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Schafft David Abraham noch den Sprung in den Kader des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt? Gestern zumindest trainierte der Abwehrspieler nach langer Verletzungspause wieder mit.

Eintracht Frankfurt

Gegen Schachtjor Donezk ist die richtige Balance für Eintracht Frankfurt entscheidend

Eine ganze Region fiebert dem heutigen Abend entgegen, wenn der Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt Schachtjor Donezk zum Rückspiel in der Europa League empfängt.

Frankfurt - Peter Fischer, der sehr umtriebige und in diesen turbulenten Tagen auch ein wenig aufgeregte Präsident des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, hat gestern nicht lange vor dem Schuhschrank überlegen müssen. Zielsicher griff er nach den weiß-grauen Sportschuhen, die zwar nicht perfekt zum Anzug passten, aber unbedingt getragen werden mussten. „Es sind die Schuhe, die ich auch am Tag vor dem Pokalfinale in Berlin getragen habe“, erzählte Fischer. Er wird die Glückstreter auch heute Abend im Stadion tragen, wenn ab 18.55 Uhr (live bei RTL Nitro/DAZN) die Eintracht den Schritt ins Achtelfinale tun und Schachtjor Donezk aus dem Wettbewerb katapultieren will.

Es ist für die Hessen das bisher wichtigste Spiel der Saison, es wird vermutlich ein magisches Spiel werden unter Flutlicht, ein Spiel, das vielleicht neue Weichen stellt. Die Vorfreude auf diese Partie mit „absolut hoher Bedeutung“, so Trainer Adi Hütter, jedenfalls ist riesengroß, die Spannung ist in der Stadt mit Händen zu greifen.

Commerzbank-Arena bei Partie Eintracht Frankfurt gegen Schachtjor Donezk restlos ausverkauft

„WM-Feeling“ hat Fischer längst ausgemacht, „die ganze Stadt hat Fieber“. Und überall, sei es beim Metzger, sei es in der Kleinmarkthalle, sei es bei Bänkern, dort, wo Fischer am Dienstag einen Vortrag gehalten hat, gebe es nur ein Thema: „Wie wir Schachtjor schlagen.“ Das Stadion ist mit 48 000 Zuschauern restlos ausverkauft, 80 000 Tickets hätte man locker loswerden können, sagte Vorstand Axel Hellmann. Etwa 470 ukrainische Fans werden in Frankfurt erwartet, auch 39 Journalisten, es wird wieder eine grandiose Choreographie geben über alle vier Tribünen und mit Musik von AC/DC, die Vorbereitungen dazu laufen seit Tagen.

„Es wird Starkstrom im Stadion herrschen“, vermutet Fischer. Und der Präsident ist sich auch sicher: „Das Stadion wird das Spiel gewinnen.“ Die Arena im Stadtwald soll zum Hexenkessel werden, ein Hexenkessel, der selbst den ausgebufften Profis aus Donezk, gespickt mit ukrainischen und brasilianischen Nationalspielern, kräftig einheizen soll. Man wolle alles dafür tun, damit „wir am Abend ein Fest feiern können“, sagt Hütter, der die Frankfurter Anhänger als „das Nonplusultra in Europa“ adelte. Es ist ein Spiel, das auch Hütter einiges abverlangt. Der Fußball-Lehrer aus Österreich muss die richtige taktische Vorgabe ausgeben, muss die Balance finden. Denn so positiv ein 2:2 aus dem Hinspiel auf den ersten Blick aussieht, so gefährlich ist es.

Unentschieden würde Eintracht Frankfurt zum Erreichen des Achtelfinales der Europa League reichen

Wie soll Eintracht Frankfurt in dieses Spiel gehen? Alle Unentschieden unterhalb des Hinspielergebnisses würden den Hessen zum Einzug ins Achtelfinale reichen, dazu jeder Sieg. Gestern bei der obligatorischen Pressekonferenz sprach Hütter auffällig oft davon, das Ergebnis verteidigen zu wollen. „Alle gemeinsam wollen wir möglichst keine Torchance zulassen“, sagte Hütter. „Es geht nicht darum, ein wunderschönes Spiel abzuliefern. Es geht darum, in die nächste Runde einzuziehen“, so der Trainer erstaunlich pragmatisch. Für ein Weiterkommen zahlt die Uefa übrigens 1,1 Millionen Euro. Die Hessen hätten dann neun Millionen an Fernsehgeldern eingenommen, mit Zuschauereinnahmen kamen bis jetzt etwa zwölf Millionen Euro brutto zusammen.

Auf keinen Fall wolle man den flinken, technisch enorm starken Offensivkräften der Ukrainer ins offene Messer laufen. „Wenn man ihnen Räume anbietet, kann können sie einem wehtun.“ Das hat Eintracht Frankfurt im Hinspiel am eigenen Leib erfahren müssen, als Schachtjor sich – mit einem Mann weniger – zurückziehen konnte, den Hessen die Mühe des Spielaufbaus überließ, um dann bei Gelegenheit eminent gefährlich zu kontern. In diese Falle will die Eintracht nicht tappen. Andererseits sind die Ukrainer gezwungen, selbst aktiv zu werden, denn sie müssen mindestens einen eigenen Treffer erzielen. Das wiederum gibt den Frankfurtern Möglichkeiten.

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Dass sie in Frankfurt übrigens mit bangem Blick auf das letzte Spiel im Sechzehntelfinale schauen, als der Eintracht im Februar 2014 ein 2:2 im ersten Spiel nicht zum Weiterkommen gegen den FC Porto reichte, hat für Hütter keine Bewandtnis. „Ich habe mit der Vergangenheit nichts am Hut.“ Diese erstaunliche Parallele interessiere ihn nicht – ohnehin stehen lediglich noch drei Spieler aus jener Mannschaft, nämlich Kevin Trapp, Marco Russ und Sebastian Rode, im aktuellen Kader.

Aufstellung des defensiven Mittelfelds bei Eintracht Frankfurt gegen Schachtjor Donezk unklar

Was die ganze Angelegenheit heute Abend für Hütter noch komplizierter macht, ist die Besetzung des defensiven Mittelfelds. Der etatmäßige Sechser, Gelson Fernandes, kann nicht spielen, seine muskulären Probleme sind nicht behoben. Sebastian Rode, der seit einer Woche wegen einer nicht näher erklärten Blessur an der Wade kürzer treten muss, absolvierte zwar am Mittwoch das Abschlusstraining. Ob er aber schon wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist, ist offen. Über seinen Einsatz wird erst kurz vor Spielbeginn entschieden. Auch David Abraham trainierte gestern mit. Der Kapitän hat aber zuletzt Ende Januar gegen Bremen gespielt und seither wegen Wadenproblemen individuell trainiert. Mit seiner Schnelligkeit freilich könnte er in diesem Spiel wichtig werden.

Als ausgeschlossen gilt, dass Hütter seinen derzeit besten Mann ins defensive Mittelfeld rückt: Makoto Hasebe, seit Monaten in Top-Form, wird auch heute die Dreierkette organisieren. „Das Wichtigste ist“, sagt der Japaner, „dass wir gut verteidigen“. Für das Abwehrbollwerk ist Hasebe derzeit unersetzlich. Manches spricht also dafür, dass die Eintracht mit zwei Spitzen agieren wird und Mijat Gacinovic, Jonathan de Guzman und, sofern er kann, Rode, das Mittelfeld eng machen sollen. Eines hat Hütter am Tag vor der Begegnung nicht getan: speziell Elfmeter geübt. Es kann ja durchaus sein, dass nach einem 2:2 nach Verlängerung die Entscheidung vom Punkt gefunden werden muss. Hütter hält nichts davon. „Das bringt nix. Wenn es dann um die Wurscht geht, denkst du nicht daran, was am Tag zuvor beim Training passierte.“ Und es geht um ein bisschen mehr als um die Wurscht.

Von Thomas Kilchenstein

Infobox: Mit schwierigen Aufgaben kennt sich Fonseca bestens aus

Paulo Alexandre Rodrigues Fonseca hatte gelitten, 90 Minuten und noch ein paar darüber hinaus. Er hatte sich lautstark mit dem Vierten Offiziellen angelegt, er hatte geflucht, angefeuert und am Ende doch gejubelt. Die letzte Chance, so hatten die Medien in Porto Ende Februar 2014 das Europa-League-Rückspiel des Vorzeigeclubs der Stadt bei Eintracht Frankfurt betitelt – adressiert war diese Botschaft an Fonseca. Nun rettete sich der FC Porto ja bekanntlich durch ein 3:3 gegen die Eintracht in die nächste Runde, Fonseca aber sollte das nicht lange vor einem Rausschmiss bewahren. Gerade mal fünf Tage und ein 2:2 gegen Guimaraes in der Liga später hatten die Vereinsbosse genug und setzten den Fußball-Lehrer vor die Tür. In der Liga lag Porto neun Zähler hinter Benfica Lissabon, das blieb nicht ohne Konsequenzen.

Fast fünf Jahre später ist Fonseca vor seiner Rückkehr nach Frankfurt in einer komfortableren Situation. Bei Schachtjor Donezk ist der 45-jährige Portugiese ein angesehener Mann. Bisher gewann er alle ihm mögliche Meisterschaften und Landespokale – jeweils zwei –, auch verfeinerte er das unter Vorgänger Mircea Lucescu doch ab und an zu starre Offensivspiel und machte aus Schachtjor eine spektakulär, manchmal etwas zu wild agierende Mannschaft. Entsprechend gibt es immer wieder Gerüchte um englische Erstligisten, die an Fonseca interessiert sein sollen. In Ansätzen war auch im Hinspiel zu sehen, wofür Fonseca steht: Vorne ein technisch-sauberes Spiel mit überfallartigen Umschalt-Momenten, hinten robuste Kompromisslosigkeit. Freilich hatte das 2:2 in Charkiw doch arg unter dem frühen Platzverweis für Abräumer Taras Stepanenko gelitten. Er ist heute ebenso gesperrt wie Innenverteidiger Sergiy Kryvtsov (dritte Gelbe Karte). Mit schwierigen Aufgaben kennt sich Fonseca aus. Nachdem der einstige Innenverteidiger im Sommer 2006 seine Profikarriere, die er hauptsächlich zweit- und drittklassig in Portugal verbrachte, beendet hatte, musste er sich seine Erfolge als Trainer hart erarbeiten. Er begann als Jugendcoach in Amadora in der Nähe von Lissabon, vier Jahre später war der CD Pinhalnovense, damals Drittligist, seine erste Profistation. Zweimal schaffte es Fonseca mit dem Außenseiter ins Pokalviertelfinale, so dass Erstligist Rio Ave aufmerksam wurde. Später folgte der Schritt zum etwas bekannteren Club Pacos de Ferreira, mit dem er sensationell als Dritter die Qualifikation zur Champions League erreichte. Erst beim FC Porto erhielt der Weg des aufstrebenden Paulo Alexandre Rodrigues Fonseca einen ersten Dämpfer. Daran konnte auch das 3:3 in Frankfurt nichts ändern. dani

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