro. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann kündigte gestern bereits an, dass man den Täter zur Kasse bitten werde.

Eine andere Frage ist, ob das DFB-Sportgericht so harte Strafen ausgesprochen hätte, wenn der Täter einen Tag früher festgenommen worden wäre. Denn in einem Neun-Punkte-Plan zur Verfolgung und Ahndung von Zuschauer-Fehlverhalten, den der DFB vor zwei Jahren erstellte, steht, dass bei Zwischenfällen im Stadion „Täterorientierte Sanktionierung“ im Vordergrund stehen müssen. Das bedeutet, dass der betroffene Verein mit einer gewissen Milde rechnen darf, wenn er bei der Ergreifung des Täters mithelfen konnte. Dies war in diesem Fall eindeutig gegeben.

Ob Eintracht Frankfurt nun versuchen wird, ein neues, milderes Urteil vom DFB-Sportgericht zu erhalten, steht noch nicht fest. Ihr Rechtsanwalt Christoph Schickhardt prüft die Möglichkeiten.

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