Eintracht Frankfurt

Wie die Eintracht sich gerade neu erfindet

  • VonPeppi Schmitt
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Die Fans der Frankfurter Eintracht singen schon vom Europapokal. Trainer und Vorstand mahnen Realismus an.

Was ist da passiert bei der Frankfurter Eintracht? Am 23. Mai standen die Hessen noch mit einem Bein am Abgrund, ehe durch das Tor von Haris Seferovic im Relegationsspiel in Nürnberg die Erstklassigkeit bewahrt werden konnte.

Fast genau vier Monate später haben die Frankfurter in der neuen Saison drei von vier Spielen gewonnen und einen blendenden Start hingelegt. „Vor ein paar Monaten waren wir fast in der Zweiten Liga“, erinnerte sich Torwart Lukas Hradecky nach dem 2:0-Erfolg beim FC Ingolstadt, „deshalb ist es noch zu früh zum Träumen.“

Das sehen die Fans durchaus anders, sie haben in Ingolstadt schon mal ein paar Lieder mit Vorfreude auf den Europapokal angestimmt. Das war sicher nicht so ganz ernst gemeint, aber es hat die Stimmung rund um den Verein doch treffend beschrieben. Die Skepsis, der durchaus risikofreudige Umbruch in vielen Bereichen könnte den Club überfordern, ist der Hoffnung gewichen, dass es tatsächlich gelingen könnte, eine sorgenfreie Saison zu spielen. Was also ist anders geworden? Was ist besser geworden? Warum läuft es so gut?

Rohdiamant Vallejo

Da ist erst einmal die abwehrende Abteilung. Die Eintracht erhält ganz wenige Gegentore, zwei in vier Spielen. „Wir lassen wenig zu“, lobt der ehemalige Stürmer Fredi Bobic die Defensive, „in den ersten beiden Spielen waren es ein Schuss und eine Flanke.“ Auch in Ingolstadt hatte der Gegner so gut wie keine Chance. „Sehr kompakt und sehr konzentriert“ trete die Mannschaft auf, lobt Sportvorstand Bobic. „Wir wollen nicht defensiv spielen, aber defensiv arbeiten“, formuliert Trainer Niko Kovac.

Das klappt. Auch weil die Frankfurter nach anfänglichen Irritationen mit den Platzverweisen von Michael Hector und der Verletzung von Guillermo Varela doch eine stabile Formation gefunden haben. Die beiden Außenverteidiger Timmy Chandler und Bastian Oczipka (Schütze des 2:0) präsentieren sich in besserer Form als in der letzten Saison. David Abraham und Jesus Vallejo haben sich zu einem Klasseduo in der Abwehrzentrale entwickelt.

Bei Abraham (Schütze des 1:0) sei dies keine Überraschung, sagt Bobic, „wir wissen, was er kann.“ Bei Vallejo kommt auch er ins Schwärmen. „Großes Kompliment, wie unaufgeregt er mit seinen 19 Jahren spielt“. Der Trainer schreibt dem Jüngsten im Team hohe „mentale Qualität“ zu, und freut sich, „wie er das Spiel zelebriert.“ In der Tat ist der von Real Madrid ausgeliehene Spanier ein Rohdiamant, der nach Verletzungsproblemen während der Vorbereitung nun ins Team gefunden hat. „Wir haben da gut gescoutet und einen guten Fang gemacht“, sagt Kovac.

Spielmacher Fabián

Vallejo war gegen Leverkusen am letzten Samstag der einzige Neuzugang in der Anfangself. In Ingolstadt ist Omar Mascarell hinzugekommen, für ein paar Minuten am Anfang auch Ante Rebic, bevor der Serbe mit einer Beckenprellung raus musste. Es sind also nicht unbedingt die Neuen, die das Niveau angehoben haben. Es ist die ganze Mannschaft, die durch den verschärften Konkurrenzkampf besser funktioniert. Und die mit Marco Fabián in diesen Tagen einen Spieler in ihren Reihen hat, der zeigt, warum die Eintracht im letzten Winter bereit war, für ihn 3,5 Millionen Euro auszugeben.

Für Sportchef Bobic ist die Leistungsexplosion des Mexikaners eine fast logische Entwicklung. Spieler, die aus anderen Kulturkreisen kommen, müssten Zeit zur Eingewöhnung haben. Im Abstiegskampf sei dies schwer gewesen. Jetzt aber, nach einer langen Vorbereitung, sei die Integration Fabiáns gelungen. In Ingolstadt sei er „unfassbar viel gelaufen, war präsent und ballsicher“. Fabián sei „topfit“ und „habe das Momentum.“ Gegen Leverkusen ein Tor vorbereitet, eines erzielt, in Ingolstadt mit Eckstößen an beiden Treffern beteiligt. Das nennt man einen „Lauf“.

Anführer Kovac

Trainer Kovac findet den richtigen Mix zwischen Lockerheit und Ernsthaftigkeit. Zwei Kleinigkeiten aus Ingolstadt: Ganz am Ende hat er mit Michael Hector und Taleb Tawatha zwei Neuzugänge eingewechselt und ihnen damit das Gefühl gegeben, gebraucht zu werden, dazuzugehören. Er wollte nach dem Sieg bewusst nicht auf die Euphoriebremse treten, sprach von einem „unangefochtenen Auswärtssieg“, mahnte nur ganz sanft. Man reite auf einer „kleinen Welle“, sagte er, „auf einer ganz kleinen“. Er werde aufpassen, „dass sich keiner zurücklehnt.“

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