Eintracht Frankfurt

Fredi Bobic sieht die SGE zurück auf dem Boden der Tatsachen

  • vonChristian Heimrich
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Der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic sparte nach dem 0:1 in Wolfsburg nicht mit Kritik – am Schiedsrichter und an der eigenen Mannschaft.

Wenn Fredi Bobics Augen zu schmalen Schlitzen werden. Wenn der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht schweigend auf einen Bildschirm starrt, über den Szenen aus dem gerade zu Ende gegangenen Spiel flimmern. Und wenn man sieht, wie sich Enttäuschung und Ärger dabei durch seinen Körper wühlen: Dann besteht höchste Alarmstufe. Man spricht den Mann besser nicht an.

So war es nach dem 0:1 in Darmstadt zu Beginn der Saison. So war es auch nach dem 0:1 in Wolfsburg. Dazwischen lieferte die Eintracht eine veritable Erfolgsserie ab: acht Spiele in Folge ungeschlagen, der Sprung ins obere Tabellendrittel. Aber Bobic ist keiner, der Momentaufnahmen besonders ernst nimmt. Er weiß, dass es in der Bundesliga manchmal ganz schnell wieder abwärts geht. Das haben sie bei der Eintracht in der vorigen Saison schmerzhaft zu spüren bekommen. Manchmal beginnt sich die Spirale des Misserfolgs schleichend zu drehen. Deshalb wird die sportliche Leitung schnell laut, wenn sie Schlendrian wittert.

Trainer Niko Kovac wurde in den vergangenen Wochen nicht müde, die Mannschaft zu erden: „Wir haben noch gar nichts erreicht“, hatte er dem Team vor dem Spiel in Wolfsburg eingetrichtert und weitere Einzahlungen auf das Punktekonto gefordert. Der Samstagabend gab ihm Recht, die Spieler hatten offensichtlich nicht besonders gut zugehört. Parallel dazu haben Kovac und Bobic aber auch eine Bedrohung von außen ausgemacht. „Keiner will uns da oben haben. Ich habe das Gefühl, wir werden mit Gelben und Roten Karten gejagt“, machte der Sportvorstand seinem Ärger Luft. Zuvor hatte er deutlich hörbar hinter sich und dem Schiedsrichtergespann die Tür zur Kabine geschlossen. Bobic und Kovac führten ein ruhiges aber in der Sache eindeutiges Gespräch mit Hauptreferee Dr. Felix Brych. „Wir sind keine gefühlte Tretertruppe. Das lassen wir uns nicht mehr bieten“, stieß Bobic hinterher hervor

Seine unterschwellige These: Mal schauen die Schiedsrichter bei der Eintracht besonders streng hin, mal schauen sie aber auch einfach weg. Ante Rebic hatte in der zweiten Halbzeit wohl das Pech, dass Brych einen fragwürdigen Elfmeter für die Frankfurter gepfiffen hatte. Denn nur kurze Zeit später holte Caligiuri den Eintracht-Angreifer im Strafraum rüde von den Beinen. „Der Elfmeter war so was von klar, darüber habe ich mich extrem aufgeregt. Das war einfach zu sehen, ein brutales Foul. Wir können noch froh sein, dass Rebic nicht verletzt ist. Das ist Elfmeter und eine Gelbe Karte“, ereiferte sich Bobic.

Am Ende musste aber auch Frankfurts Sport-Vorstand zugeben, dass die Eintracht zu Recht als Verlierer vom Platz gegangen war. „Wir haben zu wenig getan“, warf Bobic der eigenen Mannschaft vor. Was wohl auch mit dem nahenden frohen Fest zu tun gehabt habe: „Wir hatten ja heute tolle rote Trikots an, wie die Weihnachtsmänner, und haben die Punkte feierlich übergeben. Das war unser Geschenk heute“, ätzte der Boss.

Die erste Halbzeit hätten seine Leute „extrem verschlafen“. Erst in der zweiten Halbzeit, nach den taktischen Umstellungen des Trainers, hätte sich das Team mehr Zugriff auf das Spiel verschafft: „Es war einfach kein Spielfluss da, das wirkte zerstückelt ohne Ende.“ Bobic fordert eine rasche Bewusstseinsänderung: „Wir müssen am Dienstag anders auftreten. So reicht das gegen Mainz nicht. Und für uns zählt jeder Punkt.“

Einmal in Fahrt, nahm sich der Sportvorstand auch noch all jene vor, die Gegenwart und Zukunft der Eintracht seiner Meinung nach zu rosig sehen: „Wer von Europa spinnt, kriegt den Hammer auf den Kopf. Das ist doch alles Bullshit!“

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