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Sie mögen sich mal mehr, mal weniger: FCA-Coach Manuel Baum (rechts) und Caiuby.

Eintracht Frankfurt

Gegner-Check Augsburg: Ein Schwarzfahrer am Glühweinstand

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Hat ein Ex-Eintrachtler das entscheidende Mittel gegen die Eintracht parat? Hier der nicht ganz ernst gemeinte Gegner-Check.

Der Trainer: Manuel Baum kommt immer ein bisschen kraftstrotzend daher. Mit seinen 1,69 Metern Körpergröße, dem mächtigen Oberkörper und den engen Steppjacken erinnert er zuweilen an das Michelin-Männchen. Spaß versteht er aber auch. Zum Jubiläum des FC Augsburg kam er in einem Outfit ins Stadion, das wie eine Hommage an Sherlock Holmes aussah.

Der gebürtige Landshuter zählt zweifellos zu der von Mehmet Scholl so „gefürchteten“ Gruppe der „Laptop-Trainer“. Zu seiner Anfangszeit benötigte Ex-Spieler Halil Altintop gar ein neues Handy, der Speicher seines alten war den diversen Videoanalysen nicht mehr gewachsen. 2016 übernahm der frühere Torhüter, Realschullehrer und Augsburger Nachwuchscoach von Dirk Schuster die Mannschaft und impfte ihr zügig seine Idee vom Fußball ein: Pressen und Kontern. In der Umsetzung gilt er als detailgenau und innovativ, bei einer früheren Trainerstation in Unterhaching stellte er das Gehirn- und Bewegungstraining Life Kinetik auf den Trainingsplan. Seine kommunikative und umgängliche Art kommt an bei den Spielern.

Aber Baum greift auch durch, wenn es sein muss. Als Fabian Giefer, seine ursprüngliche Nummer 1 in dieser Saison, ein Tor zu viel verschuldet hatte, musste er seinen Platz räumen.

Fachlich ist Baum für Sportgeschäftsführer Stefan Reuter „der richtige Trainer, um die Philosophie des FC Augsburg umzusetzen und weiterzuentwickeln“. Als studierter Sportwissenschaftler sollte er dafür ein paar Trümpfe in der Hinterhand haben.

Die Stimmung: Vor der Länderspielpause war in Augsburg Presseball. Manuel Baum ist trotz schlechter Laune hingegangen. Denn zuvor hatte seine Mannschaft 1:2 gegen Hoffenheim verloren. Und als Trainer des FC Augsburg wird man natürlich auch beim Augsburger Presseball immer wieder mit Fußball konfrontiert.

In der Länderspielpause hatte der Coach dann viel vor: „Es gilt jetzt Ursachenforschung zu betreiben und Lösungen zu entwickeln, dass wir nicht nur gut spielen, sondern auch die Punkte holen.“ So ist nun einmal das Wesen des Fußballs. Dabei steht der FCA ja nicht ganz so schlecht da – mit 13 Zählern aus elf Spielen. Das weiß auch Baum, aber „die innere Unzufriedenheit ist groß“. Deshalb lautet das künftige Motto: „Auch in Chaos-Phasen eine Struktur reinbringen.“

Dabei wäre sein Team Tabellenführer in der Bundesliga – wenn die Spiele nach 30 Minuten beendet gewesen wären. Immer wieder ein Thema war auch Caiuby. Überkritische Zeitgenossen würden ihn einen Skandalprofi nennen. Fragen genug an seine Person gab es jedenfalls in letzter Zeit: Warum er zu spät aus dem Sommer-Urlaub zurückkam und der Verein lange nicht wusste, wo er war. Warum er sich nach Streit mit den Nachbarn eine neue Wohnung suchen musste. Warum er, nachdem er schwarzgefahren war, Mitte Oktober 22 500 Euro Geldstrafe zahlen musste, warum nach einem Vorfall im Augsburger Nachtleben ein Verfahren gegen Körperverletzung gegen ihn läuft. Und warum er zuletzt bei einer Mannschaftssitzung zu spät kam.

Baum findet, dass Caiuby in den Medien nicht immer gerecht behandelt wird: „Langsam bekomme ich den Eindruck, dass man sich auf ihn einschießt, weil es sonst bei uns nichts gibt.“ Solcherlei Nachsicht hat ihren Grund: Der Brasilianer ist mit seiner körperlichen Präsenz, seinem unbändigen Einsatz und seiner Kopfballstärke für seinen Coach ein ganz wichtiger Baustein. Ein schlechter Kerl scheint er tatsächlich nicht zu sein: Beim Glühweinausschenken auf dem Christkindlesmarkt wird Caiuby am kommenden Dienstag der erste FCA-Profi sein.

Der Kader: Das Sorgenkind beim FCA während der Woche war Stürmer Alfred Finnbogason, der, nachdem er bei der isländischen Nationalmannschaft war, frühzeitig wegen einer Verletzung wieder nach Hause fahren musste. Dummerweise ist Finnbogason aber mit sieben Toren in sechs Spielen auch so etwas wie die Torversicherung der Augsburger. „Er hat im Adduktorenbereich muskuläre Probleme mitgebracht. Wir werden es mit Alfred wie immer handhaben: Wenn er nicht hundertprozentig fit ist, wird er auch nicht spielen“, so die Ansage von Baum.

Wenn Finnbogason ausfallen sollte, wäre auch Julian Schieber eine Option. Der Ex-Berliner, der lange verletzt war, durfte zuletzt bei der 1:2-Niederlage in Hoffenheim noch in der Schlussphase auf den Platz. Neben Schieber zählt Baum weitere Alternativen auf: „Gregoritsch, Richter, Córdova, Ji, die können alle auf dieser Position spielen. Da haben wir so viel Qualität. Da wird mir nicht angst und bange und da können auch einmal die anderen die Tore machen.“

Neben Finnbogason sind auch zwei weitere Männer mit klingenden Namen angeschlagen: Flügelstürmer André Hahn, ein Mann mit Offenbacher Vergangenheit, und Felix Götze, Bruder des einstigen WM-Helden Mario.

Die Bilanz: Ist so beängstigend wie Bill Bo, der Räuber aus der Augsburger Puppenkiste. Aus den Zeiten der Oberliga Süd stammt der bislang letzte Sieg der Eintracht in Augsburg, den sie mit einem 1:0 am 11. April 1963 feierte. In sechs Bundesligaspielen dort verbuchten die Frankfurter nur drei Punkte und vier Tore auf der Habenseite. Zudem sind die 0,92 Punkte aus zwölf Duellen drittschlechtester Bundesliga-Wert der Frankfurter.

Und das noch: Der FC Augsburg verfügt über einen Insider mit einem für den Gegner mitunter verhängnisvollen Talent. Der ehemalige Profi Martin Trieb spielte Anfang der 80er Jahre vier Jahre bei der Eintracht. Nach der Karriere kehrte er in seinen erlernten Beruf zurück und bildet nun schon seit fast 25 Jahren Nachwuchsleute aus – als Maurer.

(rich)

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