+
Bereit für neue große Eintracht-Taten: Filip Kostic, Ante Rebic und Sébastien Haller.

Eintracht Frankfurt

Die Adler treffen im Europa League-K.o.-Spiel gegen Schachtjor Donezk auf einen alten Bekannten

Rund 3000 Fans begleiten die Eintracht in die Ukraine. An den Trainer von Donezk hat der Club ungute Erinnerungen.

Frankfurt - So kalt war es lange nicht mehr auf einem Euro-Trip der Frankfurter Eintracht. Als die hessische Entourage am Mittwoch am späten Mittag nach gut dreistündigem Direktflug in Charkiw in der Ukraine sicher landete, herrschten dort Temperaturen um den Gefrierpunkt, was eigentlich zu ertragen ist. Dummerweise soll es deutlich frischer werden, dummerweise wird das K.o-Spiel gegen Schachtjor Donezk am heutigen Donnerstag um 22 Uhr Ortszeit (MEZ 21 Uhr) angepfiffen, und da herrschen im Metalist-Stadion minus neun, zehn Grad, gefühlt minus 14.

Immerhin noch besser, als dass, was Danny da Costa einst mit Bayer Leverkusen gegen Donezk erlebte, minus 17 Grad seien es seinerzeit gewesen, erzählte der Rechtsverteidiger nach der Auslosung im Dezember des vergangenen Jahres.

Rund 3000 Fans unterstützen Eintracht Frankfurt im K.o-Spiel der Champions League

Die ukrainische Kälte freilich kann die Frankfurter Reisetruppe nicht davon abhalten, den Trip in den Osten zu genießen. Rund 3000 Fans werden die Hessen auf ihrer schwierigen Mission in die 1,5-Millionen-Stadt begleiten, sie reisen per Flugzeug an, über Warschau, manche auch mit dem Zug, gute 35 Stunden ist man da unterwegs, andere wiederum fliegen nach Kiew und kommen dann mit der Eisenbahn. Und einige haben sich erschwingliche Vip-Karten für die Logen im Stadion besorgt.

Insgesamt ist man in Charkiw überrascht über die große Resonanz, die diese Partie in Frankfurt findet. So viele Auswärtsfans ist man in der Ukraine nicht gewohnt, ganz und gar nicht. „In der ukrainischen Liga ist das Schlachtenbummlertum nicht so ausgeprägt“, ließ sich Eintracht-Justitiar Philipp Reschke im „Kicker“ zitieren. Die Menschen in der Ukraine, vom Krieg gebeutelt, setzen ganz offensichtlich andere Prioritäten.

Lesen Sie auch: Kevin Trapp über die Vorfreude auf ein "tolles Spiel" - und Gründe, die ihn zum Bleiben bewegen würden

In Frankfurt indes ist die Sehnsucht nach internationaler Reputation ungebrochen. Die Frankfurter zelebrieren die Auftritte auf europäischer Bühne, sie genießen es, im Rampenlicht zu stehen. Die Lust nach Europa ist noch längst nicht gestillt, und warum sollte Baku, der Ort des Finales in der Europa League, nicht ein – ganz heimliches – Ziel sein? Natürlich ist der Weg bis dahin noch weit, mit dem Spiel gegen den Gruppendritten in der Champions League stellen sich der Eintracht bis zum Endspiel noch vier, sehr wahrscheinlich hochkarätige Widersacher in den Weg, der FC Chelsea etwa, Arsenal, Inter Mailand, Galatasaray, RB Salzburg oder FC Sevilla, um nur die stärksten zu nennen.

Doch Eintracht Frankfurt hat diesen Wettbewerb, hat diese Spiele im gleißenden Licht angenommen wie kaum eine andere Mannschaft in Europa. Weil die Hessen mit derlei Auftritten in der Vergangenheit ja nicht gerade verwöhnt wurden. Eintracht Frankfurt ist ein Aufsteiger, ein Ehrgeizling, der es allen zeigen will, ein Emporkömmling, der das gerade mit so unendlich viel Mühe Erreichte mit Zähnen und Klauen verteidigen will.

