Er gibt bei der Frankfurter Eintracht temperamentvoll die Richtung vor: Niko Kovac.
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Er gibt bei der Frankfurter Eintracht temperamentvoll die Richtung vor: Niko Kovac.

Eintracht Frankfurt

Frankfurter Hoffnungen ruhen auf Trainer Kovac

  • VonPeppi Schmitt
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Niko Kovac, der Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, ist gläubiger Katholik und glaubt ganz nebenbei auch noch an Wunder.

An diesem Wochenende startet die Bundesliga in die neue Saison. Die einen wie Bayern München, Borussia Dortmund oder auch Schalke 04 vertrauen auf Kader gespickt mit vielen Stars. Andere wie Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach setzen auf eingespielte Mannschaften. Die Frankfurter Eintracht, die am Samstag auf Schalke 04 trifft, setzt ganz auf Niko Kovac.

Der Trainer, am 8. März dieses Jahres für Armin Veh gekommen und gut zwei Monate später zum „Retter“ aufgestiegen, trägt in Frankfurt die Hoffnungen der breiten Öffentlichkeit. Dem ehemaligen Bundesligaprofi des FC Bayern München trauen sie am Main zu, aus einer neu zusammengewürfelten Mannschaft im Laufe der Zeit eine Einheit zu formen.

Lob ist ihm peinlich

Kovac freut sich über die Vorschusslorbeeren, die Lobeshymnen aber sind ihm fast peinlich. Es bestehe kein Grund einen Einzelnen herauszuheben, betont er, „wir haben den Klassenerhalt gemeinsam geschafft.“ In dieser Woche vor dem Auftakt hat er viele Interviews geben müssen. Darin hat er sich genauso deutlich positioniert wie intern gegenüber der Mannschaft. Kovac hat klare Vorstellungen vom Leben, klare Vorstellungen von seiner Arbeit, klare Vorstellungen vom Weg, den er mit der Eintracht gehen will. Er unterscheidet sich deutlich von seinen beiden Vorgängern Thomas Schaaf und Armin Veh. Er ist nicht so verbissen wie Schaaf, offener, zugänglicher, kommunikationsbereiter, einfach menschlicher. Aber er ist auch nicht so locker wie Veh, tritt konsequenter auf, fokussierter auf seinen Job, hat eine klarere Linie. Im Gegensatz zu Schaaf und Veh ist er nicht nach Frankfurt gezogen, lebt in seiner beruflichen Heimat immer noch im Hotel.

In seiner wenigen Freizeit zieht er sich zurück zu seiner Familie nach Salzburg. Kovac hat viel preisgegeben von sich selbst, von seiner Persönlichkeit, von seinem Lebensstil abseits des Fußballs. Die Öffentlichkeit in Frankfurt meidet er, im Nachtleben werde man ihn „niemals antreffen“. Abschalten könne er bei der Familie, aber auch beim Sport. Er spielt Tennis, Golf, rennt durch den Wald.

Der 44 Jahre alte Kroate aus Berlin ist gläubiger Katholik, macht daraus kein Geheimnis. Er versucht jede Woche, eine Messe zu besuchen. „Ich glaube an Wunder“, hat er gerade der „Bild-Zeitung gesagt. „Mein Glaube gibt mir Stärke“, ist er überzeugt. Kovac kommt durchaus konservativ daher. Er ist ein Mann mit Manieren und Anstand. In einem Interview mit der FR bezeichnet er sich als „freundlichen, höflichen und offenen Menschen.“ Die ihn näher kennenlernen, können dies bestätigen. Er spricht von Grundwerten, nach denen er lebt. Einfache Regeln der Höflichkeit sind beim Frankfurter Trainer Selbstverständlichkeiten. „Ich versuche, dass wir normal miteinander umgehen, in guten wie in schlechten Zeiten“, sagt er, „ich kann nicht erwarten, dass mein Gegenüber nett ist, wenn ich nicht nett bin.“ Hört sich so einfach an, ist aber im „Geschäft Bundesliga“ längst nicht wirklich weit verbreitet. Auch nicht bei allen Spielern der Eintracht, noch nicht einmal bei allen Trainern.

Und so hat Kovac auch da ein breites Wirkungsgebiet. Er ist ein junger Trainer in der Liga, aber dennoch gehört er einer anderen Generation an als seine Spieler. Deren Ausflüge in die Welt der sozialen Netzwerke sind ihm fremd. Mit Twitter, Instagram oder Snapchat hat er nichts zu tun. Handys hat er beim Frühstück und Mittagessen verboten, auch vor den Spielen sind sie tabu. Kovac hat auch vom Zusammenleben in einer Fußballmannschaft klare Vorstellungen.

Seine Hauptaufgabe aber liegt auf dem Platz, in der Arbeit mit den Spielern, in der Führung der Mannschaft. Auf der einen Seite ist er ein Neuling, der noch nie ein Bundesligateam auf eine Saison vorbereitet hat. Er ist aber auch ein Routinier, der als Spieler schon unzählige Vorbereitungen hinter sich gebracht hat. Er habe viel gelernt bei Kapazitäten wie Christoph Daum oder Ottmar Hitzfeld. Trotzdem geht er einen eigenen, ziemlich unkonventionellen Weg. Die Eintracht hat eine lange Vorbereitung hinter sich. Sieben Wochen seien „ungewöhnlich“, gibt der Trainer zu. Einheiten bis zu zweieinhalb Stunden hätten sie „noch nie mitgemacht“, sagen die Spieler.

Kovac weiß, dass er noch ein „Suchender“ ist, ist weit davon entfernt, seinen bislang eingeschlagenen Weg als einzig seligmachenden anzusehen. Selbstvertrauen ja, aber Überheblichkeit? Das wäre er nicht. Er geht den Weg konsequent, aber nicht dogmatisch. Er wird in der Lage sein, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Auch das hat er in seinem Fußballleben gelernt. Und das hat ihm auch sein „normales“ Leben gelehrt.

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