Eintracht vs. Leipzig

Gegen den RB Leipzig dürften die Emotionen hochkochen

  • VonStefan Fritschi
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Ein abgeschlagener Bullenkopf dürfte kaum Richtung Spielfeld fliegen, wie geschehen beim Pokalspiel von RB Leipzig in Dresden. Doch gewiss nicht kleine Teile der Fans von Eintracht Frankfurt werden am Samstagabend (18.

Ein abgeschlagener Bullenkopf dürfte kaum Richtung Spielfeld fliegen, wie geschehen beim Pokalspiel von RB Leipzig in Dresden. Doch gewiss nicht kleine Teile der Fans von Eintracht Frankfurt werden am Samstagabend (18.30 Uhr) im ehemaligen Zentralstadion ihren Unmut kundtun über das Konstrukt RB Leipzig. Wie, das ist unklar.

Zugeknöpft gab sich Eintracht-Vorstand Axel Hellmann zu diesem Thema. Eine Interviewanfrage wurde geblockt, die Fanbeauftragten durften sich nicht äußern. „Wir wollen nichts heraufbeschwören. Es wird fieberhaft an einem reibungslosen Verlauf gearbeitet“, deutete Jan Strasheim, Leiter der Medienabteilung an, dass das Spiel viel Brisanz besitzt. Intern dürften daher viele Worte gefallen sein. Es deutet sogar auf Absprachen zwischen der AG-Führung und Vertretern der Fanszene hin, in der die Ultras sich stark positioniert haben. Ein zweites Magdeburg mit harten Strafen seitens des DFB soll unter allen Umständen vermieden werden.

Gewaltexzesse wie in Magdeburg sind praktisch ausgeschlossen, denn RB Leipzig hat keine Hooliganszene und nur wenige Ultras. Es liegt also in der Hand der Eintracht-Fans, was auf den Rängen geschehen wird. Besondere Maßnahmen ergreifen die Frankfurter Fanpolizisten nicht, die im ständigen Austausch mit ihren Leipziger Kollegen sind. „Mit Fans von RB Leipzig wird es wohl keine Probleme geben“ , sagt der Szene kundige Beamte (SKB) Florian Dittmar.

Auch beim Frankfurter Fanprojekt wird Gelassenheit demonstriert. „Wir versuchen, alles so normal wie möglich zu halten. Zweckoptimismus ist unser Job“, bekundet der Leiter Stephan von Ploetz.

Deutlicher wird Ina Kobuschinski, die Vorsitzende des Eintracht Frankfurt Fanclubverbands. „Wir haben nichts gegen die Fans an sich, sondern gegen den Verein“, sagt sie: „Das Konstrukt RB Leipzig ist nicht regelkonform. Es ist wettbewerbsverzerrend.“ Daher sei es legitim, dass dies quer durch die Republik artikuliert wird. „Protestaktionen können auch positiv sein, nicht nur negativ“, deutet Kobuschinski an, dass auf Formen à la Dynamo wohl abgesehen wird.

An Unterstützung aus der Kurve wird es der Eintracht nicht mangeln. Während andere aktive Fanszenen wie die von Borussia Dortmund den Leipzig-Trip absagten, wurde in Frankfurt mobilisiert. Das Kartenkontingent für Gäste von zehn Prozent, also etwa 4300, wurde ausgeschöpft. „Etliche Frankfurter haben sich auch mit Tickets in den Nachbarblöcken eingedeckt“, sagt die Fan-Chefin. Dazu wird es Unterstützung von Fans des Leipziger Traditionsvereins BSG Chemie geben – und die mögen die „Roten Bullen“ überhaupt nicht. Seit einigen Jahren besteht eine Freundschaft zwischen SGE und Chemikern, im September hatte die Eintracht ein Benefizspiel gegen den Fünftligisten im Alfred-Kunze-Sportpark absolviert (2:2). Mehrere Hundert grün-weiße Leipziger sollen Tickets erworben haben. Emotionen sind also im Stadion garantiert – positive wie negative.

Kein deutscher Fußballclub hat bisher so viel Abneigung zu spüren bekommen wie RB Leipzig. Schon im Gründungsjahr 2009 hing an einem Zaun des eigenen Trainingsgeländes ein Transparent mit der Warnung: „Finger weg von unserem Sport! In Leipzig und an jedem Ort.“ Die Anfeindungen überschritten bald die Grenzen des Erlaubten. Bei einem Spiel in Aue war zu lesen: „Ein Österreicher ruft, und ihr folgt blind, wo das endet, weiß jedes Kind. Ihr wärt gute Nazis gewesen!“ Mit dem Österreicher ist Red-Bull-Eigentümer Mateschitz gemeint.

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