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Die Tore bleiben aus: Viel Beifall gab es zuletzt für Sébastien Haller nicht mehr.

Eintracht Frankfurt

Flaute oder Krise? Sébastien Haller sucht seine Form

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Sébastien Haller hat seit fünf Spielen kein Tor mehr erzielt. Trotzdem ist der Eintracht-Stürmer Stammkraft – ohne wenn und aber.

Sébastien Haller war der bislang teuerste Einkauf in der Vereinsgeschichte der Frankfurter Eintracht. Nicht besonders teuer im Vergleich zu den Möglichkeiten bei der Konkurrenz, aber teuer für Frankfurter Verhältnisse. Sieben Millionen Euro hat die Eintracht an den FC Utrecht im letzten Sommer bezahlt. Eine Summe, die sich ausgezahlt hat. Acht Treffer hat der Franzose in der Bundesliga erzielt, dazu vier im DFB-Pokal. Das ist eine gute Bilanz. Er war vom ersten Tag an Stammspieler und ist es noch heute. Doch seit einigen Wochen läuft Haller seiner Form hinterher: Seit fünf Spielen hat er nicht mehr getroffen. Da stellt sich die Frage: Ist das nur eine Flaute, wie sie gerade Torjäger immer mal wieder durchmachen müssen. Oder ist es schon eine Krise?

Bei Haller sind zuletzt mehrere Faktoren zusammengekommen. Er selbst tut sich schwer im Zusammenspiel mit den Kollegen. Technische Mängel sind unübersehbar, das Kombinationsspiel funktioniert nicht, auch die körperliche Frische scheint aktuell nicht da zu sein. Auf der anderen Seite sind die Mitspieler, die nicht mehr so oft in der Lage sind, ihren besten Torschützen in Schussposition zu bringen. Und so kommt Haller seit ein paar Wochen gar nicht mehr zum Schuss. Was im großen Zusammenhang noch kein Problem darstellt, weil andere treffen, beispielsweise Marius Wolf, Ante Rebic, Timmy Chandler oder Kevin-Prince Boateng. Haller aber spielt unter Form. In Stuttgart blieb er komplett ungefährlich, wurde trotz Rückstands nach einer guten Stunde ausgewechselt. Gelobt wird er von seinem Trainer dennoch immer wieder. „Sébastien arbeitetet für die Mannschaft, ist für uns nicht nur beim Toreschießen, sondern auch in der Defensive wichtig“, sagt Niko Kovac. Bei Standards des Gegners, also Ecken oder Freistößen, muss Haller mit seiner Kopfballstärke hinten aushelfen. Das tut er zufriedenstellend.

Doch wenn ein Stürmer für seine Abwehrarbeit gelobt werden muss, ist dies kein besonders gutes Zeichen. Natürlich werden im modernen Fußball allgemeintaktische Qualitäten verlangst. Auch Offensivspieler müssen verteidigen können. Aber die Kernkompetenz ist und bleibt das Angriffsspiel. Nicht immer, aber hauptsächlich werden Stürmer nun mal an Toren gemessen. Hallers Kollege Branimir Hrgota kann ein Lied davon singen. Auch für den Schweden gibt es immer mal wieder freundliche Worte. Er sei fleißig und laufstark, auch taktisch diszipliniert. „Ich halte viel von Brane“, sagt der Frankfurter Trainer. Aber für die Mannschaft nominiert hat er ihn schon seit Wochen nicht. Noch nicht einmal in den Kader schafft es Hrgota. Dennoch schloss Kovac aus, dass Hrgota noch in dieser Transferperiode an einen schwedischen Club ausgeliehen wird. Höchstens verkaufen würde die Eintracht ihn.

Bei Haller ist die Situation noch komplett anders. Der Franzose ist Stammkraft – ohne wenn und aber. Und doch werden parallel zu den Toren auch die Einsatzminuten weniger. In der Vorrunde hat der 23 Jahre alte Stürmer bei 16 Einsätzen noch dreizehn Mal über 90 Minuten auf dem Platz gestanden. Zuletzt hat er in den letzten fünf Begegnungen nur noch eine über die gesamte Spielzeit bestritten. Haller wird öfter ausgewechselt. In Luka Jovic ist ihm ein Konkurrent erwachsen, der freilich einen komplett anderen Spielertypus verkörpert. Haller besticht an guten Tagen mit Wucht und Durchsetzungsvermögen, hat alleine schon wegen seiner Größe (1,89 Meter) ein gutes Kopfballspiel. Und er hat unter Beweis gestellt, dass er nicht nur einfache Tore schießen kann, sondern vor allem auch besonders schöne Tore. So beim Seitfallzieher im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, der zum „Tor des Monats“ gewählt wurde oder bei der Volleyabnahme im Heimspiel gegen Werder Bremen. Auch sein bislang letzter Treffer, das Führungstor beim 3:1 in Wolfsburg am 20. Januar, hatte eine besondere Note. Ballannahme, Drehung und Abschluss waren im Grunde eine fließende Bewegung. Das war ein Tor wie es ein echter Torjäger macht.

Was der Eintracht Hoffnung macht, dass es bei ihm nur eine vorübergehende Flaute ist: Auch zu Beginn der Saison hatte Haller Schwierigkeiten, Treffer zu erzielen. Erst am fünften Spieltag war es so weit, beim Auswärtsspiel in Köln verwandelte er einen Elfmeter. Zwei Spieltage später traf er dann zum ersten Mal zu Hause, mit eben jenem Tor gegen Stuttgart. Danach lief es. Auf einen ähnlichen Effekt hoffen Sie auch jetzt wieder bei der Eintracht: Ein Tor und der Knoten platzt. Haller zweifelt nicht. „Ich habe bewiesen, dass ich in der Bundesliga mithalten kann“, hat er kürzlich in einem Interview gesagt. Überrascht habe ihn das nicht. „Ich habe das von mir erwartet“, sagt er. Jetzt erwartet er, dass es wieder aufwärts geht mit der Leistung und der Treffsicherheit.

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