Während Sébastien Haller (links) nach seinem entscheidenden Treffer zum 2:1 abdreht, ist Heidenheims Spielern die Enttäuschung anzusehen.
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Während Sébastien Haller (links) nach seinem entscheidenden Treffer zum 2:1 abdreht, ist Heidenheims Spielern die Enttäuschung anzusehen.

Eintracht Frankfurt

Eintracht zittert sich gegen Heidenheim ins DFB-Pokal-Viertelfinale

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Das Pokal-Achtelfinale beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim wird zur erwartet zähen Angelegenheit. Erst in der Verlängerung geht es Schlag auf Schlag. Mit dem guten Ende für die Frankfurter.

Fast wäre diese gute Nachricht ein wenig untergegangen, so kurz vor der letzten Aufgabe des Kalenderjahres. Weil pünktlich zur geplanten Anstoßzeit aber Feuer- und Rauchzeichen aus dem Gästeblock drangen, künstlicher Nebel über der Schwäbischen Alb aufzog und mit dem Anpfiff dann erst einmal auf freie Sicht gewartet werden musste, war doch noch etwas Zeit, diese vorweihnachtliche Bescherung im Lager der Frankfurter Eintracht zu würdigen. Auch wenn da im Grunde nur eine Klausel in einem Vertragswerk griff, war es schließlich eine gute Nachricht für den Fußball-Bundesligisten: Stürmer Ante Rebic bleibt den Adlerträgern über den Sommer hinaus erhalten, mit dem Einsatz am Mittwochabend im Achtelfinale des DFB-Pokals beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim verlängerte sich sein Arbeitspapier automatisch bis 2021.

Ansonsten dauerte es mit erfreulichen Meldungen aus Frankfurter Sicht gestern etwas länger, ein glückliches Ende nach zähen Mühen gab es dann aber doch: Nach Toren von Mijat Gacinovic (95. Minute) und Sébastien Haller (109.) und einem Gegentreffer von Marc Schnatterer (96.) zog die Eintracht mit einem 2:1 (0:0, 0:0) nach Verlängerung ins Viertelfinale ein – und kann weiter davon träumen, wie in der vorigen Saison ins Endspiel einzuziehen.

Der Gedanke an den Berliner Mai sollte im frostigen Heidenheim helfen, hatte Niko Kovac vorher gehofft. Schnee hatte immerhin dann doch nicht gelegen in einer der höchst gelegenen Arenen des deutschen Profi-Fußballs, oben auf dem Heidenheimer Schlossberg, nur ringsherum. Der Rasen war zwar tief, aber durchaus bespielbar. Die meisten anderen Befürchtungen des Frankfurter Trainers allerdings sollten sich bestätigen. Gewarnt hatte Kovac vor allem vor der Kampfstärke des Zweitligisten und die Seinen aufgefordert, mit der nötigen Körperlichkeit dagegenzuhalten. Das gelang noch halbwegs. Mit dem Abwehrbollwerk, das Heidenheim aufbaute, hatten die Hessen aber ihre Mühe.

Eine gute Chance nach vier Minuten durch Sébastien Haller – viel mehr bekamen sie in der ersten Halbzeit nicht zustande, obwohl der Ball meist in ihren Reihen war. Über Ansätze aber ging das meist nicht hinaus, da gab es zu viele Fehlpässe und Missverständnisse und zu wenig Präzisionsarbeit und Zielstrebigkeit.

Knappe Abseitsentscheidung

Die Heidenheimer machten ihren Gästen auch geschickt das Leben schwer, und ihre kleine Frankfurter Fraktion trug ihren Anteil dazu bei: Mittelfeldspieler Marcel Titsch-Rivero und Verteidiger Kevin Kraus entstammen der Eintracht-Jugend, John Verhoek stürmte mal für den FSV. Für Kraus wäre dieser Abend fast sogar noch besonderer geworden: Nach 17 Minuten hatte er einen Freistoß im Netz versenkt, doch das Schiedsrichtergespann wähnte ihn Abseits – was höchstens hauchdünn der Fall war. Da war die Eintracht etwas mit dem Glück im Bunde, wie später noch einmal: Bei einem kniffligen Strafraum-Zweikampf sah Schiedsrichter Sven Jablonski eine Schwalbe des Heidenheimers Nikola Dovedan und kein Foul von Makoto Hasebe, bei einem Treffen irgendwo in der Grauzone.

Hasebe hatte nach einer mehrwöchigen Zwangspause wegen Knieproblemen und einer hartnäckigen Knieproblemen wieder einmal in der Startelf gestanden, und er führte die Eintracht in Vertretung des im Pokal noch gesperrten David Abraham auch als Kapitän aufs Feld. Simon Falette saß dafür nur auf der Bank, Marco Russ blieb in der Abwehrkette. Eine Überraschung hatte Kovac auch in seine erste Elf eingebaut: Branimir Hrgota bekam nach längerer Zeit wieder einmal eine Bewährungschance. Allerdings nicht im vertrauten Sturmrevier, sondern in zweiten Reihe hinter Rebic und Haller. Viel Eigenwerbung betrieb er nicht: Hrgota setzte sich zu selten durch und musste nach 79 Minuten für Marc Stendera vom Feld.

Gute Vorarbeit von da Costa

Die ganze Eintracht hatte sich bis dahin kaum mit Ruhm bekleckert. Wie schwer ihr Duelle mit Gegnern in Verteidigungs-Haltung fallen, war in der ansonsten ja sehr erfolgreichen Bundesliga-Hinrunde immer wieder zu sehen, und das war auch beim Tabellen-15. der Zweiten Liga nicht anders. Nach 64 Minuten immerhin kam Haller noch einmal zum Schuss, Heidenheims Torwart Kevin Müller aber verhinderte mit dem Fuß eine Frankfurter Führung.

Es blieb bis zur Verlängerung eine zähe Angelegenheiten, im Nachsitzen aber ging es plötzlich Schlag auf Schlag: Mijat Gacinovic (95.) brachte die Eintracht nach einer Vorlage von Marius Wolf in Führung, Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer aber glich postwendend aus. Haller wiederum vergab dann frei vor Müller erst noch das 2:1, kurz danach aber jubelte er doch: Eine Hereingabe des für Wolf eingewechselten Danny da Costa drückte er in der 109. Minute über die Linie.

Ante Rebic war da schon nicht mehr auf dem Rasen, er wurde in der Verlängerung gegen Luka Jovic ausgetauscht. Geglänzt hatte auch er nicht, trotzdem war sein 16. Einsatz in dieser Saison von besonderer Bedeutung: Damit aktivierte sich automatisch die Kaufoption für die Eintracht, die den 24-jährigen Kroaten zwei Mal vom AC Florenz ausgeliehen hat und nun dem Vernehmen nach zwei Millionen Euro an die Italiener überweist. Ein Schnäppchen bei der starken Entwicklung des Stürmers, passend zum glücklichen Ende des Frankfurter Fußballjahres.

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