+
Frankfurter feiern Klassenerhalt Trainer Coach Niko Kovac Eintracht Frankfurt bekankt sich bei Fans

Eintracht-Serie

Eintracht-Serie Teil 2: Niko Kovac - der Glücksgriff

  • schließen

Was lief gut, was lief schlecht in dieser nervenaufreibenden Saison? Im zweite Teil unserer neuen Eintracht-Serie schauen wir auf einen Wundertäter - Eintracht-Coach Niko Kovac.

Was für eine Saison für die Frankfurter Eintracht! Ein Jahr zwischen Himmel und Hölle: Zu Beginn hatte noch große Euphorie geherrscht, am Ende sogar Riesenjubel. Dazwischen aber lagen Pleiten, Pech und Pannen. Der Eintracht drohte der Absturz in die Zweite Liga, es taten sich Gräben auf zwischen dem Club und Teilen seiner Anhänger. Erst ganz am Ende, als der Leidensdruck für alle unermesslich hoch war, standen wieder alle zusammen. Erst alles schlecht, dann wieder alles gut – beide Einschätzungen haben so nie gestimmt, kratzen höchstens an der Oberfläche. Eine sachliche Analyse dieser emotionalen Saison in vier Teilen. Zweiter Teil: Was alles gut lief.

Wenn man sich wie die Eintracht erst in der Relegation die Bundesliga-Zugehörigkeit sichert, ist viel schief gelaufen. Doch es war auch nicht alles schlecht. Es wurden viele falsche Entscheidungen getroffen, aber auch ein paar wirklich gute.

Der Trainer: Niko Kovac war ein Glücksgriff für die Eintracht. Neun Spiele in der Liga hatte der 44 Jahre alte Kroate Zeit, dann noch die beiden Extraspiele gegen Nürnberg. Auch unter ihm war nicht alles perfekt. So hätte die unnötige Heimniederlage gegen Hoffenheim fast das Ende aller Hoffnungen bedeutet. Doch grundsätzlich hat Kovac in allen Bereichen überzeugen können. Zum einen mit seiner Sozialkompetenz. Er hat es geschafft, aus einem zersplitterten Kader wieder eine Einheit zu formen. Kovac hat nicht nur angekündigt, „dass ich alle Spieler brauchen werde“, er hat es tatsächlich geschafft, die Mannschaft auf seinem Weg mitzunehmen. Als Freund der Spieler, aber auch als Chef hat er sich nicht gescheut, Spieler von der Tribüne auf den Rasen zu holen. Und umgekehrt.

Spielsystem: Niko Kovac hat gemeinsam mit seinem Bruder Robert dem Team ein neues Spielsystem verordnet. Das war nicht schön, aber zweckmäßig. Die Eintracht setzte im Endspurt auf eine stabile Defensive und dies war richtig. Die Offensive hat darunter gelitten, das Spiel war im Grunde noch unansehnlicher als unter seinem Vorgänger. Aber eben deutlich erfolgreicher. Vorne im Angriff blieb alles Stückwerk, die allermeisten Treffer zur Rettung waren durchaus auch Zufällen geschuldet, so die beiden Tore von Änis Ben-Hatira zum 1:0 gegen Hannover und dem 2:1 gegen Mainz.

Trainingsarbeit: Ein gravierender Unterschied in der Trainingsarbeit von Kovac zu Veh wurde bald deutlich. Während der frühere Coach auf die Stärke seiner eigenen Mannschaft baute, versuchte Kovac auch die Schwächen der Gegner zu benennen und zu nutzen. In der täglichen Arbeit wurden direkte Bezüge zum kommenden Gegner hergestellt. Die Video-Analysen wurden weiter ausgebaut, „weil Bilder viel mehr sagen als Worte“, wie Kovac betonte.

