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Wegen des Schmuddelwetters mit Schal und Handschuhen: Carlos Salcedo beim gestrigen Training.

Endlich wieder Fußball

Eintracht-Verteidiger Carlos Salcedo ist zurück auf dem Platz

Der Mexikaner Carlos Salcedo will gegen Augsburg schon wieder im Kader stehen. Doch die Konkurrenz bei den Verteidigern ist groß.

Carlos Salcedo hätte sich einen schöneren Tag aussuchen können, einen, an dem die Sonne scheint und es angenehme Temperaturen hat, so wie in den vergangenen Wochen eigentlich immer. Doch als Carlos Salcedo gestern um kurz vor halb elf Uhr den Trainingsplatz im Frankfurter Stadtwald betrat, hingen schwere Nebelschwaden in den Bäumen, es war nasskalt, schmuddelig, und der Mexikaner hatte sich gleich Handschuhe angezogen und einen wärmenden Schal um den Hals gebunden.

Doch das Wetter war dem 25 Jahre alten Verteidiger komplett egal. Endlich kann der Mittelamerikaner wieder Fußball spielen, und selbst die abschließenden Sprints hat Salcedo mit einem Lächeln ertragen. Hauptsache: wieder auf dem Platz. „Ich bin glücklich, zurück zu sein“, ließ er hinterher von Dolmetscher Stephane Gödde übersetzen. Am gestrigen Mittwoch stand der Defensivspezialist das erste Mal wieder beim Mannschaftstraining auf dem Rasen seit dem fiesen Tritt des Bremers Davy Klaasen gegen seinen Knöchel, am zweiten Spieltag war das. Die Folge: Das Syndesmoseband im Knöchel war gerissen, eine Operation unumgänglich und zweieinhalb Monate Pause.

Aber schwere Verletzungen sind Carlos Salcedo nicht fremd. Zuvor hat er zweimal lange Zeit aussetzen müssen, erst verhinderte eine Schultereckgelenksprengung, die er sich bei der Nationalmannschaft zugezogen hatte, im vergangenen Sommer ein früheres Debüt bei Eintracht Frankfurt.

Dann brach er sich im März dieses Jahres die Schulter. Immerhin bewies Salcedo gutes Heilfleisch, er kam jedes Mal früher aus der Reha als allgemein erwartet, auch jetzt nach seiner Knöchel-OP kam er schneller zurück. Sein Ziel ist deshalb auch, schon für die nächste Partie am übernächsten Samstag beim FC Augsburg in den Kader zu gelangen. Ein durchaus ehrgeiziges Ziel, aber, sagt Salcedo, „ich fühle mich gut und fit“. Schmerzen habe er keine mehr, dazu hat er schon früh mit dem Reha-Training begonnen, hat viel Krafttraining gemacht. Und er hat die Einladung zur mexikanischen Nationalmannschaft abgelehnt, die in der Länderspielwoche zweimal gegen Argentinien spielt, um ganz gezielt in Frankfurt an seiner Fitness zu arbeiten. „Es ist besser, wenn ich hier meinen konditionellen Rückstand aufhole“, erklärte Salcedo, der am Mittwoch auch wieder den ebenfalls lange verletzten Chico Geraldes begrüßen konnte.

Auch Gonçalo Paciência (Knie-OP) ist auf dem Weg der Besserung, er absolvierte erste Übungen im Kraftraum. Am Mittwoch übten darüber hinaus 17 Feldspieler und drei Torleute mit Trainer Adi Hütter, der gleich auf zehn Nationalspieler verzichten muss. Gelson Fernandes, Danny da Costa und Jonathan de Guzman, die Vielspieler der vergangenen Wochen, trainierten aus Gründen der Belastungssteuerung individuell.

Harte Zeit

Aber natürlich war für Salcedo die Zeit des Zuschauens eine harte. Vor allem, weil „die Mannschaft so eine gute Phase durchlaufen hat und ich nichts weiteres tun konnte, als von außen zu unterstützen“. Er selbst hat staunend zugesehen, wie die Eintracht von Erfolg zu Erfolg geeilt war. Selbstverständlich hätten die drei Stürmer „einen guten Job getan“, er habe aber sein Augenmerk verstärkt auf die Defensive gerichtet, und auch dort „wird sehr gut gearbeitet“. Im Grunde hat sich sein Fehlen nicht besonders negativ ausgewirkt. Das lag in erster Linie am jungen Franzosen Evan Ndicka, der für Salcedo spielte und das mit einer Ruhe und Abgeklärtheit tat, die alle verblüffte.

Salcedo wurde im Grunde gar nicht vermisst. „Ich freue mich für den Jungen“, sagt Salcedo, er könne sich noch gut an die Zeit erinnern, als er so jung war. „Evan muss das Niveau aber auch halten“, gibt er seinem jungen Konkurrenten mit auf den Weg.

Dennoch wird es schwer werden für den Mexikaner, ins Team zurückzukehren, David Abraham und Makoto Hasebe agieren momentan auf einem sehr guten Niveau, auch Ndicka hat seinen Stammplatz sicher. Für die Gruppenphase in der Europa League ist Salcedo wegen seiner Knöchelverletzung nicht gemeldet worden, das wird Eintracht Frankfurt aber für die K.o.-Runden ändern. „Ich bin glücklich, dass wir weitergekommen sind“, sagt der Mann aus Guadalajara, dessen Vertrag bei Eintracht Frankfurt noch bis 2022 läuft.

Natürlich ist der 25-fache Nationalspieler, der alle vier WM-Spiele der Mexikaner in Russland absolviert hat, gefragt worden, ob der hessische Tabellenvierte schon reif sei für die Champions League. Salcedo hat da sehr gefühlvoll den Ball flach gehalten: Es habe zuletzt bereits zwei Hinrunden gegeben, in der Eintracht Frankfurt ebenfalls sehr gut gestartet war, um am Ende nachzulassen. Und wenn einer weiß, wie schnell Unvorhersehbares passiert, dann ist das Carlos Salcedo.

Thomas Kilchenstein

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