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Zerstörer mit Herz: Sebastian Rode (rechts) fehlt der Eintracht.

Eintracht Frankfurt

Das Fehlen von Rode und Fernandes stellt Adi Hütter vor Probleme

Als Zerstörer mit Herz sind Rode und Fernandes stilprägend für die Hütter-Eintracht. Ihr Fehlen stellt den Trainer vor Probleme.

Wer sich in aller Ruhe die Entstehung des späten Ausgleichs anschaut, erkennt schnell, wo der Hase im Pfeffer liegt. In dieser 82. Minute nämlich bekam die Frankfurter Eintracht am Sonntagnachmittag plötzlich keinen Zugriff mehr auf die Gäste von Borussia Mönchengladbach. Das lag in erster Linie daran, dass der gerade erst eingewechselte Mittelfeldspieler Jetro Willems – warum auch immer – in Mittelstürmerposition versuchte, die Gladbacher zu attackieren, dabei aber auch noch ausrutschte und quasi aus dem Spiel war. Deshalb hatte Tobias Strobl eine ganze Menge Platz, den er für einen Sprint und einen klugen Flachpass auf Denis Zakaria nutzte.

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Das wiederum war nur möglich, da weder Jonathan de Guzman noch Mijat Gacinovic Druck auf den ballführenden Strobl ausübten und in der Mitte sogar noch eine veritable Lücke ließen. Als das Unheil seinen Lauf nahm, trabten sie übrigens ganz gemächlich hinterher. Und weil Makoto Hasebe wahrscheinlich das erste Mal in diesem Spiel eine falsche Entscheidung traf und sich zu Alassane Plea orientierte, statt sich Zakaria in den Weg zu stellen, war die Bahn frei zum Ausgleich. Hasebe war in dieser Situation allerdings auch gänzlich alleine gelassen, er konnte so einfach nicht mehr ausbügeln, was zuvor verbockt worden war.

Die Triebfeder der Eintracht

Natürlich kann so ein Gegentor immer mal passieren, es lässt sich bekanntlich nicht alles verteidigen, doch dieser Treffer steht dennoch exemplarisch für die Probleme, die sich bei der Eintracht auftun – zumindest dann, wenn ihre Terrier nicht im Spiel sind. Es war kein Zufall, dass im Zentrum die größten Löcher entstanden, nachdem Gelson Fernandes wegen einer Oberschenkelverletzung für Willems hatte weichen müssen, drei Minuten vor dem Ausgleich. Der Schweizer Routinier hat sich zu einem unverzichtbaren Stabilisator entwickelt, keiner läuft und ackert mehr, keiner stiebitzt mehr Bälle oder stört den Gegner entscheidend.

Fernandes fehlt an allen Ecken und Enden. Das war in den letzten Minuten der Bundesligapartie gegen Gladbach so, als die Eintracht ohne ihn einen möglichen und vorher als enorm wichtig erachteten Sieg aus der Hand gab und sich mit einem 1:1 begnügten musste. Und das wird am Donnerstag im noch bedeutsameren Rückspiel in der Europa League gegen Schachtjor Donezk der Fall sein. Dann wird auch Sebastian Rode wohl nur als Besucher im Stadion sein können. Der Rückkehrer war mit einer nicht näher definierten Wadenblessur schon gegen Gladbach unpässlich, gestern immerhin drehte er schon in gutem Tempo wieder seine Runden. Vielleicht dauert es wenigstens nicht so lange wie bei David Abraham, der wegen einer Wadenverletzung seit Wochen zum Zuschauen verdammt ist.

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Rode gehört wie Fernandes in die Kategorie Zerstörer mit Herz, weiß aber auch mit dem Ball am Fuß etwas anzufangen. Das Herzstück ist der Eintracht damit aus dem Leib gerissen, Fernandes und Rode passen auch deshalb so zu dieser Mannschaft, weil sie in gewisser Hinsicht stilprägend sind, mit ihrer Spielweise, ihre Haltung und ihrem Willen perfekt zu dem passen, was Trainer Adi Hütter von seiner Mannschaft verlangt: pressen, jagen, draufgehen. Und die Schaltstelle im defensiven Mittelfeld ist die Triebfeder des Ganzen, die beiden sind die Vorreiter.

Alles keine Ideallösung für die Partie der Frankfurter Eintracht gegen Schachtjor Donezk

Die Kardinalfrage wird sein, wie Hütter ihren Ausfall kompensieren will. Natürlich hat er in de Guzman einen erfahrenen Profi, der auf dieser Position auch daheim ist. Er kann Willems aufbieten oder Gacinovic eine Position nach hinten ziehen. Nur sind alle drei ganz andere Spielertypen mit anderen Qualitäten, sie kommen eher über die fußballerische Schiene, und alle drei sind nicht besonders gut in Form.

Vielleicht wagt der Trainer ja auch ein Experiment, beordert Kapitän Abraham in die zentrale Verteidigung und zieht Makoto Hasebe eine Reihe nach vorne. Abraham hat am Montag zumindest normal am Training der Reservisten teilgenommen. Zum einen aber ist unklar, ob Abraham tatsächlich schon wieder spielfähig ist. Zum anderen würde der überragende Hasebe seiner Stärke beraubt, denn längst entfaltet der Japaner seine ganze Kraft und Qualität auf der Position des freien Mannes in der Abwehr. Da ist er eine Klasse für sich. Im Mittelfeld zeigte er hingegen eher solide, unauffällige Leistungen.

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Oder der Trainer zaubert Marc Stendera aus dem Hut, der eine gewisse Aggressivität mitbringt, aber eigentlich zu langsam ist. Hütter indes schätzt Schnelligkeit über die Maßen. Zudem: Stendera kränkelte zuletzt, schaffte es nicht in den Kader. Gesund ist er jedenfalls wieder, gestern stand er auf dem Übungsplatz. Klingt alles nicht nach einer Ideallösung, aber für eine gewisse Improvisationskunst sind Fußballtrainer ja auch bekannt. Es sollte halt nur funktionieren

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