Ziehen Lukas Hradecky (links) und Jesús Vallejo noch einmal das Eintracht-Trikot an?
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Ziehen Lukas Hradecky (links) und Jesús Vallejo noch einmal das Eintracht-Trikot an?

Eintracht Frankfurt

Die großen Fragezeichen bei Eintracht Frankfurt

  • VonPeppi Schmitt
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Was wird aus Hradecky, Vallejo und Rebic? Viele offene Fragen müssen noch beantwortet werden.

Um zehn Uhr am Montagmorgen haben sich Trainer und Spieler der Frankfurter Eintracht noch mal zu einer kurzen Abschlussbesprechung getroffen. Es wurden ein paar Trainingspläne verteilt, dann ging es für die meisten in den Urlaub. Nur ein paar Nationalspieler sind noch weiter im Einsatz. Viele werden zur neuen Saison nicht mehr zurückkehren. Im schlimmsten Fall könnten es sieben Stammspieler aus der so starken Vorrunde sein, die nicht mehr für die Eintracht spielen, dazu noch ein paar aus der zweiten Reihe. „Wir fangen sicher nicht bei Null an“, sagt Trainer Niko Kovac, „aber es werden sicher einige kommen und einige gehen.“ Bricht die Eintracht also auseinander?

Definitiv gehen werden fünf Spieler: Haris Seferovic, der bei Benfica Lissabon einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat. Torwart Heinz Lindner, dessen Vertrag nicht verlängert wurde. Michael Hector, dessen Leihvertrag ausgelaufen ist und der zum FC Chelsea zurückkehrt. Shani Tarashaj, der zurück zum FC Everton geht. Und Guillermo Varela, der suspendiert wurde und ab Juli wieder bei Manchester United unter Vertrag steht. Sie alle waren Teil der Mannschaft, aber keine Stammkräfte. Der sportliche Verlust sollte auszugleichen sein. Noch offen ist die Zukunft von Marius Wolf (ausgeliehen aus Hannover).

Vier weitere mögliche Abgänge aber würden die Eintracht ins sportliche Herz treffen: Jesús Vallejo, Lukas Hradecky, Ante Rebic und Slobodan Medojevic. Vallejo muss zunächst einmal zu Real Madrid zurück. Die Eintracht möchte den jungen Spanier ein weiteres Jahr ausleihen, wird auf eine Entscheidung aber lange warten müssen. „Wir sind in Gesprächen“, hat Sportvorstand Fredi Bobic verraten.

Das heißeste Thema ist die Zukunft von Torwart Hradecky. Die Sachlage: Der Finne hat einen Vertrag bis 2018, die Eintracht möchte zu deutlich angehobenen Konditionen verlängern oder Hradecky teuer verkaufen. Der Vater des Spielers hat das Angebot bislang abgelehnt. „Ich fahre erst einmal in Urlaub und komme zum Trainingsstart zurück“, sagte der Spieler nach dem Pokalendspiel. Bobic versucht nun über die Bild-Zeitung Druck aufzubauen. „Die Zeit für tiefgründige Gespräche ist vorbei, wir wollen eine zeitnahe Entscheidung“, wird er zitiert. Freilich: Niemand kann Hradecky zwingen, einen laufenden Vertrag zu verlängern.

Bleibt die Frage: An wen könnte die Eintracht den 27 Jahre alten Torwart teuer verkaufen? In der Bundesliga gibt es wenige Möglichkeiten. Also nach England? Ein Angebot liegt nicht vor. Eine schwierige Lage für die Eintracht, die einen Torhüter von Hradeckys Qualität finden müsste, der nicht wirklich viel kostet. Neben dem Lauterer Junioren-Nationaltorwart Julian Pollersbeck, der aber beim HSV im Gespräch ist, wird inzwischen über Ron-Robert Zieler spekuliert. Der ehemalige Nationaltorwart fristet bei Leicester City ein Schattendasein. Weniger verdienen als Hradecky aber wird Zieler sicher nicht.

Bei Ante Rebic stehen die Frankfurter unter Zeitdruck. Die Option, den Kroaten für gut drei Millionen Euro vom AC Florenz zu kaufen, läuft zur Wochenmitte aus. Das Dilemma: Rebic hat als einer der ganz wenigen im Team das Zeug dazu, den Unterschied auszumachen, gerade im Endspiel hat er das wieder gezeigt. Er zeigt es aber zu selten. Doch die Mittel der Eintracht sind begrenzt, nachdem sie für den Franzosen Sebastien Haller vom FC Utrecht „all in“ gegangen sind und dem Vernehmen nach sieben Millionen Euro ausgegeben haben.

Die Geldknappheit spricht dafür, Slobodan Medojevic zu behalten. Der Mittelfeldspieler feierte im Endspiel ein vielbeachtetes Comeback. Sein Vertrag läuft aus, im Winter war ihm nahe gelegt worden, zu gehen. Damals durfte er nicht mit ins Trainingslager. Jetzt hat er unter Beweis gestellt, dass er mithalten kann, wenn er fit ist. Medojevic, der sich am Mittwoch per Auto auf die 1300 Kilometer lange Strecke in seine Heimat Serbien aufgemacht hat, würde gerne bleiben. „Wir werden auch die Ärzte konsultieren“, sagt der Trainer. Im Klartext: Gibt es positive Auskünfte aus der medizinischen Abteilung, könnte es zu einer Weiterbeschäftigung kommen. Medojevics Plus: Er gehört nicht zu den teuersten Spielern und ist ein „Sechser“. Daran herrscht Mangel bei der Eintracht, zumal mit Makoto Hasebe und Omar Mascarell (beide verletzt) zu Saisonbeginn nicht gerechnet werden kann.

Zwei weitere Spieler sollen noch gehen: Yanni Regäsel hat trotz Vertrag beim Trainer keine Perspektive. Und A-Jugendspieler Furkan Zorba fehlt es an Klasse, um mitzuhalten. Er wäre in der zweiten oder dritten Liga besser aufgehoben.

Fazit: Von der Erfolgsmannschaft der Vorrunde könnten im schlimmsten Fall mit Hradecky, Vallejo, Hasebe, Mascarell, Hustzi (schon im Winter verkauft), Seferovic und Rebic gleich sieben Spieler zu Beginn der Vorbereitung nicht mehr das Adler-Trikot tragen. Die Bosse arbeiten hart daran, dies zu verhindern. Als erster Neuzugang steht Haller fest, im Gespräch soll nun auch der ehemalige Freiburger Gelson Fernandes (30) von Stade Rennes sein.

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