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Intensiv ging es zu in Leipzig, wie man hier am Einsatz von Leipzigs Werner (vorne) und den Frankfurtern Hasebe (links) und Haller erkennt.

Eintracht Frankfurt

Frankfurt gegen Leipzig: Nicht schön, aber effektiv

Leipzig sei die bessere Mannschaft gewesen, räumte Eintracht-Trainer Hütter ein. Der Eintracht fehlte offensive Durchschlagskraft.

Leipzig/Frankfurt - Am späten Samstagabend hat Danny da Costa einen deutlich entspannteren Auftritt hinlegen können als ein paar Stunden zuvor im Leipziger Stadion. Der Frankfurter Rechtsverteidiger saß da im offenen karierten Hemd im Aktuellen Sportstudio des ZDF, Moderatorin Dunja Hayali quälte ihn auch nicht mit besonders schwierigen Fragen. Solche öffentlichen Einsätze absolviert der 25-Jährige mittlerweile sehr souverän. Nicht umsonst wird der in Neuss geborene da Costa bei Eintracht Frankfurtals Außenminister bezeichnet, einer, der für die Außendarstellung des vielsprachigen Fußball-Clubs enorm wichtig ist. Und da spielte es auch keine Rolle, dass der Profi noch später am Abend nur einen Ball in der Torwand versenkte. Am Nachmittag im fälligen Bundesligaspiel hatte sogar keiner einen reingemacht.

Danny da Costa waren die Strapazen des „sehr intensiven Spiels“ gegen RB Leipzigim Fernsehen nicht mehr anzusehen. Und „intensiv“ war es, dieses erstaunlicherweise torlos endende Spitzenspiel zwischen dem Vierten und dem Fünften, was angesichts des stürmischen Potenzials beider Mannschaften an sich schon einen Treppenwitz darstellt. Es war ein Spiel, das der unschöne Ausdruck „Abnutzungskampf“ trefflich umschreibt, das mit Haken und Ösen umkämpft war, wobei das Spielerische nahezu komplett auf der Strecke blieb.

Retter Fernandes

Es gab keine zwei Meinungen darüber, dass es „kein schönes Spiel“ war, wie Torwart Kevin Trapp hinterher sagte, wirklich nicht, aber es war sehr effektiv, zumindest aus Sicht der Frankfurter Eintracht, die bestens mit diesem sehr glücklich gewonnenen Punkt leben kann. Denn eigentlich, räumte der Frankfurter Trainer Adi Hütter ehrlich ein, sei „Leipzig die bessere Mannschaft“ gewesen, die mehr vom Spiel und auch die klar besseren Torchancen hatte, vornehmlich im zweiten Abschnitt – sie aber nicht zu nutzen wusste. Eintracht Frankfurt ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen, auch deswegen, weil Gelson Fernandes bei einem Hackenschuss von Willi Orban spektakulär auf der Linie per Kopf rettete und damit ein todsicheres Tor verhinderte, ein Kopfball von Timo Werner hauchzart am Gebälk vorbeistrich und ein Schuss von Marcel Sabitzer vom Pfosten zurückprallte.

Rechtsverteidiger da Costa brachte die 90 Minuten von Leipzig sehr prägnant auf einen Namen. Er fand, dass man „sehr, sehr, sehr viele lange Bälle“ gespielt habe, „das sah nicht nach einem geregelten Spielaufbau aus“. Irgendwie kam auch nie ein halbwegs vernünftiges Fußballspiel zustande. „Es war die ganze Zeit nur Stress, nur Druck, nur Pressing oder Unterbrechungen wegen eines Fouls“, analysierte da Costa. „Mit der Leistung kann ich nicht zufrieden sein“, sagte Hütter hinterher, „auch das Spielerische hat mir nicht gefallen.“ Aber der Erfolg heiligt die Mittel.

Denn zu einem Gutteil war das blanke Absicht. „Nur mit Fußball spielen“ komme man gegen RB Leipzig nicht durch, argumentierte der Fußballlehrer, der viel Wert darauf gelegt hatte, dass die Bälle „nicht in die gefährliche Zone“ gespielt würden, sprich ins Mittelfeld. Auf diese Bälle hätten die Sachsen nur gelauert und „dann überrollt uns Leipzig“. Deshalb habe man sich entschlossen, sein Glück in langen Schlägen zu suchen und auf die berühmten zweiten Bälle zu gehen. Nach vorne ging so gut wie gar nichts, das berühmte stürmische Dreigestirn blieb blass und wurde ziemlich gut von der RB-Abwehr in Schach gehalten. Im Grunde hatte Eintracht Frankfurt in Leipzig eine einzige klare Chance, die ums Haar zu einem allerdings komplett unverdienten Erfolg gereicht hätte. In der 88. Minute hätte Mijat Gacinovic, halblinks versetzt allein vor dem Tor, den Ball nur noch in die lange Ecke schieben müssen, doch er drosch die Kugel ins Außennetz. Doch das wäre ganz sicher des Guten zu viel gewesen.

Ungeschlagen

Auch mit diesem Remis bleibt Eintracht Frankfurt in der Rückrunde ungeschlagen, die Hessen haben zudem zwei Punkte mehr aufs Konto geschaufelt als in der Hinrunde. Und vor allem haben die Frankfurter drei richtige Brocken, Werder Bremen, vor allem aber Borussia Dortmund und RB Leipzig, bereits hinter sich. „Wir haben jetzt nur Champions-League-Gegner“, sagt Trapp. Am Donnerstag in Charkiw wartet Schachtjor Donzek, am Sonntag dann Borussia Mönchengladbach im Stadtwald, lauter „schöne Spiele“, wie der Schlussmann feststellte. „Da können wir testen, wie weit wir schon sind“, so Trapp. Allerdings hat der 28-Jährige, der in Leipzig nicht die Souveränität der letzten Wochen ausstrahlte, da keine großen Zweifel. „Wir wissen, dass wir die Qualität haben, um gegen gute Mannschaften bestehen zu können.“ Und um oben dran zu bleiben, ist eben auch mal ein Spiel möglich, in dem man zu anderen, weniger ästhetischen Mitteln greift. „Wir wollten kein Risiko eingehen“, sagt Trapp.

Im Grunde ging es bei diesem schweren Auftaktprogramm in der Rückrunde in erster Linie um Schadensbegrenzung. Die Partie gegen den SC Freiburg gehörte in die Kategorie Pflichtsieg, der auch geholt wurde, die anderen Partien waren echte Prüfsteine. Mit sechs Punkten aus vier Spielen haben die Hessen ihren fünften Tabellenplatz verteidigt und sind nicht abgerutscht, was angesichts des dichten Verfolgerfeldes leicht möglich gewesen wäre. Weiterhin halten sie sich sehr tapfer unter den ersten fünf der Tabelle, das ist angesichts der Schwere der Aufgaben aller Ehren wert.

Und nach der Partie gegen Mönchengladbach kommen auch wieder die Spiele gegen Mannschaften, die von der Papierform her leichter zu sein scheinen. Gegen die sind die Hessen in der Hinrunde immerhin in sieben Bundesligaspielen ungeschlagen geblieben und hatten 19 Punkte aufs Konto geschaufelt. Das ist die Messlatte.

von Thomas Kilchenstein

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