Über zu wenig Platz zum Trainieren können sich die Eintrachtspieler auf dem Gelände der IMG Academy bestimmt nicht beschweren. Screenshot: Google Maps

Eintracht Frankfurt

Gigantismus und echte Herausforderungen erwarten die Profis von Eintracht Frankfurt im Trainingscamp in den USA

Zwei Testspiele gegen brasilianische Top-Teams stehen im Trainingslager auf dem Programm – und Frankfurter Markenpflege.

Frankfurt - Ob die Fußballprofis von Eintracht Frankfurt auch ihre Badehosen eingepackt haben? Bei den Wetteraussichten für die kommenden Tage wäre das jedenfalls äußerst ratsam gewesen. Rund 22 bis 25 Grad, dazu nur ab und an mal ein paar Wölkchen am Himmel, die die Sonne erschrecken – sicher kein die Schweißperlen nur so ins Gesicht treibender Hochsommer, aber schlicht ein sehr angenehmer Winter im Süden der USA, in Florida, wo der Frankfurter Reisetross seit gestern sein Lager aufgeschlagen hat. Erst für eine Woche in Tampa, an der Golfküste Floridas, dann noch mal für drei Tage im rund zwei Autostunden entfernten zentral gelegenen Orlando.

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„Die Bedingungen vor Ort sind perfekt für uns“, hatte Fredi Bobic vor einigen Monaten gesagt, als die Eintracht ihr bereits drittes Trainingslager in Übersee gerade perfekt gemacht hatte. 2017 waren die Hessen in der Sommerpause in Kalifornien, vergangenen Juli in Salt Lake City und Philadelphia, und diesmal heißen die Ziele eben Tampa und Orlando.

In Tampa, genauer gesagt knapp 80 Kilometer südlich in Bradenton, werden die Hessen in der kommenden Woche vor allem eines erleben: Gigantismus. Die IMG Akademie, der Ort, an dem die Frankfurter untergebracht sind und trainieren, bezeichnet sich auf der eigenen Homepage als private Sportschule. Freilich hat das wenig mit deren deutschen Pendants in Grünberg oder Hennef gemein, das wäre mehr als untertrieben.

Eintracht Frankfurt spielt in Florida gegen Topteams aus Brasilien

Beim gestrigen Check-in nach Tampa: Luka Jovic.

1978 von Nick Bollettieri als Tennisakademie gegründet – Bollettieri war später maßgeblich an der Entwicklung von Größen wie Andre Agassi, Monica Seles oder Tommy Haas beteiligt –, ist das Gelände mittlerweile rund 162 000 Quadratmeter, umgerechnet etwa 23 Fußballfelder, groß. Es gibt Tenniscourts, Basketballhallen, Spielstätten für American Football und Baseball, zehn Fußballfelder, dazu einen eigenen Golfplatz und ein Hotel. Mehr als 12 000 Athleten, darunter auch viele begabte Jugendliche, deren Eltern hohe Summen für die sportliche Ausbildung ihrer Schützlinge bezahlen, sind innerhalb eines Jahres den Angaben der Akademie nach dort zu Gast. Und mittendrin nun also Eintracht Frankfurt.

„Wir spielen in Florida gegen Topteams, die eine echte Herausforderung darstellen“, sagte Bobic. Die Topteams, das sind zwei brasilianische Traditionsvereine. Die Eintracht wird in Tampa gegen den FC Sao Paolo, aktuell Tabellenfünfter der brasilianischen Liga, antreten (10. Januar, 1 Uhr MEZ), in Orlando geht es für die Mannschaft von Trainer Adi Hütter gegen die zweitplatzierten Kicker von Flamengo aus Rio de Janeiro (12. Januar, 22 Uhr MEZ).

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Fredi Bobic, ausgewiesener Fan der USA, ist der Mann hinter der weiten Reise. Der 47-Jährige sieht auf dem amerikanischen Markt ein großes Potenzial für Eintracht Frankfurt. Auf jeden Fall ein deutlich größeres als in Fernost oder gar den Emiraten, wohin die Frankfurter in früheren Jahren regelmäßig abhoben und ebenfalls stets die positiven, vor allem marketingtechnischen Effekte für die Zukunft hervorhoben. „Die Medienreichweite spielt für uns eine große Rolle, um die Präsenz in den USA weiter zu stärken“, so Bobic. „Die Reisen in die USA werden wir auf jeden Fall bis 2026 fortsetzen. Ziel ist, die Marke Eintracht Frankfurt noch bekannter zu machen, das geht nur mit Nachhaltigkeit.“

Der Florida-Cup, in den die Eintracht-Spiele gegen Sao Paolo und Flamengo eingebettet sind und an dem auch noch Ajax Amsterdam teilnimmt, soll nun also dafür herhalten, die Hessen aus der Mainmetropole auch im Sunshine State Florida bekannter zu machen. Auf den Gewinn des Kurzturniers wird Adi Hütter dagegen nicht allergrößten Wert legen, auch im Sommer in Utah gab es bei drei Testkicks keinen einzigen Sieg.

Langer Flug und Jetlag belasten die Fußballer von Eintracht Frankfurt

Bei aller Abwechslung vom Alltag, bei allen positiven Marketingeffekten, und sicher auch bei den nicht zu vernachlässigenden guten Trainingsbedingungen – die Reise bringt auch negative Begleiterscheinungen mit sich. Mehr als neun Stunden saßen die Profis von Frankfurt nach Tampa im Flugzeug, auch ein Jetlag wird bei sechs Stunden Zeitunterschied in den nächsten ein, zwei Tagen sicher nicht zu vermeiden sein.

Insofern kann Trainer Hütter weder direkt vom ersten Tag in den USA, noch direkt nach der Rückkehr in Frankfurt auf dem Platz Vollgas gehen lassen. Er wird die Intensität der Einheiten doch arg einschränken, genauestens steuern müssen, um seine Profis nicht zu verheizen und sie nach dem kurzen Elf-Tage-Winterpäuschen und der kaum längeren 16-Tage-Vorbereitung zum Rückrundenstart ausgeruht auf den Rasen zu schicken.

Wohlgemerkt: Bis zum Auftakt gegen den SC Freiburg am Samstag, 19. Januar, bleiben der Eintracht nach ihrer USA-Rückkehr nur fünfeinhalb Tage Zeit. Entsprechend nimmt kein weiterer Bundesligist diese Strapazen in der Winterpause auf sich. Von den anderen 17 Mannschaften trainieren nur zwei nicht in Deutschland oder Südeuropa. Der große FC Bayern München weilt bis zum 10. Januar in kleinen Doha – bei zwei Stunden Zeitunterschied. Werder Bremen ist bis zum 13. Januar in Südafrika zu Gast – gar nur eine Stunde.

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