Vor knapp einem Jahr wurde Armin Veh von Heribert Bruchhagen verabschiedet. Folgt auf den Vorstandsvorsitzenden nun demnächst der Trainer?
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Vor knapp einem Jahr wurde Armin Veh von Heribert Bruchhagen verabschiedet. Folgt auf den Vorstandsvorsitzenden nun demnächst der Trainer?

Eintracht Frankfurt

Erneut eine Runderneuerung bei der Eintracht

  • VonPeppi Schmitt
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Mindestens sechs Spieler werden gehen, ein neuer Aufsichtsrat kommt, und der nächste Vorstandschef wird gesucht.

Als Grund für die zunächst sehr wechselhaften, inzwischen immer schwächer werdenden Leistungen wird von den Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht häufig der große Umbruch im vergangenen Sommer genannt. Das neue Trainerteam und die in wichtigen Teilen veränderte Mannschaft mussten sich erst aneinander gewöhnen, was Zeit in Anspruch nahm. Zudem hatten wichtige Spieler den Club verlassen. Vor der nächsten Saison sei dies anders, sagt Sportdirektor Bruno Hübner, „denn neun Spieler, die meist in der Anfangsformation stehen, werden weiter für uns spielen“.

Das stimmt. Und doch ist es höchstens die halbe Wahrheit. Denn die Eintracht steht im Sommer und in der kommenden Saison erneut vor einem großen Umbruch, sowohl in der Mannschaft als auch in der Führungsetage. Mindestens sechs, sieben Spieler, vielleicht noch mehr, werden gehen, sollen gehen oder müssen ausgetauscht werden. Zudem wird ein neuer Aufsichtsrat gewählt und ein neuer Vorstandsvorsitzender gesucht.

Steubing für Bender

In den Gremien sind sie bei der Eintracht schon ein kleines Stückchen weiter als bei der Mannschaft. Die Entscheidung des Aufsichtsratsvorsitzenden Wilhelm Bender, nach fünf Jahren nicht mehr zur Verfügung zu stehen, hat verhindert, dass es zu einem offenen Machtkampf kommt. Bender ist mit seinem Rückzug jenen zuvorgekommen, die ihn sowieso aus dem Amt drängen wollten. Designierter Nachfolger ist Wolfgang Steubing (siehe nebenstehenden Bericht). „Ich bin bereit“, hat Steubing via „Bild“-Zeitung verkündet. An seiner Wahl dürfte es keine Zweifel geben. Mit dem ehemaligen Vizechef von Goldman Sachs Deutschland, Philip Holzer, wird ein weiterer Finanzfachmann immer größeren Einfluss gewinnen.

Der Aufsichtsrat hat in seiner neuen Zusammensetzung ab Juli vor allem zwei wichtige Punkte abzuarbeiten. Zum einen sollen dem Club über die Ausgabe von sogenannten Genussscheinen bis zu 20 Millionen Euro zugeführt werden. Denn an jenen Investor, den Bender ins Spiel gebracht hatte, glaubt unter den Kollegen keiner. Bender freilich versichert, dass es den „Mr. X“ gibt und dessen Engagement nicht an seine Person gebunden sei.

Kommt Veh zurück?

Zum anderen muss über die Neubesetzung des Vorstandes entschieden werden. Finanzvorstand Axel Hellmann hat einen Vertrag bis 2018, der Vorsitzende Heribert Bruchhagen wird im Sommer 2016 aufhören. Sollte sich der neue Aufsichtsrat für einen Nachfolger mit sportlichem Hintergrund entscheiden, gilt Ex-Trainer Armin Veh als Favorit. „Ich habe mich selten zuvor mit Vorstand und Manager so gut verstanden wie hier“, hatte er zum Abschied vor knapp einem Jahr gesagt, „mit Aufsichtsräten wie Herrn Holzer oder Herrn Steubing hatte ich noch nie ein solch gutes Verhältnis.“ Zur Eintracht habe er eine „emotionale Bindung, weil ich hier Menschen kennengelernt habe, die ich mag“.

Ein guter Freund von Veh ist Hübner, der den Umbau der Mannschaft gemeinsam mit Trainer Thomas Schaaf voranbringen muss. In Felix Wiedwald, Alexander Madlung und Lucas Piazon stehen drei Abgänge fest. Keine sportliche Zukunft mehr hat Johannes Flum, der seit Monaten nicht eingesetzt wird, egal wie schlecht die Kollegen spielen. Der nach Darmstadt ausgeliehene Jan Rosenthal wird zwar zurückkehren, doch auch seine Chancen sind minimal. Aus Prag soll Vaclav Kadlec eigentlich zurückkommen, doch der tschechische Nationalspieler will das nicht.

Dass die Eintracht in allen Mannschaftsteilen Verstärkungen braucht, ist unstrittig. Neben Kevin Trapp und Emil Balayev wird ein dritter Torwart gesucht, in der Innenverteidigung ein Ersatz für Madlung. Ungeklärt ist die Zukunft von Carlos Zambrano. Die angestrebte Vertragsverlängerung bleibt kompliziert, zudem zweifeln nicht wenige daran, dass er ein angebliches Rekordgehalt wert ist. Klar ist, dass die Eintracht einen weiteren rechten Verteidiger sucht, ob als „Backup für Timothy Chandler“, wie der Manager gesagt hat, oder als echte Verstärkung, bleibt dahingestellt. Wunschkandidat wäre Sebastian Jung, doch ob dessen Rückkehr auf Leihbasis vom VfL Wolfsburg schon möglich ist, bleibt fraglich. Auch der Name von Patrick Ochs (ebenfalls Wolfsburg) fällt immer mal. Fürs Mittelfeld wird nicht nur ein „Sechser“ gesucht, sondern vor allem ein Profi mit Führungsqualitäten. So wie der nach Hoffenheim gewechselte Pirmin Schwegler es war. „Wir überlegen, jemanden zu verpflichten, der von seinem Naturell her alles mitbringt, um das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, und auch dann vorneweg marschiert und Zeichen setzt, wenn es schwierig wird auf dem Platz“, sagte Hübner der FAZ. Einen Leader also. Das kann teuer werden, genau wie die Neustrukturierung im Angriff.

Zwei neue Stürmer

Torjäger Alexander Meier wird vor Spätherbst nach seiner Operation kaum zur Verfügung stehen, Nelson Valdez und Haris Seferovic, das haben die letzten Spiele bewiesen, sind Grenzen gesetzt. Die Eintracht muss also handeln und mindestens zwei neue Angreifer holen. „Aus dem Hamsterrad kommt man ja nur raus, wenn man etwas riskiert und einen besseren Tabellenplatz hat“, sagt Hübner. Soll heißen: Der Club muss Qualität holen, keine Quantität.

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