xuhx, Berlin, Olympiastadion, 27.05.17, DFB-Pokal - Finale: Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund

Bild: Fankurve, Fans, Fanblock Frankfurt mit Choreo
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xuhx, Berlin, Olympiastadion, 27.05.17, DFB-Pokal - Finale: Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund Bild: Fankurve, Fans, Fanblock Frankfurt mit Choreo

Eintracht Frankfurt

Geschichten der Saison: Eintracht-Fans sorgen für viele Schlagzeilen

  • VonPeppi Schmitt
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Am Anfang der Saison stand der Leuchtraketenangriff in Magdeburg. Beim Pokalfinale in Berlin zeigten sich die Eintracht-Fans dann von ihrer allerbesten Seite.

Auch die Fans der Frankfurter Eintracht standen in dieser Fußball-Saison wieder im Mittelpunkt. Dabei gibt es „die Fans“ gar nicht. Im Durchschnitt kommen 48 000 bis 49 000 Zuschauer zu den Heimspielen der Eintracht, davon meist rund 45 000, die es mit den „Adlern“ halten. Im Grunde sind sie alle Fans, Sympathisanten, Anhänger, Begleiter „ihrer“ Mannschaft.

Doch wenn von den „Fans“ die Rede ist, sind jene gemeint, die in der Nordwestkurve stehen. Das ist zwar seit dem Umbau des Waldstadions keine Kurve mehr, aber es heißt noch immer so. Dort wird die Stimmung gemacht, dort wird gesungen, aus Sicht vieler anderer Besucher viel zu häufig viel zu eintönig, dort werden Choreographien gezaubert, die alle anderen im Stadion beeindrucken und mitreißen. Von dort wird die Mannschaft angefeuert und in aller Regel unterstützt.

Doch die Fans der Eintracht, ein nicht ganz so kleiner Teil, haben auch in dieser Saison wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Dann ist häufig von den „Ultras“ die Rede, von jener Gruppe, die sich qua Selbstverständnis nicht nur als Anführer der Anhängerschaft sieht, sondern auch als die einzig „wahren“ Fans. Schon vor dem Skandal, den einige wenige, oder doch ein paar mehr, beim ersten Pflichtspiel der Saison in Magdeburg angezettelt haben, hatte es Probleme gegeben. Wegen Randalen in den Jahren zuvor, Stichworte Linz oder Eugendorf, war die Eintracht für Freundschaftsspiele im Nachbarland Österreich von den Sicherheitsbehörden quasi gesperrt worden. Auch national gibt es Probleme, gegen bestimmte Clubs kann die Eintracht wegen Sicherheitsbedenken nicht einmal mehr Testspiele austragen. Beispiele sind Hessen Kassel, die Offenbacher Kickers, der 1. FC Kaiserslautern oder der Karlsruher SC.

Zurück zur letzten Saison, zum Auftakt in Magdeburg. Aus dem Frankfurter Block wurde Leuchtspurmunition in einen anderen Zuschauerblock abgeschossen. Die Magdeburger „Fans“ versuchten danach, in den Frankfurter Block vorzudringen, später war von rechtsradikalen Provokationen die Rede. Das Spiel musste zwölf Minuten unterbrochen werden, es drohte sogar ein Spielabbruch. Die Aufregung war groß. „Das Abschießen von Leuchtspurmunition auf Menschen ist kriminell“, fand Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann deutliche Worte, „dass Pyrotechnik als Waffe gebraucht wird, ist unbegreiflich.“ Aus Sicht Hellmanns war dies eine „neue Dimension der Gewalt.“

Die Eintracht wurde für diese Exzesse hart bestraft. Beim nächsten Pokalspiel gegen Ingolstadt blieben alle Stehplatzblöcke gesperrt. Und auch beim ersten Bundesligaspiel gegen Schalke waren die Auswirkungen Frankfurter Fan-Fehlverhaltens sichtbar. Ein Block der „Nordwestkurve“ war geschlossen. Dies war Teil einer Bestrafung aus der vorvergangenen Saison, als beim Derby gegen Darmstadt Fahnen und Plakate gebrannt hatten. Zu all den Bestrafungen durchs DFB-Sportgericht sind noch Geldbußen hinzugekommen, auch Geldeinbußen wegen der leeren Ränge.

Das war und ist die eine Seite der Frankfurter Fans. Aber es gibt auch die andere. Jene, die als Fan-Kultur zu bezeichnen ist, jene, die gerade am Ende der Saison zum Vorschein gekommen ist. In der Rückrunde, als es so gar nicht mehr lief auf dem Platz, als sich wegen einer Niederlagenserie nach und nach Missstimmung breit machte, standen die Anhänger der Eintracht hinter ihrer Mannschaft. Kein böses Wort, nur ganz wenige Pfiffe, dafür große Unterstützung.

Beim letzten Heimspiel gegen RB Leipzig hatte es eine ungewöhnliche Ansprache gegeben. Nach Spielschluss, die Mannschaft hatte sich vor den Fans für die Unterstützung während der Saison bedankt, durfte ein Mitglied der „Ultras“ die Spieler auf das Finale einschwören. Es wurde eine höchst emotionale Angelegenheit, nicht nur die Spieler hatten Gänsehautgefühle. Freilich, es war auch höchst umstritten, gab es doch durchaus bedenkenswerte Kritik, ob man sich mit solchen Aktionen nicht zu abhängig macht von bestimmten Gruppen, die, wie die letzten Jahre gezeigt haben, bei negativen Emotionen leicht außer Kontrolle geraten.

In Berlin dann haben sich die Frankfurter Fans von ihrer allerbesten Seite gezeigt. Das Fan-Fest am Alexanderplatz, kurzfristig in Alex-Meier-Platz umbenannt, der Auftritt im Stadion, eine fantastische Choreographie, die Unterstützung für die Mannschaft über die gesamte Spielzeit – das war vorbildlich. „Wir rocken Berlin“, hatte Präsident Peter Fischer vorher gesagt. Und in der Tat, die Eintracht hat Berlin gerockt. Auf den Rängen hatte sie das Finale eindeutig gewonnen. Auch wenn DFB-Präsident Reinhard Grindel später mehr über die vielen Bengalos aus der Dortmunder Kurve und den wenigen aus der Frankfurter Kurve redete und lieber davon sprach, dass bestimmte Fangruppen das DFB-Pokalfinale „sabotieren“ wollten. Das war genauso daneben wie so manche Aktion der Frankfurter Anhänger im Laufe der Saison.

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