Eintracht Frankfurt

Bei der Eintracht wächst die Explosionsgefahr

  • VonPeppi Schmitt
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Das Hoffenheim-Spiel ist für die Eintracht die womöglich letzte Chance, aus einem Teufelskreis auszubrechen.

Die Unzufriedenheit ist spürbar, die Unruhe greifbar. Die Frankfurter Eintracht bewegt sich drei Spieltage vor Saisonende auf ganz dünnem Eis. Es ist nicht alleine die (noch) geringe Gefahr, direkt in den Abstiegsstrudel der Fußball-Bundesliga gezogen zu werden, die die Situation so gefährlich macht. Auch sportliche Perspektiven für die nähere Zukunft, also die kommende Saison, sind nicht einmal mit einer Lupe zu erkennen.

Während die Formkurve der Mannschaft seit Wochen und Monaten mit wenigen Ausreißern steil nach unten zeigt, breitet sich rund ums Team und den Club eine ziemliche Gleichgültigkeit aus. Von der Aufbruchstimmung, die unter anderem durch die Vertragsverlängerungen von wichtigen Spielern wie Kapitän Kevin Trapp und Bastian Oczipka ausgehen sollte, ist nicht wirklich etwas übrig geblieben.

Die Planungen für die neue Spielzeit sind eher nebulös, der Absturz in der Tabelle, der ja einhergeht mit finanziellen Verlusten, und die fehlende Hoffnung auf eine deutliche sportliche Besserung sollen schon dafür gesorgt haben, dass Spieler, an denen die Eintracht interessiert ist, sich in den Gesprächen eher zurückhaltend geben oder sich bereits für andere Clubs entschieden haben. „Es wäre natürlich hilfreich, wenn wir eine bessere Situation hätten“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner, „das eine oder andere ist schon ins Stocken geraten.“

Jüngste Medienberichte, die von einer zunehmenden Kluft zwischen großen Teilen der Mannschaft und Trainer Thomas Schaaf berichten, sind für ständige Beobachter nicht wirklich überraschend. Der Sportdirektor versuchte am Donnerstag einige Wogen zu glätten. Die Diskussionen um den Trainer seien „nicht zielführend“, sagt Hübner, „die Zusammenarbeit im Verein ist vorbildlich.“ Nun ist ausbleibender Erfolg bei so ziemlich jeder Fußballmannschaft immer der Auslöser für interne Differenzen, bei der Eintracht aber sind diese durchaus ausgeprägt und nicht etwa auf unzufriedene Auswechselspieler begrenzt. Das Geschehen auf dem Rasen spiegelt ziemlich genau den derzeitigen Zustand der Mannschaft wider.

Hübners Appell

Deshalb appelliert der Manager nun an die Spieler, „die Saison ordentlich zu beenden und alles andere hinten anzustellen“. Hübner ist überzeugt, dass seine Worte auf fruchtbaren Boden fallen. Die Mannschaft sei „charakterstark“ und deshalb gewillt, „schon im eigenen Interesse die Saison zu einem guten Ende zu bringen“. Dies bedeutet längst nur noch, dass die Eintracht unabhängig von den Resultaten der Konkurrenz den Klassenerhalt klarmacht. „Wir brauchen eine gute Stimmung und müssen alles andere ausblenden“, mahnt Hübner.

Erschwert wird die aktuelle Situation noch durch eine Verletzungsmisere, die die personellen Möglichkeiten des Trainers Woche für Woche mehr einschränken. Freilich hat niemand den Club gezwungen, in der Winterpause nicht nur auf Neuzugänge zu verzichten, sondern Spieler wie Martin Lanig oder Vaclav Kadlec abzugeben und einen soliden Profi wie Johannes Flum so weit aufs Abstellgleis zu schieben, dass eine Rückkehr kaum möglich ist. Das war freiwillige Entscheidung der sportlichen Leitung. Am Donnerstag gab es für den Trainer gute und schlechte Nachrichten. Die guten: Stefan Aigner konnte das volle Trainingsprogramm absolvieren, genau wie Nelson Valdez. Mit beiden Angreifern kann Schaaf am Samstag rechnen. Die schlechten: Alexander Madlung war mit muskulären Problemen in der Kabine geblieben, und Marc Stendera hatte die Übungseinheit abgebrochen. Er war umgeknickt und hatte sich den Knöchel verstaucht.

Die womöglich letzte Chance aus dem Teufelskreis sportlicher Misserfolge und wachsender Unzufriedenheit auszubrechen, bietet sich nun am Samstag gegen Hoffenheim. Im letzten Heimspiel gegen Mönchengladbach (0:0) war es der Mannschaft geglückt, alle negativen Begleitumstände auszublenden und sich für 90 Minuten als Einheit zu präsentieren. Nur eine ähnliche Kraftanstrengung kann helfen, auch diesmal zumindest einen Punkt zu holen und damit wenigstens etwas Druck aus dem Kessel zu nehmen. „Ich erwarte, dass die Mannschaft hellwach ist“, fordert Hübner.

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