Die Stimmung während des Trainingslagers ist bei Armin Veh und Stefan Aigner super.
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Die Stimmung während des Trainingslagers ist bei Armin Veh und Stefan Aigner super.

Eintracht Frankfurt

Veh hat ein gutes Gefühl

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Im Frankfurter Sommercamp im Stubaital wirkt es fast, als wäre Veh nie weg gewesen. Der Trainer freut sich auf sein neues Eintracht-Puzzle.

Nur der grüne Gymnastikball fehlt zum gewohnten Bild. Armin Vehs bevorzugte Sitzgelegenheit vergangener Trainingslager ist zwar mit nach Österreich gekarrt, aber bislang nur von den Spielern in Anspruch genommen worden, bei quälenden Kraftübungen. Der alte und neue Trainer verfolgt das emsige Treiben seiner Berufsfußballer bislang meist im Stehen oder von der Bank aus. Sonst aber kommt es einem im Sommercamp der Frankfurter Eintracht im Stubaital fast so vor, als wäre alles wie eh und je und Veh nie weg gewesen. „Ich kenne ja vieles, weil ich drei Jahre hier war“, sagt er selbst. „Es ist ein sehr gutes Gefühl. Ich freue mich, dass ich wieder da bin.“ Wobei wohl zur guten Laune beiträgt, dass die Eintracht beim Bau des Mannschaftsgebildes weiter ist als in zurückliegenden Sommern.

Den meisten Spielern geht es mit dem guten Gefühl ähnlich. Für die, die schon vorher da waren, geht es nach einem Jahr unter Vehs Nachfolger und Vorgänger Thomas Schaaf zurück in die Zukunft. Obwohl sie das Faible für Angriffsfußball teilen, haben beide Trainer bei dessen Ausgestaltung unterschiedliche Vorstellungen. So steht das Üben der unter Schaaf in der Regel verpönten Kurzpässe wieder oben im Tagesprogramm, während hohe und weite Schläge erst einmal nicht angesagt sind. Flache Abspiele, wenige Kontakte – das ist die Vorgabe in den Trainingskicks.

Änderungen im System?

„So bekommst du Sicherheit“, sagt Veh, der immer wieder mit einem Pfiff oder Zwischenruf korrigierend ins Geschehen auf der Sportanlage des SSV Neustift eingreift. „Wir hatten das ja schon eine Weile, dass wir nicht groß drüber nachdenken mussten, wie wir passen. So etwas muss man aber immer wieder üben.“ Die vielen fatalen Ballverluste, die sich die Eintracht in der vergangenen Runde immer wieder erlaubte, sollte es so nicht mehr geben. Änderungen im System könnten mit dem Trainerwechsel ebenfalls einhergehen.

Dass im Stubaital im 4-2-3-1-Verbund trainiert wird, muss noch nicht furchtbar viel bedeuten. Es könnte aber sein, dass diese alte Erfolgsformel auch zu Vehs neuer Eintracht am besten passt. Spätestens dann, wenn Alexander Meier wieder einsatzfähig ist. Veh sieht den Torschützenkönig, anders als Schaaf, bei dem Meier ganz vorne spielte, eher nicht als zweite Spitze. „Er hat ganz viele wichtige Tore gemacht“, weiß er. „Aber wenn Alex vorne keine Bälle bekommt, ist er raus aus dem Spiel. Er muss sich auch mal fallen lassen können.“

Nach seiner Patellasehnenoperation wird Meier kaum vor Herbst wieder bereit für die Bundesliga sein. Vielleicht reist er aber wenigstens ins zweite Trainingslager nach Windischgarsten mit, um sein Rehaprogramm dort in Gesellschaft der Kollegen fortzusetzen. In Neustift fehlen derzeit noch zehn Profis – wegen Verletzungen oder Sonderurlaub aufgrund internationaler Verpflichtungen. Die meisten Nationalspieler werden spätestens in Windischgarsten auch dabei sein.

Vorher wird Veh mit seinem Team nicht über grundlegende Fragen sprechen. „Dazu will ich alle da haben“, sagt er. Klar ist, dass die Eintracht wieder für einen gewissen Spielstil stehen soll, für eine erkennbare Idee. „Wenn die Leute zu uns kommen, müssen sie sehen, was wir wollen“, fordert Veh. „Eine Platzierung kann ich nicht versprechen, dafür ist dieser Sport einfach zu unberechenbar. Aber dass wir versuchen, unseren Fußball durchzubringen. Und ich glaube auch, dass wir die Leute dazu haben.“

Helfen kann dabei vermutlich auch Sidney Sam, der vielleicht schon am heutigen Dienstag, aber wahrscheinlich erst am Mittwoch im Stubaital erwartet wird. Bei der Verpflichtung des Flügelstürmers von Schalke 04, der gestern den Medizincheck in Frankfurt hinter sich brachte, steht wie beim Abgang von Torwart Kevin Trapp zu Paris St. Germain eigentlich kaum mehr als die offizielle Bestätigung aus. Diese ließ in beiden Fällen aber auch gestern auf sich warten.

Mit den bisherigen Verpflichtungen ist Veh in jedem Fall zufrieden. „Wir haben die Leute ja geholt, weil wir glauben, dass sie uns besser machen. Und ich glaube auch, dass es menschlich passt.“ Stefan Reinartz etwa hätte er vor fünf Jahren schon als HSV-Trainer holen wollen. Nun freut sich Veh über einen Sechser, der auch in der Innenverteidigung aushelfen kann. Diese sieht er mit David Abraham, Marco Russ und Carlos Zambrano gut besetzt. „Mehr als drei gute Innenverteidiger brauche ich nicht“, sagt Veh. Mit Bamba Anderson rechnet er wegen dessen Knie-Schaden vorerst nicht. Alexander Madlung hat ein erstes Angebot zur Vertragsverlängerung abgelehnt. Vielleicht gibt es da noch einmal Bewegung, sollte bei der Klärung der weiteren Zusammenarbeit mit Zambrano doch etwas schiefgehen.

Kadlec bleibt

Fest ausgemacht ist hingegen, dass Vaclav Kadlec in Frankfurt bleibt. „Er hat uns erklärt, dass er sich hier beweisen will“, erklärte Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Nicht ausgeschlossen, dass mit den zu erwartenden Trapp-Millionen noch mehr Bewegung in den schon gut besetzten Kader kommt – und dass es für den einen oder anderen aktuellen Spieler dabei eng werden könnte. Für Nelson Valdez beispielsweise oder auch Takashi Inui. Für manchen Jungprofi könnte zudem eine Ausleihe in die Zweite oder Dritte Liga sinnvoll sein. „Es kann schon sein, dass uns noch jemand verlässt“, meint Veh. „Dazu möchte ich aber erst mal noch länger die Trainingseindrücke haben.“

Er selbst wirkt nach der Auszeit, die er eigentlich gleich nach seinem Abschied von der Eintracht vor einem Jahr machen wollte und die er dann nach dem unglücklichen Intermezzo beim VfB Stuttgart nachgeholt hat, voller Tatendrang. „Es war ein Luxus, sich als Trainer mal keine Gedanken machen zu müssen. Jetzt bin ich wieder frisch“, sagt er. Und freut sich darauf, das neue Eintracht-Puzzle zusammenzusetzen. Mit oder ohne Gymnastikball.

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