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Unterstützung trotz aller Rückschläge: Die Fans sind ihrer Eintracht auch in diesen schweren Zeiten treu geblieben.

Eintracht Frankfurt

Eintracht-Serie Teil 4: Ausgeprägte Fankultur sorgt auch für Ärger

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Was für eine Saison für die Frankfurter Eintracht! Ein Jahr zwischen Himmel und Hölle: Zu Beginn hatte noch große Euphorie geherrscht, am Ende sogar Riesenjubel.

Was für eine Saison für die Frankfurter Eintracht! Ein Jahr zwischen Himmel und Hölle: Zu Beginn hatte noch große Euphorie geherrscht, am Ende sogar Riesenjubel. Dazwischen aber lagen Pleiten, Pech und Pannen. Der Eintracht drohte der Absturz in die Zweite Liga, es taten sich Gräben auf zwischen dem Club und Teilen seiner Anhänger. Erst ganz am Ende, als der Leidensdruck für alle unermesslich hoch war, standen wieder alle zusammen. Erst alles schlecht, dann wieder alles gut – beide Einschätzungen haben so nie gestimmt, kratzen höchstens an der Oberfläche. Eine sachliche Analyse dieser emotionalen Saison in vier Teilen. Vierter und letzter Teil: Das können die Fans tun.

Ganz am Ende, als er im politischen Sinne auf niemanden mehr Rücksicht nehmen musste, hat Heribert Bruchhagen noch einen wichtigen Satz gesagt: „Diese permanente Unterminierung der handelnden Personen im Internet lässt kaum noch Kontinuität in der Vereinsarbeit zu.“ Was sich auf diesem Gebiet bei der Eintracht gerade in den vergangenen zwölf Monaten abgespielt hat, war unsäglich. Zwischenzeitlich hat der Vorstand das vereinseigene Internet-Forum geschlossen, weil die Beleidigungen der handelnden Personen überhand genommen hatten. Nur um nach Wiedereröffnung einen noch größeren sogenannten „Shitstorm“ zu ernten.

Nun wird die Eintracht die Zeit nicht zurückdrehen können oder wollen, das Internet ist Teil unseres Lebens, und es ist ein wichtiger Teil. Die dort geäußerten Kritiken können helfen, den Verantwortlichen den Blick aufs Wesentliche, nämlich die eigene Kundschaft, zu schärfen. Doch die Frage bleibt, wie weit dies gehen darf. Aus der nachvollziehbaren Kritik am ehemaligen Trainer Armin Veh hatte sich über Wochen und Monate eine Beleidigungsorgie entwickelt, nicht alleine in Foren außerhalb der Eintracht, sondern auf der vom Club selbst betriebenen Plattform.

Da wurde Veh nicht nur Fachwissen abgesprochen, was jedem Fußballfachmann unbenommen ist, sondern auch menschliche Qualitäten. Es wurde weit unter der Gürtellinie geschlagen, in aller Regel ja anonym vorgetragen. Das „Ba- shing“ im Internet hat dann nach und nach seinen Weg bis hin ins Stadion gefunden. Das war grenzwertig. In anderen Teilen der Gesellschaft, beispielsweise bei Parteien, in der Kultur oder Wirtschaft, wäre es ausgeschlossen, sich auf eigenen Kanälen so selbst zu entblößen.

Jüngstes Beispiel ist die weitgehende Ablehnung des neuen Vorstandes Fredi Bobic. Bevor er überhaupt in Amt und Würden gekommen ist, hat die Kritik heftige Formen angenommen. Bobic, das zukünftige Gesicht der Eintracht, der an diesem Mittwoch offiziell seinen Dienst antreten wird, beginnt seine Arbeit mit einer großen öffentlichen Hypothek. Das meint Bruchhagen mit „Unterminierung der handelnden Personen“. Dass Vorstand Axel Hellmann, Präsident Peter Fischer und Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing ebenfalls in diesen Kreisen wenig bis gar keinen Kredit genießen, macht die Aufgaben für die Verantwortlichen der Eintracht sicher nicht einfacher. Sie bewegen sich auf dünnem Eis.

Machen sich die Bosse davon abhängig, können sie kaum noch in Verantwortung ihrer Arbeit nachgehen. Kümmern sie sich nicht um die Einwürfe von außen und innen, gelten sie als arrogant und haben sich vermeintlich von der Basis entfernt. Nehmen sie gar das Angebot einer Plattform auf der eigenen Homepage wieder zurück, wird das als Zensur empfunden. Und so bleibt wohl nur die Hoffnung, dass nach dieser emotional so aufwühlenden Saison in der nächsten Spielzeit ein wenig mehr Sachlichkeit einkehren möge. Würden daran alle arbeiten, wäre das schon mal ein guter Anfang.

Ein weiteres heikles Thema bei der Eintracht ist die ausgeprägte Fankultur. Die Spiele gegen Nürnberg in der Relegation waren die besten Beispiele für die zwei Seiten der Medaille. Auf der einen Seite die absolute Solidarität der Fans. In den schwierigsten sportlichen Stunden haben sie zur Mannschaft gestanden, haben trotz Rückschlägen jedwede Unterstützung gewährt und am Ende gemeinsam gejubelt. Das war hilfreich im Abstiegskampf, das war vorbildlich und macht eben den Unterschied aus zwischen großen Traditionsvereinen wie die Eintracht und vielen anderen Clubs.

Aber, und das darf nicht verschwiegen werden, ein kleiner Teil dieser Fans hat sich auch wieder daneben benommen. Mit den warum auch immer verhassten Nürnbergern hatte eine Art Pyro-Wettstreit stattgefunden, der jedes Maß überschritten hat. Beim Rückspiel war sogar wieder eine Rakete aufs Spielfeld geflogen. Die Eintracht, nach Vorfällen in der Vergangenheit nur auf Bewährung, werden die feuertechnischen Ausfälle wieder ganz viel Geld kosten. Es droht wieder einmal ein Zuschauer-Teilausschluss bei einem der ersten Heimspiele der neuen Saison.

Ein großer Teil der Anhänger muss dann wieder für die Uneinsichtigkeit eines kleinen Teils büßen. Hunderttausende von Euro mussten für Strafen schon ausgegeben werden in den vergangenen Jahren, buchstäblich verbranntes Geld, das an anderer Stelle viel besser angelegt gewesen wäre. Bleibt die Frage: Mit welchem Recht nehmen sich Gruppen von Anhängern heraus, dem ganzen Club immer und immer wieder zu schaden?

„Ich habe in meiner Zeit keinen Lösungsansatz gefunden, um konstruktiv zum Wohle von Eintracht Frankfurt zu kommunizieren“, hat Bruchhagen sein Verhältnis zu den „Ultras“ zum Abschluss beschrieben. Wird einer kleinen Gruppe weiter erlaubt, sich außerhalb geltenden Rechts zu stellen, wird es auch Bruchhagens Nachfolger Bobic nicht gelingen, für eine Befriedung der Situation zu sorgen.

Es bleibt der Zwiespalt, welcher Ansatz der Beste sein könnte: Kommunikation und Dialog oder konsequentes Verfolgen von Straftaten innerhalb und außerhalb der Stadien. Oder eben beides. Zu Erfolgen geführt hat bislang noch nichts. Dass der Deutsche Fußball-Bund mit seiner verallgemeinernden Rechtsprechung inklusive Sippenhaftung wie in früheren Jahrhunderten nichts tut, um deeskalierend zu wirken, sondern mit seinen undifferenzierten Urteilen das genaue Gegenteil bewirkt, passt da ins Bild. Ende der Serie

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