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Martin Hinteregger war Spieler der Spiels gegen Nürnberg

SGE

Eintracht Frankfurt: Trotz Europapokal-Strapazen kommen gegen Nürnberg keine Zweifel auf

Die Eintracht setzt ihre Siegesserie mit dem 1:0 gegen Nürnberg fort –und lässt nur in einem Punkt Wünsche offen. Vor allem darf man sich jetzt aber über eine Pause freuen.

Frankfurt - Endlich war der Bann doch noch gebrochen, das längst überfällige 2:0 gefallen, kurz vor Schluss zwar, aber immerhin. Ante Rebic hatte den Ball humorlos aus 16 Metern im Tor versenkt, der Deckel war drauf. Hochverdient. Doch dann hatte Bibiana Steinhaus, die Schiedsrichterin, aus dem Kölner Keller ein Zeichen bekommen, sie lauschte kurz der fernen Stimme des Videoassistenten und nahm den Treffer zurück. Eine richtige Entscheidung, Rebic stand bei Sebastien Hallers Kopfballverlängerung von mit einem Bein im Abseits. Also musste Eintracht Frankfurt noch ein paar Minuten überstehen, wenn auch nicht unbedingt zittern, ehe der 1:0 (1:0)-Sieg über den Tabellenletzten 1. FC Nürnberg unter Dach und Fach war.

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Es hat nicht viele Spiele in dieser Saison gegeben, in denen die Hessen derart turmhoch überlegen waren wie an diesem Sonntagnachmittag gegen biedere und harmlose Clubberer. Wenn die Partie 3:0, 4:0, ja 5:0 geendet hätte, niemand hätte sich beklagen dürfen. Die Frankfurter kontrollierten Ball, Gegner und Spiel und ließen nie einen ernsthaften Zweifel aufkommen, wer das Feld als Sieger verlassen würde. 25:9 Torschüsse zählten die Statistiker, 60 Prozent Ballbesitz, dazu knallte der Ball zweimal an die Latte, einmal bei einem Schuss von Filip Kostic (36.), das andere Mal bei einem Kopfball von Goncalo Paciencia (58.).

Keine Frage: Der Sieg der Frankfurter Europacup-Helden, der sechste in den vergangenen sieben Spielen, ging vollkommen in Ordnung. Das räumte auch Club-Trainer Boris Schommers ein, sein Frankfurter Kollege Adi Hütter sah das ähnlich: „Ich spreche heute von einem verdienten Arbeitssieg.“

Eintracht Frankfurt: Hintereggers „Wahnsinn“

Eintracht Frankfurt bleibt 2019 ungeschlagen, das ist aller Ehren wert und lässt großen Raum für Träume. Zumal erst am Donnerstag der Europa-League-Coup gegen Inter Mailand und der Einzug ins Viertelfinale gelungen war. Das entscheidende Tor markierte diesmal Martin Hinteregger, und dass es ein Verteidiger erzielte, sagt eine ganze Menge aus über Philosophie und Ausrichtung dieser Mannschaft: Immer offensiv, immer nach vorne. Im Mittelfeld hatte der Österreicher, der sich selbst „in exzellenter Form“ wähnt, den Ball auf Luka Jovic gespielt, und „wenn der den Ball hat, passiert immer was Herausragendes“. In der Tat: Der torgefährliche Stürmer spielte einen brillanten Pass in die Tiefe auf den wieder bärenstarken Filip Kostic, und dessen Hereingabe – eine von insgesamt 13 Flanken – brauchte Hinteregger nur noch mit rechts über die Linie zu drücken (31.).

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„Zu 90 Prozent geht das Tor auf die Beiden.“ Dass er in bester Mittelstürmermanier durchgesprintet war, sei „Instinkt“ gewesen, „ich habe nicht nachgedacht“. Hinteregger, den Hütter als „internationalen Klassespieler“ adelte, hat sich zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt. Seit der Winter-Neuzugang für die Eintracht verteidigt, hat diese noch kein Spiel verloren. „Wahnsinn“, sei das, sagt er, und nennt einen Grund für seine überragende Form. „Hier weiß ich zu 100 Prozent, was von mir verlangt wird.“ Man darf das getrost als kleine Spitze gegen seinen alten Trainer Manuel Baum beim FC Augsburg verstehen.

Erstaunlich war nur, dass die Hessen derart viele Gelegenheiten ungenutzt verstreichen ließen. Schon in Mailand war das so. „Viel zu viele Möglichkeiten haben wir liegen gelassen“, sagte Hütter. „Daran müssen wir in der Länderspielpause arbeiten“ – selbst wenn zehn seiner Spieler eine Einladung für ihre Nationalteams erhalten haben, darunter auch die Serben Mijat Gacinovic, Jovic und Kostic, die am Mittwoch in Wolfsburg gegen die DFB-Auswahl spielen. Hütter deckelte sanft, „die letzte Konsequenz, die letzte Entschlossenheit“ habe gefehlt.

Eintracht Frankfurt: Zwangspause für Russ

Selbst wenn die Frankfurter Verantwortlichen daraus kein großes Thema machen, waren dem Team auch die jüngsten Reisestrapazen anzumerken. „Das war eine Willensleistung“, fand Adi Hütter. „Dass es nach Mailand kein einfaches Spiel geben würde, habe ich gewusst.“ Er selbst sehnt die Pause herbei. Man werde „alles ein bisschen runterfahren“, bis Freitag allenfalls locker trainieren und dann drei Tage frei machen. Verdient hat sich das Team den Sonderurlaub allemal. Marco Russ wird ohnehin einige Zeit pausieren müssen. Wegen hartnäckiger Achillessehnenbeschwerden trägt er einen Spezialschuh, um die lädierte Sehne zu entlasten. Evan Ndicka, der Verteidiger, laboriert an Adduktorenproblemen, deshalb war er am Sonntag nicht im Kader. Gewonnen hat die Eintracht trotzdem wieder.

VON THOMAS KILCHENSTEIN

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Luka Jovic ist derzeit in aller Munde. Mit seinen starken Leistungen für Eintracht Frankfurt hat er sich in die Notizbücher europäischer Topvereine gespielt. Nun hofft der Serbe auch in der Nationalmannschaft auf den Durchbruch.

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