Auf ihn kommt viel Arbeit zu: Fredi Bobic, der neue Frankfurter Sportvorstand.
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Auf ihn kommt viel Arbeit zu: Fredi Bobic, der neue Frankfurter Sportvorstand.

Eintracht Frankfurt

Eintracht-Serie Teil 3: Weniger Masse, mehr Klasse

  • VonPeppi Schmitt
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Was für eine Saison für die Frankfurter Eintracht! Ein Jahr zwischen Himmel und Hölle: Zu Beginn hatte noch große Euphorie geherrscht, am Ende sogar Riesenjubel.

Was für eine Saison für die Frankfurter Eintracht! Ein Jahr zwischen Himmel und Hölle: Zu Beginn hatte noch große Euphorie geherrscht, am Ende sogar Riesenjubel. Dazwischen aber lagen Pleiten, Pech und Pannen. Der Eintracht drohte der Absturz in die Zweite Liga, es taten sich Gräben auf zwischen dem Club und Teilen seiner Anhänger. Erst ganz am Ende, als der Leidensdruck für alle unermesslich hoch war, standen wieder alle zusammen. Erst alles schlecht, dann wieder alles gut – beide Einschätzungen haben so nie gestimmt, kratzen höchstens an der Oberfläche. Eine sachliche Analyse dieser emotionalen Saison in vier Teilen. Dritter Teil: Was alles anders werden muss.

Vieles muss sich ändern bei der Eintracht, damit eine Saison wie die gerade abgelaufene in Zukunft vermieden werden kann. Dem Hamburger SV und dem VfB Stuttgart ist dies in den vergangenen Jahren trotz deutlich besserer finanzieller Möglichkeiten und allerbesten Absichten nicht wirklich gelungen. Was deutlich macht, wie schwer die Aufgabe sein wird.

Mit Fredi Bobic, der als Nachfolger von Heribert Bruchhagen in den Vorstand rückt, steht zukünftig ein neuer Mann in der Verantwortung. Der ehemalige Nationalspieler muss gemeinsam mit seinen Kollegen Axel Hellmann und Oliver Frankenbach viele kritische Punkte abarbeiten. „Wir haben eine schlechte Saison gespielt“, sagt Hellmann, „jetzt müssen wir genau analysieren, warum was schief gelaufen ist.“

Den Weg wiederfinden: Da ist zunächst einmal die neue Zusammenstellung des spielenden Personals. Die Eintracht muss und wird in der kommenden Saison ein anderes Gesicht haben, mindestens die Hälfte des Kaders muss aus den unterschiedlichsten Gründen ausgewechselt werden. Ganz allgemein sollte gelten, dass die Frankfurter zurückfinden müssen zum Weg mit hungrigen und ehrgeizigen Spielern, die mit der Aufgabe wachsen wollen und nicht glauben, bereits etablierte Bundesligaspieler zu sein.

Bei der Suche wird wichtig sein, dass die Transfers positionsbezogener durchgezogen werden. Dafür ist die vor mehr als einem Jahr neu aufgebaute Scout-Abteilung unter Bernd Legien verantwortlich, die aus welchen Gründen auch immer in den letzten Monaten eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat.

Baustellen bearbeiten: Offensichtliche Baustellen gibt es genügend. Rechts hinten ist die Eintracht mit Timmy Chandler und Yanni Regäsel nicht optimal besetzt, auch wenn beide durchaus Steigerungspotenzial in sich tragen.

Links vorne gilt dies für Mijat Gacinovic in ganz besonderem Maße. Die Entscheidung, auf den als Neuzugang angedachten Hamburger Ivo Ilicevic zu verzichten, um Gacinovic nicht zu blockieren, macht Sinn. Dennoch muss ein weiterer Spieler gefunden werden, der dort spielen kann, denn Gacinovic hat bei allem Talent noch nicht abschließend nachgewiesen, dass er sich auch in Spielen gegen gute Bundesligavereine durchsetzen kann. Nürnberg kann da alleine kein Maßstab sein.

Gesucht werden seit den Abgängen von Schwegler und Rode vor zwei Jahren schnelle, technisch versierte defensive Mittelfeldspieler. Sie sollten jetzt endlich gefunden werden. Der frühere Ansatz, sich in der Zweiten Liga umzuschauen, könnte auch diesmal wieder der richtige sein.

Potenzial wecken: Aber auch der Blick in den eigenen Kader könnte hilfreich sein. Denn gerade der Mexikaner Marco Fabián, der nach Caio zweitteuerste Spieler der Eintracht-Geschichte, unter Trainer Kovac fast ins Abseits geraten, hat unbestritten hohes technisches Potenzial. Dies zu wecken, wäre eine in jeder Beziehung lohnende Aufgabe für den Trainer.

Blut auffrischen: Der Angriff braucht Blutauffrischung. Wer Haris Seferovic in dieser Saison gesehen hat, kann kaum noch glauben, wie gut er ein Jahr davor war. Da tut ein Wechsel gut – beiden Seiten. Bei Luc Castaignos sind Zweifel angebracht, dass seine technischen Möglichkeiten für die Bundesliga ausreichen. Eine neue Chance aber hat er sicher verdient. Alex Meier wird nicht jünger, hat aber immer noch einen großen Wert für die gesamte Mannschaft und den Verein. Ihn abzugeben wäre aus sportlicher Hinsicht das komplett falsche Signal. Er sollte gehalten werden.

Kader verschlanken: Ganz grundsätzlich muss der Kader verschlankt werden, weniger Masse, mehr Klasse. Freilich fehlt bei einem deutlich verkleinerten Aufgebot die Absicherung durch die U 23, die es ja nicht mehr gibt. Vielleicht kann sich Bobic zumindest langfristig dazu durchringen, den Fehler der Abmeldung zu korrigieren und die U 23 wieder zum Leben zu erwecken. Es würde der Eintracht in jeder Beziehung gut tun.

Partner finden: Solange das nicht der Fall ist, muss ein Partnerverein gefunden werden, bei dem Talente wie Luca Waldschmidt oder Joel Gerezgiher, der ja vom FSV Frankfurt zurückkehren wird, „geparkt“ werden und Spielpraxis sammeln können. Reif für die erste Liga sind die Youngster jedenfalls noch nicht. Mit dem FSV und dem SV Wehen Wiesbaden spielen zwei Drittligisten in unmittelbarer Nachbarschaft, die würden sich also anbieten.

Professionell leben: An die Adresse der Spieler: Sie müssen jene Konzentration auf den Beruf, der am Ende zur Rettung beigetragen hat, beibehalten. Nicht immer soll in der vergangenen Saison die persönliche Vorbereitung auf die Spiele wirklich professionell gewesen sein, der eine oder andere soll über die Stränge geschlagen haben. Das müssen Vorstand, Manager und Trainer dauerhaft einfordern.

Geldquellen suchen: Auf der Führungsebene muss die Suche nach neuen Geldquellen womöglich noch konsequenter fortgesetzt werden. Ausgewiesenen Finanzprofis wie dem Börsenguru Wolfgang Steubing (Aufsichtsratsvorsitzender) und dem ehemaligen Goldman-Sachs-Vorstand Philip Holzer (Aufsichtsrat) sollte mehr einfallen als „Genussscheine“, die ja inzwischen wieder zurückgezogen wurden. Nach inzwischen fünf Jahren Trainingslager in den reichen arabischen Emiraten wäre es zudem an der Zeit, daraus endlich auch finanziellen Honig zu saugen.

Der Eintracht entgegenkommen: Doch nicht nur der Verein, die Mannschaft, die Fußball-AG müssen einiges anders machen. Der Stadt Frankfurt sei angeraten ihrem größten sportlichen Aushängeschild in einigen Bereichen entgegenzukommen. Es ist durchaus schön und wichtig, wenn sich die Würdenträger aus Stadt und Land auf den Tribünen und den VIP-Räumen zeigen und in Krisenzeiten auch zum Verein stehen. Aber eine wirkliche Hilfe ist das im „modernen Städtekampf“, wie Heribert Bruchhagen die Bundesliga mal so treffend bezeichnet hat, nicht.

Dass die Frankfurter nach wie vor die höchste Stadionmiete im Land zahlen, ist zwar vertragsrechtlich in Ordnung, aber im Vergleich zur Konkurrenz ein riesengroßer Nachteil. Warum muss es erst nach Auslaufen der Verträge im Jahr 2020 zum großen Knall kommen, wenn jetzt mit ein bisschen Entgegenkommen bessere Lösungen zu finden wären? Wenn der scheidende Bruchhagen, in Politik und Wirtschaft hoch angesehen, zum Abschied davon spricht, „dass die Stadt nicht genug tut für die Eintracht“, sollte das abseits von Parteistreitigkeiten zu denken geben.

Mehr zur Eintracht

Nicht nur die Eintracht, ihre Spieler, ihre Vorstände und die wirtschaftlichen und politischen Würdenträger Frankfurts müssten Verbesserungen einbringen, auch im sogenannten Umfeld liegt einiges im Argen. Darüber berichtet unser letzter Serienteil. Lesen Sie morgen: Das können die Fans tun.

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