Personalfragen: Der neue Trainer hat auch personelle Veränderungen vorgenommen, Marco Russ spielte ausnahmslos nur noch Innenverteidiger, Makoto Hasebe nur noch im Mittelfeld. Beide stabilisierten dadurch ihre Form. Timothy Chandler kehrte ins Team zurück, und bald hatte auch Kovac gemerkt, dass Bastian Oczipka besser als Constant Djakpa ist. Auf vielen anderen Positionen wechselte der Neue von Woche zu Woche. Und dies mit Erfolg. Die Verpflichtung von Kovac war also ein voller Erfolg. „Gut, dass Bruno ihn durchgedrückt hat“, hat Vorstandschef Heribert Bruchhagen zum Abschied gesagt. Lob für Hübner also, den so viel kritisierten Manager.

Transfererfolge: Es war nicht der einzige Transfererfolg des Sportdirektors. Der Reihe nach: Im letzten Sommer hat die Eintracht Lukas Hradecky, Stefan Reinartz, David Abraham, Luc Castaignos und Mijat Gacinovic verpflichtet. Im Winter dann Marco Fabián, Kaan Ayhan, Szabolzs Huszti, Yanni Regäsel und Änis Ben-Hatira.

Die Sommerbilanz:Hradecky und Abraham gehören in die Kategorie „Supereinkäufe“. Beide haben konstant gut gespielt, sich von Woche zu Woche mehr in die Herzen der Fans gearbeitet. Castaignos erlitt nach starkem Beginn mit einer schweren Verletzung einen deutlichen Rückschlag. Eine endgültige Bewertung ist noch nicht möglich, ihn als Fehleinkauf zu bezeichnen, wäre ungerecht. Stefan Reinartz dagegen gehört sicher in die Kategorie „Enttäuschung“. Der ehemalige Leverkusener hat nun mit gerade 27 Jahren überraschend das Ende seiner Karriere erklärt. Gacinovic hat ganz am Ende seine Qualitäten mehr als angedeutet. Da spricht Trainer Kovac inzwischen von einem „Juwel“. Hübners Sommerbilanz war also eine durchaus gute.

Für den Winter gilt das nicht ganz. Vor allem weil Millionen-Mann Fabián bei Kovac nicht wirklich viel Vertrauen genoss. Immerhin, im letzten Spiel hat auch der Mexikaner angedeutet, was er kann. Ganz durchgefallen ist er jedenfalls (noch) nicht. Huszti ist im Lauf der Rückrunde immer besser geworden. Regäsel und Ben-Hatira waren Ergänzungen, die auch im wirtschaftlichen Rahmen geblieben sind. Einziger Flop war Ayhan. Eine durchwachsene Bilanz. Insgesamt aber können sich Hübners Transfers in dieser Saison sehen lassen.

Wirtschaftlichkeit: Absolut positiv schneidet die Eintracht bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit ab. Bruchhagen übergibt den Club schuldenfrei und mit einem Eigenkapital von rund sieben Millionen Euro. Es sind keine Rechte verkauft, der Verein ist durch und durch gesund. Selbst bei einem Abstieg hätte sich daran nichts geändert. Blickt man nur ein wenig in die jüngere Geschichte, muss das wirtschaftliche Denken und Handeln objektiv als vorbildlich eingestuft werden.

Andere Einschätzungen sind eher subjektiv. So hätten sich nicht wenige im Umfeld eine frühere Reaktion auf dem Trainerposten erhofft. Die Eintracht aber hat versucht, „trainerstabil“ zu bleiben, wie Boss Bruchhagen immer gesagt hat. So wurde der Abstiegskampf ohne große interne Verwerfungen durchgestanden, eine Selbstzerfleischung hat nicht stattgefunden. Freilich war es knapp und niemand weiß, was passiert wäre, wenn der Super-Gau eingetreten wäre. Deshalb wird es wichtig sein, nun knallhart zu analysieren und konsequent zu handeln. Was getan werden muss, lesen Sie am Dienstag im dritten Teil unserer Serie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare