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Ausgekontert: Beim Ausgleichstor des Wolfsburgers Anthony Brooks (rechts) fliegt auch Eintracht-Torwart Kevin Trapp nur noch hinterher.

SGE unter Mehrfachbelastung

Mammutprogramm hört nicht auf: Geht der Eintracht im Endspurt die Luft aus?

Die Eintracht zollt in Wolfsburg ihrer Mehrfachbelastung Tribut. Dabei muss für den Champions-League-Traum ein Einbruch im Endspurt unbedingt vermieden werden.

Wolfsburg - Vor den TV-Kameras hatte er gerade noch ein paar Sätze hervorgepresst, von der Enttäuschung und dem Schmerz gesprochen, den dieser Punkteverlust bedeutete, ein fahrlässiges Abwehrverhalten moniert und war dann schnurstracks in den Katakomben des Wolfsburger Stadions verschwunden. Den wartenden Reportern gönnte er keine vertiefenden Kommentierungen. „Besser nicht“, raunte Kevin Trapp knapp und verschwand in der Kabine. Da war einer sauer, richtig angefressen. Man kennt das ja von dem ehrgeizigen Schlussmann der Frankfurter Eintracht: Jedes Gegentor empfindet er als persönliche Beleidigung, und wenn dann eines ausgerechnet in der letzten Minute fällt und einen schon sicher geglaubten Sieg raubt, dann kann man sich in etwa in die Gefühlslage des 28-Jährigen versetzen. „So darf man nicht verteidigen.“

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Dabei, und da gab es im Frankfurter Lager keine zwei Meinungen, war dieses 1:1 (0:0) in einem, wie Sportdirektor Bruno Hübner sagte, „sehr intensiven, schweren Spiel“ gegen den VfL Wolfsburg vollauf gerecht. Es spiegelte die Leistungen korrekt wider. Und vielleicht hatten die Frankfurter gar noch eine Prise mehr Glück, immerhin trafen die Wolfsburger beim Stand von 0:0 einmal die Latte (Robin Knoche) und einmal den Pfosten (Maximilian Arnold). Und doch stapften die Eintracht-Profis mit dem schalen Gefühl vom Feld, die unerwartete Chance auf „Big Points“ (Trainer Adi Hütter) in der Bundesliga vergeben zu haben. „In den letzten drei, vier Minuten haben wir das nicht sauber zu Ende gespielt“, deckelte Hübner sanft, in der 90. Minute ließ sich die Eintracht im fremden Stadion auskontern – Anthony Brooks vollendete mühelos.

Treffer „aus dem Nichts“

„Der Zeitpunkt ist natürlich total ärgerlich“, sagte Hübner. Mit ein wenig Abstand freilich kehrte sehr schnell die Erkenntnis zurück, dass „der Punkt viel wert ist für uns“, wie Hütter sagte, „damit können wir sehr gut leben“, ergänzte Hübner. Der Treffer zum 1:0 durch den eingewechselten Jonathan de Guzman eine Viertelstunde vor dem Ende war in der Tat „aus dem Nichts“ (VfL-Trainer Bruno Labbadia) gefallen und höchst schmeichelhaft für die Hessen.

Die Frankfurter nämlich mussten „dem Mammutprogramm“ (Hütter) der vergangenen Wochen und speziell dem Spiel vom vergangenen Donnerstag gegen Benfica Lissabon Tribut zollen. Die Mannschaft wirkte nach einer Stunde platt. „Ich habe uns schon besser gesehen“, untertrieb Hütter. Offensichtlich war, dass die Frische der vergangenen Monate fehlte, sowohl physisch als auch mental. Und mit mangelnder Frische schlichen sich Konzentrationsfehler ein, Ballverluste und Fehlpässe.

Adi Hütter erhöht den Druck

Die Frage ist: Geht der Eintracht auf der Zielgerade die Luft aus? Macht sie schlapp just zu dem Zeitpunkt, da es um die Wurst geht und Borussia Mönchengladbach und die frisch wirkende TSG Hoffenheim lediglich mit zwei und drei Punkten Rückstand lauern? Immerhin haben die Spieler schon 44 Pflichtspiele in den Knochen, 30 in der Liga, zwölf in der Europa League, je eines in Supercup und DFB-Pokal – das zehrt an der Substanz. Und eigentlich will Sportvorstand Fredi Bobic sieben weitere Spiele haben, wie er sagte, das würde auch ein Finale in Baku einschließen. Das sind hohe Ziele. In Wolfsburg lief die Eintracht drei Kilometer weniger als der VfL, sie zog auch weniger intensive Läufe an, und Maximilian Arnold wähnte die Hessen gar „mausetot“. Das waren sie definitiv nicht. Aber: „Die Mannschaft war nicht so frisch, wie wir uns das wünschen“, stellte Hübner fest. Und die Mehrfachbelastung geht ja weiter.

Allerdings steht die Eintracht immer noch auf dem vierten Platz und kann die Champions League, den Frankfurter Traum, aus eigener Kraft erreichen. Dazu müssen in den letzten dreieinhalb Wochen alle Kräfte gebündelt werden und alles auf dieses Ziel ausgerichtet sein, muss ein Einbruch unbedingt vermieden werden. Zuzutrauen ist der Mannschaft das.

Trainer Hütter hat den Druck schon mal erhöht: „Am Samstag kommt die Hertha ins Stadion. Wenn wir unter den ersten Vier bleiben wollen, müssen wir gewinnen.“ So einfach ist das, so schwer ist das. Schon einmal hat der Österreicher öffentlich der Mannschaft eine klare Ansage erteilt: vor der Partie gegen Hannover im September. Da ging es darum, nicht in Abstiegsgefahr zu geraten. Die Eintracht gewann 4:1 und segelt seither auf Erfolgskurs.

von Thomas Kilchenstein

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sid

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