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Eintracht Frankfurt

Gegner-Check: Königsblau und mit Prinz Charles im Tor

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Glück auf: Schalke 04, am Sonntag bei der Eintracht zu Gast, im nicht immer ganz ernst gemeinten Check.

Der Trainer: Domenico Tedesco ist ein Typ mit dem Bauchgefühl dafür, wie man knifflige Situationen nutzbringend bewältigt. Beispiele gefällig? Als er Mitte 2017 auf Schalke als Nachfolger von Markus Weinzierl vorgestellt wurde, eröffnete er die Pressekonferenz mit einem gut gelaunten „Glück auf“. Ziemlich schnell wurde auch das Foto im Spielertunnel der Arena gemacht – vor schwarzen Wänden, sie sollen das Ambiente im Kohleschacht symbolisieren. Die Botschaft war klar: Hier fängt einer an, der die örtlichen Traditionen kennt und weiß, dass er malochen muss, wenn er sich Respekt verschaffen will.

Denn Maloche ist die härteste Währung im „Pott“. Und Tedesco galt zu jener Zeit eher als Musterschüler und Überflieger. Streber nannte man so einen früher. Innerhalb von zwei Jahren hatte der Deutsch-Italiener, der in der kalabrischen Provinz Cosenza zur Welt kam und in Schwaben aufwuchs, eine erstaunliche Karriere gemacht: U19-Trainer bei der TSG Hoffenheim, den Zweitligisten Erzgebirge Aue vor dem Abstieg gerettet, und mit 31 dann gleich weiter nach Gelsenkirchen.

Nicht schlecht für einen, der nach der Kreisliga schon die Spielerkarriere an den Nagel gehängt hatte. In seinem Lebenslauf steht als dickster Pluspunkt, dass er seinen Trainerlehrgang mit einem gewissen Julian Nagelsmann absolviert hat und trotzdem Klassenbester war. Notenvergleich: Nagelsmann 1,3, Tedesco 1,0, Und das ganz ohne Laptop unter dem Schreibtisch.

Was noch für Tedesco spricht: Neben der Ausbildung zum Fußball-Trainer hat er auch einen Masterabschluss in Innovationsmanagement. Das kann auf Schalke schon mal nicht schaden.

Die Stimmung: Gleicht seit Monaten einer Achterbahnfahrt. Zum Ende der vergangenen Saison hin pflegte der mächtige Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, ein Fleischbaron mit rustikalen Manieren, breitbeinig durch die Mixed Zone der Arena zu stiefeln und mit sonorem Organ den selbst komponierten Hit „Die Nummer eins im Pott sind wir“ zu intonieren. Da bahnte sich die Vizemeisterschaft für die Königsblauen an, vor den verhassten Gelb-Schwarzen, und die Champions-League-Teilnahme.

Aber dann gab es einen Stolperstart in die neue Saison, mit fünf Pleiten in Folge. Christian Heidel, ein Sportvorstand mit unverstelltem Blick auf die jeweilige Situation, sprach sogar von einem „Scheißstart“. Am noch vor kurzem gefeierten Tedesco wurde plötzlich gezweifelt, am Defensivfußball der Mannschaft gemäkelt – doch nur ein Einser-Schüler und kein Malocher?

Da hatte der Trainer einen Geistesblitz. Um die mäßige Trefferquote zu verbessern, ließ Tedesco beim Tabellen-14. zuletzt immer wieder Abschlüsse auf kleine Eishockey-Tore üben. Prompt sprang gegen Galatasaray Istanbul in der Champions League ein 2:0 heraus. Das Achtelfinale ist ziemlich nahe. Selbst der als Stürmer ohne Torerfolg vor wenigen Wochen zum Nationalspieler beförderte Mark Uth hat zuletzt in der Liga gegen Hannover getroffen. „Die Leichtigkeit ist in einigen Situationen zurück. Wir sind auf einem guten Weg, haben ein paar Spiele gewonnen, und das gibt eine breitere Brust“, sagt Tedesco.

Der Kader: Schwächer sind die Schalker trotz der prominenten Abgänge Leon Goretzka und Max Meyer in der Breite nicht geworden. Manager Heidel hatte ziemlich früh ziemlich gute Arbeit geleistet und im Gegensatz zu vielen Konkurrenten vor allem in Deutschland zugeschlagen. Salif Sane für die Abwehr, der Mainzer Suat Serdar und der Eintrachtler Omar Mascarell fürs Mittelfeld, Mark Uth und Steven Skrzybski für den Sturm. Mit nur acht geschossenen Toren stellt Schalke allerdings die viertschlechteste Offensive in der Bundesliga. Die Königsblauen sondieren also schon wieder den Markt. Thema soll dabei auch Nicolas Pépé aus Lille sein. Breel Embolo, Yevhen Konoplyanka und Franco di Santo könnten den Verein derweil verlassen. Auf Schalke hat man verstanden: Nur auf Kopfball- oder Freistoßtore von Oldie Naldo zu hoffen, hilft auf Dauer nicht weiter.

Und die alten Frankfurter Bekannten? Mascarell ist immer noch so verletzungsanfällig wie zu Eintracht-Zeiten. Ralf Fährmann war zuletzt auch wochenlang verletzt, soll aber am Sonntag wieder zwischen den Pfosten stehen. Der gebürtige Chemnitzer ist so etwas wie der Prinz Charles der deutschen Torhüter-Szene: immer im Wartestand, in den Nationalkader hat er es trotz guter Expertisen nie geschafft. Makel im Lebenslauf: Christoph Daum hatte ihn bei der Eintracht zur Nummer eins gemacht, zusammen sind sie damals abgestiegen.

Die Statistik: Die Eintracht hat keins der letzten sieben Heimspiele gegen Schalke verloren und dabei fünfmal kein Gegentor zugelassen. Sie gewann aber auch nur drei der letzten zwölf Aufgaben zu Hause, jeweils mit 1:0. Dennoch holte die Eintracht den Vereinsrekord von 81 Punkten gegen die Königsblauen, die am Main ihre zweitmeisten Auswärtstore (58) schossen. Aber Achtung: Die Eintracht ist mit 10:2 Toren das erfolgreichste Team der ersten Halbzeit.

Und das noch: Auf Schalke ist seinerzeit im April der Stern des Frankfurter Kunstschützen Luka Jovic aufgegangen. An einem tristen Fußballabend im Pokal-Halbfinale, der von Zweikämpfen, Fouls und technischen Fehlern auf beiden Seiten geprägt war, sorgte Jovic in der 75. Minute für den einzigen Lichtblick. Nach einer Ecke von links lief er auf den kurzen Pfosten, sprang ab, drehte sich vom Tor weg und traf mit der rechten Hacke ins lange Eck. Zlatan Ibrahimovic wäre stolz gewesen.

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