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Neu in Frankfurt, noch in Zivil: Almamy Touré (links) als Gast auf der Eintracht-Ersatzbank im Gespräch mit Kapitän David Abraham.

SGE

Eintracht Frankfurt: Die Neuzugänge Touré und Tuta stehen sinnbildlich für die Personalpolitik von Bobic und Co.

Martin Hinteregger war der wohl am meisten beachtete Frankfurter Winter-Wechsel. Typischer für die Eintracht sind inzwischen aber Investitionen in die Zukunft – wie bei Touré und Tuta.

Frankfurt - Für Martin Hinteregger waren die vergangenen Tage turbulent und ereignisreich. Erst seine fundamentale Kritik am Augsburger Fußballlehrer Manuel Baum („Kann nichts Positives über ihn sagen“), dann die Suspendierung, die ihn gar nicht so hart traf, weil er ziemlich weich fiel – mit dem Blitzwechsel nach Frankfurt, wo er nach nur einem Training mit der Eintracht am Samstag dem Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund ein 1:1 abtrotzte und eine grundsolide Leistung auf den Rasen warf. Und der Aufstieg vom Abstiegskandidaten FC Augsburg zum Europapokalanwärter Eintracht Frankfurt ist für den Österreicher noch nicht abgeschlossen: In neun Tagen wird er mit seinem neuen Club seine erste Auslandsdienstreise antreten, zum Europa-League-Gastspiel in Charkiw gegen Schachtjor Donezk.

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Dabei ist die Leihe des Innenverteidigers bis zum Saisonende für die Eintracht ein eher untypischer Vorgang. Der Spieler ist ihr, wenn man so will, vor die Füße gefallen, sie musste ihn nur noch aufnehmen. Eine Kaufoption ist nicht vereinbart worden, die Verantwortlichen wollen abwarten, wie sich der 26-Jährige einfügt. Zudem haben die Augsburger, die Hinteregger vor zweieinhalb Jahren für rund sieben Millionen Euro aus Salzburg kauften, eine Ablöse in zweistelliger Millionenhöhe aufgerufen. Zu viel für den Frankfurter Bundesligisten.

Neuzugänge Touré und Tuta stehen sinnbildlich für die Personalpolitik von Bobic und Co.

Der Hinteregger-Deal ist sicher der am meisten beachtete Eintracht-Transfer am letzten Tag der winterlichen Transferperiode. Dabei hat der Club auf den letzten Drücker noch zwei andere Verteidiger  geholt, die sehr viel besser als Sinnbilder für die Frankfurter Personalpolitik dienen als der Hinteregger-Deal: Almamy Touré, 22, aus Monaco, und der Brasilianer Tuta, 19, aus Sao Paulo.

Der Verein hat sich seit der Inthronisierung von Fredi Bobic und Chefscout Ben Manga im Sommer 2016 anders aufgestellt, er hat eine klare Linie, an der sich die Verantwortlichen entlanghangeln. Vor zweieinhalb Jahren ging es noch darum, Akteure auf Leihbasis zu verpflichten, weil das enge Budget nicht mehr zuließ. Bobic musste damals erst Spieler verkaufen, um neue holen zu können, das Investitionsvolumen betrug lumpige 2,7 Millionen Euro. Mittlerweile bewegt sich die Eintracht in anderen Sphären, sie hat ihre Mannschaft mit einer klugen Personalpolitik nach vorne entwickelt, was sich auch an den Marktwerten ablesen lässt, 226,05 Millionen ist das Team mittlerweile wert, damit liegt es direkt hinter den Topclubs.

Eintracht Frankfurt: Überschaubares Risiko auf dem Transfermarkt

Die Eintracht investiert in junge Spieler, in denen Potenzial schlummert. Es sind Transfers mit Tiefgang und Fantasie, es sind Investitionen in die Zukunft. Wie die Verpflichtung des jungen Lucas Silva Melo, genannt Tuta, der bis 2023 gebunden ist und für den die Frankfurter rund 1,7 Millionen Euro zahlen. Dafür ist das Gehalt für Bundesliga-Verhältnisse überschaubar, der Verteidiger streicht rund 250 000 Euro jährlich ein, soll in Ruhe aufgebaut werden. Das Risiko für den Verein ist überschaubar. Funktioniert der Spieler, hilft er sportlich weiter und wird seinen Marktwert entsprechend steigern. Klappt es nicht wie erhofft, ist zumindest kein wirtschaftlicher Schaden entstanden.

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„Unser Ziel ist es, Spieler günstig zu bekommen, sie zu veredeln, sie weiterzuentwickeln und zu einem höheren Preis abzugeben. Unser Weg führt über eine Transferpolitik, die wertbildend ist“, erklärt Vorstand Axel Hellmann. Das müsse nicht immer auf dem Tuta-Niveau ablaufen, es kann auch gut sein, dass die Eintracht mal „für sechs bis acht Millionen einkauft und für jenseits der 20 Millionen verkauft“. So könnte es beim französischen Verteidiger Evan Ndicka laufen, der für sechs Millionen Euro kam und jetzt schon fast 20 Millionen wert ist.

Eintracht Frankfurt: Almamy Touré  ist ein großes Talent

Auch bei Almamy Touré ist die Eintracht diesen Weg gegangen; der hochveranlagte Spieler hat ebenfalls einen Kontrakt bis 2023  unterzeichnet. Der 22-Jährige gilt als großes Talent, für das die Hessen nicht mal eine Million Euro an den AS Monaco überwiesen. Der Malier laboriert noch an einer Oberschenkelverletzung, soll aber spätestens Ende Februar spielfähig sein.

Es ist kein Zufall, dass die Eintracht Touré in Monaco entdeckte, den französischen Markt hat sie als höchst interessant bewertet, was im Übrigen auch für den südamerikanischen Raum gilt. Längst denkt die Eintracht über die Landesgrenzen hinaus, hat sich international aufgestellt, einen Kader mit 18 Nationalitäten gebastelt. Das ist in Frankfurt, der internationalsten Stadt Deutschlands, zum Markenzeichen geworden.

Das ganze System steht und fällt mit der Sichtung der Spieler. An Scout Ben Manga, dem Perlensucher, ist es, Akteure zu finden, die bezahlbar und jung sind und eine gewisse Klasse mitbringen. Das kann nicht immer klappen – Profis wie Andersson Ordonez oder Chico Geraldes etwa sind ziemlich gefloppt. Aber es klappt immer öfter.

von INGO DURSTEWITZ

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