Aus diesem exklusiven Zirkel wollen sie so schnell nicht mehr heraus komplimentiert werden. Deshalb wird Trainer Adi Hüter auch keine Gedanken daran verschwenden, womöglich Akteure für das Tagesgeschäft zu schonen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Eintracht wird mit der bestmöglichen Besetzung die Partien gegen die Spitzenmannschaft aus Donezk angehen. Immerhin geht es neben allerhand weichen Faktoren auch um Geld. Die Uefa schüttet für das Erreichen der nächsten Runde Mitte März, dem Achtelfinale, 1,1 Millionen Euro aus – ohne Einnahmen aus TV und Zuschauer. Bis zum Erreichen des Finales könnte es insgesamt weitere 8,5 Millionen Euro aus der Kasse der Uefa geben.

Gegner Schachtjor Donzek extrem herausfordernd für Eintracht Frankfurt

Freilich ist die Hürde, die der Eintracht mit Schachtjor aufgestellt wurde, eine hohe. Unattraktiv als Reiseziel, dafür sportlich extrem herausfordernd. Um ein Haar hätten sich die Ukrainer für die K.o.-Runde in der Champions League qualifiziert, ein Punkt hat ihnen lediglich zu Platz zwei gefehlt. Aktuell kann niemand genau einschätzen, wie stark das Team des portugiesischen Trainers Paulo Fonseca ist. Fonseca war pikanterweise auch der Trainer des FC Porto, als Eintracht Frankfurt beim letztmaligen Auftritt in einem Sechzehntelfinale im Februar 2014 mit 2:2 und 3:3 unglücklich scheiterte.

Schachtjor, daran dürfte kein Zweifel bestehen, geht als Favorit in diese beiden Spiele. Als Außenseiter kann man in einem Spiel aber auch schon mal für eine Überraschung sorgen, kann alles in die Waagschale werfen und einen an sich stärkeren Gegner in die Knie zwingen. Das ist der Eintracht ja auch im Pokalfinale gegen die Bayern auf so wunderbare Weise gelungen. In zwei Spielen freilich ist das deutlich schwieriger, denn ein möglicher Ausrutscher lässt sich im Rückspiel durchaus noch wettmachen.

Lesen Sie auch: Fan beschwert sich bei Instagram - Kevin Prince Boateng überweist ihm daraufhin Geld

Die Ukraine jedenfalls ist für Eintracht Frankfurt keine ganz neue Adresse. 1993, Anfang November, spielte die Eintracht unter Trainer Klaus Toppmöller und mit Hochkarätern wie Uwe Bein, Maurizio Gaudino, Tony Yeboah, Jay-Jay Okocha und Uli Stein in Dnjpropetrowsk – damals noch militärisches Sperrgebiet, und die Sondermaschine der Eintracht war der erste westliche Flieger, der nach der Perestroika dort landen durfte. Die Eintracht nahm das Abendessen noch im Flugzeug auf der Landebahn ein, weil sie der Küche des Landes nicht traute, die Qualität der Hotels war seinerzeit vor mehr als 25 Jahren eher bescheiden, geheizt wurde etwa kaum. Die Hessen kamen mit einem scheinbar beruhigenden 2:0-Hinspielsieg an die abgeschlossene Stadt am Dnjpr, sie mussten aber bei der 0:1-Niederlage arg zittern, ehe die nächste Runde erreicht war.

Gegen Donezk hat die Eintracht tatsächlich ebenfalls schon einmal gespielt, noch früher, nämlich 1980. Im Uefa-Cup gewann Schachtjor das Hinspiel auf sowjetischem Boden noch mit 1:0, im Rückspiel hatten sie dann keine Chance und unterlagen im Waldstadion nach den Toren von Bum-Kun Cha (2) und Bernd Hölzenbein mit 0:3. Da half auch nicht, dass bei den Ukrainern einer dazwischen fegte, der heute die gute Seele der Eintracht-Mannschaft ist: Igor Simonov, in Donezk geboren, war seinerzeit Verteidiger beim sowjetischen Pokalsieger. Heute kümmert sich der 60-Jährige als Materialwart um die Belange der Frankfurter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare