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Kein Zweifel: Luka Jovic (rechts) und Co. schaffen gegen Marseille frühzeitig klare Verhältnisse.

Eintracht Frankfurt

Die Festwochen der Eintracht gehen weiter

Den Vorjahresfinalisten zu Gast? Egal! Eintracht Frankfurt siegt in der Europa League einfach weiter. Gegen Olympique Marseille erwischen die Hessen einen Traumstart, spielen stark und profitieren von zwei krassen Fehlern der Franzosen.

Auch das fünfte Gruppenspiel hat Eintracht Frankfurt wieder zu einem Festabend werden lassen. Mit 4:0 (2:0) siegten die Frankfurter am Donnerstag gegen Olympique Marseille und behalten damit weiterhin ihre weiße Weste, mit 15 Punkten führen sie die Gruppe H der Europa League an. Der Sieg bringt Eintracht Frankfurt weitere 570 000 Euro. Dazu hat sich Eintracht Frankfurt mit diesem Sieg und der gleichzeitigen Niederlage von Lazio Rom bei Apollon Limassol vorzeitig den Gruppensieg gesichert. Das gibt eine weitere Million Euro an Prämie. Bislang haben die Hessen knapp sieben Millionen Euro im europäischen Wettbewerb eingenommen. Die Partie in zwei Wochen in Rom ist somit zu einem reinen Freundschaftsspiel geworden, sie sind vom ersten Platz nicht mehr zu verdrängen. Nach den berauschenden 90 Minuten holten sich die Profis bei einer Ehrenrunde noch den verdienten Beifall ab.

Hinzu kam die Nachricht von der überraschenden 0:2-Niederlage von Lazio Rom bei Apollon Limassol. Damit ist der Eintracht vor dem abschließenden Gruppenspiel bei Lazio vor den ebenfalls bereits für die nächste Runde qualifizierten Römern der erste Platz der Gruppe H endgültig sicher. In Frankfurt war es eine wahre Demonstration der Stärke. Die Eintracht beherrschte den Vorjahresfinalisten nach Belieben, ja zeitweise genossen sie regelrecht dieses Spiel, sie zelebrierten es. Klar, die Franzosen waren nicht mit ihrer ersten Elf gekommen, sie waren ohnehin schon ausgeschieden, aber was die Eintracht dennoch an Spielfreude und Kombinationslust an den Tag legte, nötigte schon Respekt ab. Diese Souveränität, mit der die Mannschaft diese Begegnung abspulte, diese Selbstverständlichkeit, war erstaunlich. Es war eine Klasse für sich, zeitweise spektakulär und jederzeit unterhaltsam. Es war darüber hinaus der zehnte Sieg im elften Spiel. Die Fans sangen schon weit vor dem Abpfiff den Gassenhauer von „Europas beste Mannschaft SGE“.

Stimmungsvoller Abend: Die Eintracht-Fans zeigen Flagge.

Erwartungsgemäß hatte Eintracht-Trainer Adi Hütter ein wenig rotiert, allerdings nicht im Tor, das hütete, wie immer Kevin Trapp. Auf vier Positionen hatte der Coach seine Mannschaft verändert, Simon Falette (für Evan Ndicka), Jetro Willems (für Filip Kostic), Mijat Gacinovic (für Jonathan de Guzman) und, überraschend, auch Taleb Tawatha (anstelle von Ante Rebic) kamen ins Team; erstaunlich auch, dass der etatmäßige Linksverteidiger Willems im defensiven Mittelfeld agierte. Und das tat er gar nicht einmal so schlecht.

Im Grunde hätte diese Partie, die nicht ganz so große sportliche Bedeutung mehr hatte, weil die Eintracht schon weiter und Marseille ausgeschieden waren, schon zur Pause entschieden sein können. Wenn die Frankfurter da mit einem 4:0, gar 5:0-Vorsprung in die Kabine gegangen wären, kein Mensch, auch kein Olympique-Fan, hätte sich ernsthaft beschweren dürfen. Die Gastgeber hatten Chancen bester Coleur liegen gelassen, und so durften sich die Franzosen glücklich schätzen, nur mit 0:2 in Rückstand zu liegen. 

Wieder ein Traumstart

Und der Eintracht war, wie schon in Augsburg am vergangenen Samstag ein Traumstart gelungen. Dauerte es in Augsburg 52 Sekunden, ehe der Ball im Netz lag, so musste am Donnerstag im Stadtwald zehn Sekunden länger auf den ersten Treffer gewartet werden. Nach einer kurz gespielten Ecke dribbelte der agile Gacinovic in den Strafraum, seinen Schuss wehrte Torhüter Yohann Pele noch ab, aber der Knipser vom Dienst, Luka Jovic, drosch den Nachschuss unters Tordach. 62 Sekunden waren da gerade absolviert und die Eintracht lag auf Kurs.

Und so sollte das weitergehen. In schöner Regelmäßigkeit hatten sich den Hessen beste Einschussmöglichkeiten geboten.Doch zunächst profitierten sie von einem kuriosen Eigentor. Luis Gustavo, Spielführer der Franzosen und einst in der Bundesliga beim FC Bayern und VfL Wolfsburg am Ball, wollte die Kugel, leicht attackiert, zum Torwart zurückspielen.

Doch Pele stand neben seinem Kasten und Luis Gustavo passte zentral zurück, die Kugel rollte ins verwaiste Tor. 2:0 nach 17 Minuten – das war so recht nach dem Geschmack der 47000 Zuschauer, die die Eintracht wieder feierten und vor der Partie erneut mit einer beeindruckenden Choreographie aufwarteten. Aber solche Feste ist man an Europapokalabenden in Frankfurt ja gewohnt. 

Der Rest ist Schaulaufen

Dass Eintracht Frankfurt, ebenso wie Marseille, nicht mit ihrer ersten Garnitur angetreten war, fiel nur in Nuancen auf. Taleb Tawatha etwa fiel am linken Flügel ab, doch auch er bereitete mit seiner besten Aktion (29.) eine Chance für Gacinovic vor, der allerdings an Pele scheiterte. Auch Simon Falette war die fehlende Spielpraxis anzumerken, aber das fiel nicht weiter ins Gewicht. Die Hessen hatten von Anfang alles unter Kontrolle, erwiesen sich als enorm ballsicher, sie kombinierten, ließen den Ball laufen. Allerdings entpuppte sich Marseille auch nicht gerade als vor überbordenden Ehrgeiz sprühende Truppe. Zuweilen trug diese Europapokal-Partie Züge eines besseren Trainingsspielchen.

Jovic (19.), Russ (20.), Tawatha (24.), Danny da Costa (35.) hätten das Ergebnis schon vor dem Pausentee deutlich nach oben schrauben können. Auch nach der Pause ging der Angriffswirbel weiter, Russ scheiterte nur Sekunden nach Wiederanpfiff, Sebastien Haller nach 57.Minuten.

Doch nur fünf Minuten später klingelte es wieder im Tor der Franzosen, wieder war es ein Eigentor, dieses Mal war es Verteidiger Bouna Sarr unterlaufen, der eine scharfe Hereingabe von da Costa ins eigene Tor abfälschte. Kurz darauf erhöhte Jovic auf 4:0, der eine Kopfball-Vorlage von Haller über Schlussmann Pele ins Tor lupfte. Es war die letzte Aktion von Sebastien Haller, der danach für Ante Rebic Platz machten. Damit ist es Haller nicht gelungen, den Rekord von Anthony Yeboah einzustellen, der in acht Pflichtspielen hintereinander jeweils ein Tor erzielt hatte. Haller schaffte lediglich sieben.

Der Rest war einfach nur Schaulaufen unter den Gesängen der begeisterten Zuschauer.

Eintracht Frankfurt: Trapp – Russ, Hasebe, Falette – Fernandes – da Costa, Tawatha (64. Kostic) – Gacinovic, Willems – Jovic (79. Müller), Haller (73. Rebic). – Olympique Marseille: Pelé – Hubocan, Kamara, Caleta-Car, Amavi – Sarr, Lopez (61. Rolando), Luiz Gustavo, Radonjic – Mitroglou, Germain (65. Chabrolle). – SR: Beaton (Schottland). – Zuschauer: 47 000. – Tore: 1:0 Jovic (1.), 2:0 Luiz Gustavo (17., Eigentor), 3:0 Sarr (62., Eigentor), 4:0 Jovic (67.). – Gelbe Karte: Luiz Gustavo.

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