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Adi Hütter war nach der Niederlage gegen Wolfsburg sichtlich enttäuscht.

Eintracht Frankfurt

Frankfurter Frust über Serienende - Hütter: "Ein bisschen ungewohnt"

Der Ärger im Lager von Eintracht Frankfurt über die Heimniederlage gegen Wolfsburg ist groß, soll aber schnell in positive Energie umgewandelt werden. In Berlin will die Mannschaft eine Reaktion zeigen.

An die neue Situation musste sich Adi Hütter erst einmal gewöhnen. "Es ist ein bisschen ungewohnt nach zwei Monaten ohne Niederlage", sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem 1:2 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg. Elf Pflichtspiele in Serie hatten die Hessen seit Ende September nicht verloren - nun erwischte es sie ausgerechnet vor heimischer Kulisse. "Ich ärgere mich natürlich, denn mit einem Sieg wären wir Zweiter gewesen", räumte Hütter ein.

Auch den Spielern war die Enttäuschung über den kleinen Rückschlag anzumerken. Zumal sie sich wenig vorzuwerfen hatten. "Dass die Serie reißen würde war klar. Schade, dass es heute passiert ist. Das ist schon bitter und enttäuschend, weil wir viel Aufwand betrieben haben", stellte Torwart Kevin Trapp enttäuscht fest.

Gegen die lauf- und kampfstarken Wolfsburger fehlte dem DFB-Pokalsieger der letzte Tick - vor allem im Abschluss. "Wir wussten, dass uns irgendwann eine Niederlage treffen wird - die heute aber war unnötig", befand Eintracht-Kapitän Marco Russ.

Einzelkritik: So haben sich die Adler gegen Wolfsburg geschlagen

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Makoto Hasebe: Steht praktisch immer in dieser Kategorie. Erneut unglaublich abgeklärt, er überlegt, er antizipiert. Und ist immer noch unglaublich schnell zu Fuß. Er hält alles zusammen. © 
Filip Kostic: In der Anfangsphase bis tief in die zweite Halbzeit Aktivposten. Über seine Seite ging fast alles, bereitete viele gute Gelegenheiten vor, enorm fleißig und dynamisch. Sein Pech: Seine Flanken fanden viel zu selten keinen Abnehmer. © 
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Kevin Trapp: Lange Zeit unterbeschäftigt. Musste nur Fußarbeit verrichten, das tat er mit viel Gefühl und sehr präzise. Beim 0:1 ohne Chance, wenn auch der Ball knapp an seinem Fuß vorbeistrich. © 
Evan Ndicka: Hatte anfangs seine Mühe, biss sich aber ins Spiel hinein. Immer wieder verblüffend: seine Kaltschnäuzigkeit. Schlug aber zu viele Bälle lang. © 
Ante Rebic: Anfangs enorm spritzig, spielfreudig. Er war es, der die ersten gefährlichen Situationen beschwor. Viel unterwegs. Verzettelte sich dann mehr und mehr. Sein überhasteter Fehlpass im Mittelfeld führte zum 0:1. Konnte sich nie richtig durchsetzen. © 
Jonathan de Guzman: Licht und Schatten, eigentlich mehr Schatten. Konnte das Spiel nicht so prägen wie zuletzt. Seine Standards kamen auch nicht so gut. Hatte Pech mit einem abgefälschten Schuss an den Außenpfosten (14.). © 
Gelson Fernandes: Fleißiges Lieschen, rannte und rannte, machte viele Meter für die Mannschaft. Das macht er gut. Kam aber auch nicht so ins Spiel. Sah früh schon eine Gelbe Karte, ließ sich provozieren. © 
Danny da Costa: Wurde gut geblockt auf seiner Seite. Stand klar im Schatten von Kostic. Konnte sich kaum durchsetzen, musste auch defensiv mehr machen. © 
Jetro Willems: Sollte noch mal frischen Wind bringen. Das tat er auch, streute ein paar schöne Zuspiele ein. © 
Luka Jovic: Fand lange Zeit keine rechte Bindung zum Spiel, er wirkte fast ein wenig pomadig. Seine Chancen vermochte er nicht zu nutzen. Und doch machte er noch sein Tor (88.). © 
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Marco Russ: Lange Zeit solide und unauffällig. Beim 0:1 unterlief ihm ein folgenschwerer Stellungsfehler. In der zweiten Hälfte oft überlaufen, kam oft zu spät. © 
Sebastien Haller: Ihm gelang anfangs nicht viel. Er verstolperte leichte Bälle, ihm unterliefen lange nicht gesehene technische Fehler. Konnte auch vorne weniger Bälle festmachen als gewohnt. © 
Mijat Gacinovic: Kam 25 Minuten vor dem Ende, da stand es 0:1.Sein Fehlpass leitete das 0:2 ein. © 

In den vergangenen Wochen schwärmte Fußball-Deutschland vom magischen Sturm-Trio Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic. Doch am Sonntagabend konnten sich die drei Frankfurter Offensivkräfte gegen die kompakte und robuste VfL-Defensive nicht wie gewohnt in Szene setzen, auch wenn Jovic (87. Minute) mit seinem neunten Saisontor zum Endstand traf. "Man muss jungen Spielern auch mal eine Leistung zugestehen, die nicht so brillant wie sonst ist", sagte Hütter.

Das galt für das gesamte Team. "Wir waren heute nicht so ballsicher, griffig und entschlossen wie in der Vergangenheit", analysierte der 48-Jährige. "Die Mannschaft war vom Kopf her vielleicht nicht so spritzig, dass sie die eine oder andere Aktion besser abgeschlossen hätte." Für den Österreicher kam dies nicht einmal überraschend. "Unser Entwicklungsprozess ist immer noch nicht abgeschlossen", stellte Hütter klar.

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Das Wolfsburger Sturm-Trio war an diesem Abend effektiver. Admir Mehmedi (31.) traf zum 1:0, Daniel Ginczek (68.) zum 2:0 - und Wout Weghorst (27.) zumindest die Latte. "Wir haben auch gute Stürmer, die es können", lobte VfL-Trainer Bruno Labbadia. Der Schlüssel zum Erfolg der Gäste lag aber in ihrer aufopferungsvollen Abwehrarbeit.

Für die Eintracht heißt es nun, den Frust schnell in positive Energie umzuwandeln. Als Tabellenfünfter mit 23 Punkten stehen die Hessen immer noch glänzend da, doch am kommenden Samstag wartet in Berlin beim Tabellensiebten Hertha BSC schon die nächste schwere Aufgabe. Dort wird sich weisen, aus welchem Holz die Mannschaft geschnitzt ist. "Wir haben gehofft, die Serie so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Aber das wirft uns nicht um", sagte Abwehrspieler Russ. Und Torwart Trapp gab das Motto vor: "Es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. Wir müssen die Niederlage schnell abhaken."

(dpa)

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