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Den gegen Dortmund nötigen Biss demonstrierten im Training Heimkehrer Sebastian Rode (links) und Jonathan de Guzmán.

Eintracht Frankfurt

Gegen Dortmund zählen nur Topleistungen

Mit einem 0:0 ist heute im Frankfurter Stadtwald wohl kaum zu rechnen. Aber mit Veränderungen in der Eintracht-Abwehr.

Natürlich hat sich der Frankfurter Trainer Adi Hütter nicht dazu hinreißen lassen, den Ausgang des heutigen Topspiels gegen den Tabellenführer Borussia Dortmund zu tippen. Das macht er nie, selbst bei Freundschaftsspielen wagt er keine Prognose. Eines aber kann er einigermaßen verlässlich voraussagen: In einem Spiel, in dem die eine Mannschaft bislang 50 und die andere 39 Tore erzielt hat, „wird es schwer werden, 0:0 zu spielen“. Man darf also gespannt sein, die Arena im Stadtwald jedenfalls ist seit Wochen ausverkauft.

„Es ist ein Topspiel und dazu gehören Topleistungen“, sagt der österreichische Fußballlehrer und verlangt, dass „wir das auch abrufen“. Immerhin habe die Mannschaft in dieser Trainingswoche „bissig und aggressiv“ trainiert. Die Krux ist nur: Das muss halt ab 15.30 Uhr auch auf dem Platz gezeigt werden. Und da steht heute Nachmittag ein Team auf der anderen Seite, über das Hütter am Freitag fast ein Füllhorn an Lob ausschüttete: Die „torgefährlichste Mannschaft“ der Liga sei der BVB, dazu sehr kompakt in der Ordnung stehend und im Umschaltspiel „überragend“. Fehler würden blitzschnell bestraft, Ballverluste dürfe man sich kaum erlauben, gnadenlos würde Borussia Dortmund diese Schwächen nutzen.

„Ich darf ruhig über den BVB schwärmen“, sagt Adi Hütter, die Mannschaft von Lucien Favre stehe ja nicht ohne Grund mit sechs Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Und der Coach ließ keinen Zweifel daran, dass sich die Eintracht, die am Freitag den 18 Jahre alten Mittelfeldspieler Patrick Finger mit einem Profivertrag ausgestattet hat, erheblich werde steigern müssen, um der geballten schwarz-gelben Wucht Paroli zu bieten. „Leistungen wie gegen Freiburg und Bremen werden nicht reichen“, sagt Hütter unmissverständlich.

Im bisherigen Saisonverlauf ist es Eintracht Frankfurt noch nicht gelungen, einen Club der Top vier zu schlagen, einzig gegen RB Leipzig gelang ein Punktgewinn. Ob das heute anders wird? „Wenn wir oben bleiben wollen, sollte man ein Topteam schlagen“, bekundet der Fußballlehrer, der noch am vergangenen Samstag nach dem Spiel in Bremen vehement die angeblich überzogene Erwartungshaltung im Frankfurter Umfeld kritisiert hatte. Auch Sportvorstand Fredi Bobic lässt ja kaum eine Gelegenheit aus, um die hohen Ambitionen der Frankfurter herauszustellen.

Die Mannschaft wisse, dass sie „an ihre Grenze gehen muss“, um diese 90 Minuten erfolgreich zu gestalten, findet Hütter, der sich in dieser Woche intensiv mit Sebastian Rode ausgetauscht hat, der bis vor kurzem noch in Dortmund spielte. „Für den Seppl ist es ein anderes Spiel als für viele.“

Abraham fraglich

Für Rode, der sicherlich neben Gelson Fernandes die Mitte dicht machen wird, ist es eine ganz besondere Begegnung. „Er freut sich darauf.“

Wer neben ihm auflaufen wird, verrät Hütter selbstverständlich nicht. Vor allem die Besetzung der Abwehr ist offen: Hinter dem Einsatz von Kapitän David Abraham steht immer noch ein Fragezeichen, noch immer laboriert er an den Folgen einer Wadenverletzung. „Das letzte Signal gibt der Spieler“, sagt der Coach.

Abraham hat in dieser Woche nur eingeschränkt trainiert, er hat Teile des Mannschaftstrainings absolviert, war aber auch vorzeitig in die Kabine gegangen. Seine Schnelligkeit wäre gegen die flinken Dortmunder allerdings von hoher Wichtigkeit.

Wer soll, wer kann ihn ersetzen, falls er ausfällt? Martin Hinteregger, den die Eintracht auf den letzten Drücker verpflichtet hat, böte sich an. Hütter hält große Stücke auf seinen Landsmann, er kennt ihn aus gemeinsamen Salzburger Tagen gut, er sei „ein Charaktertyp, einer mit Ecken und Kanten, solche Spieler brauchen wir auf dem Platz“. Allerdings ist der 26 Jahre alte Ex-Augsburger ein Linksfuß, Abraham spielt aber auf der rechten Seite. Oder kommt doch der Haudegen Marco Russ zum Einsatz, er ist ein Rechtsfuß, aber nicht mehr der Schnellste. Hinteregger, der genauso wie Timothy Chandler und Rode für den 24 Mann umfassenden Kader für die Europa League gemeldet werden dürfte, ist auf jeden Fall ein Thema. „Topfit“ sei er, so Hütter.

Zu früh kommt auf jeden Fall der Einsatz der beiden anderen Neuzugänge Lucas Silva Melo, genannt Tuta, und Almamy Touré. Immerhin soll der Mann aus Mali seine Oberschenkelverletzung weitgehend auskuriert haben. „In dieser Woche wäre er auch in Monaco ins Training eingestiegen.“

Von Thomas Kilchenstein

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