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Haris Seferovic (Mitte) verzog sich nach der Auswechslung verärgert auf die Tribüne.

Eintracht Frankfurt

Haris Seferovic: Ein Stürmer im Abseits

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Bei Eintracht Frankfurt ist der Ärger über Haris Seferovic noch nicht verraucht. Wird der Stürmer noch in diesem Winter abgegeben? Auf ein klärendes Gespräch mit Armin Veh darf er zumindest nicht hoffen.

Beruhigt hatten sich die Gemüter auch über Nacht nicht. Im Gegenteil: Der Krach um Eintracht Frankfurts Stürmer Haris Seferovic ist nicht ausgestanden. Womöglich wird der Angreifer den Club sogar noch in der winterlichen Transferperiode verlassen. Armin Veh hatte den Schweizer Nationalspieler nach dem 3:2 gegen den VfL Wolfsburg heftig kritisiert. „Ich habe die Schnauze voll von seinen Ego-Trips“, hatte der Trainer geschimpft, „keiner darf sich über die Mannschaft stellen.“ Seferovic (23) war zur Pause wegen schwacher Leistungen ausgewechselt worden, hatte darauf bockig reagiert. Statt auf der Auswechselbank zu sitzen, hatte er sich auf die Tribüne verkrümelt, war dort mit vermeintlich abfälligen Gesten gegenüber der Trainerbank aufgefallen. „Er soll mal seine Leistungen hinterfragen und nicht beleidigt sein“, hatte ihm der Trainer geraten.

Am Tag danach trat der Manager vor die Presse. Man werde die Probleme „intern abarbeiten“, kündigte Bruno Hübner an, „wir müssen beurteilen, was akzeptabel ist und was wir uns nicht gefallen lassen.“ Über Seferovics Tribünenbesuch wird man wohl hinwegsehen, „auch wenn wir von unseren Spielern erwarten, dass sie den Mannschaftskollegen bis zum Schluss auf der Bank die Daumen drücken.“

Weniger großzügig wird in der Eintracht-Führung das gesamte Verhalten von Seferovic beurteilt. Seit einigen Wochen war der Trainer mit seinem Stürmer unzufrieden, nicht zuletzt wegen dessen wenig professionellen Verhaltens im Trainingslager in Abu Dhabi. Dort hatte Seferovic nach zwei Tagen eine längere Verletzungspause eingelegt. „Er wird von der Presse immer als Torjäger bezeichnet und als einer, der immer alles gibt für die Mannschaft“, kritisierte Veh, „aber mit drei Toren ist man kein Torjäger und den großen Kampf sehe ich auch nicht.“ Das hatte gesessen. Dabei hatte Veh Seferovic nach dessen Leistung im letzten Testspiel gegen Eintracht Braunschweig, die ähnlich dezent gewesen war wie diesmal, noch in Schutz genommen. Doch geholfen hatte diese schützende Hand wenig. Nun hat Veh die Tonlage geändert.

Der Vertrag des Spielers läuft bis zum Sommer 2017, ob mit oder ohne Ausstiegsklausel, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. In jedem Fall aber ist auch eine sofortige Trennung nicht vom Tisch. Zwar sagt der Trainer, „dass ich ihn brauche, weil wir ja sonst keinen Stürmer mehr haben.“ Der Manager aber antwortete auf die Frage nach einem möglichen Transfer im Winter ausweichend. Man müsse die Entwicklung „abwarten“, sagte Hübner, Gedanken und Aussagen in dieser Richtung würden häufig „aus der Enttäuschung heraus getroffen“. Nach „nochmaligem Schlafen“ sehe dann vieles anders aus. Die aktuelle Einschätzung des Stürmers ist jedenfalls wenig schmeichelhaft. „Wir wissen, wie gut er im ersten Jahr war und wie wichtig er für die Mannschaft sein kann“, sagte der Sportdirektor, „dafür muss er sich aber zu hundert Prozent einbringen und das macht er im Moment nicht.“

Am Montag musste Seferovic wie alle anderen, die nicht über die volle Zeit im Einsatz waren, auf dem Platz unter Assistenz-Trainer Reiner Geyer trainieren. Nach der Einheit schoss er noch ein paar Bälle Richtung Tor, bevor er sich wortlos trollte.

Auf ein klärendes Gespräch mit dem Trainer darf er nicht hoffen, denn Armin Veh sieht keinen Gesprächsbedarf. Vielmehr erwartet er, „dass Haris sein Verhalten ändert.“ Zudem wird Seferovic mit einer Geldstrafe rechnen müssen. Dass es zu einem kurzfristigen Verkauf kommen wird, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber nicht wahrscheinlich. Denn dafür müssten zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen müsste ein anderer Club der Eintracht und Seferovic viel Geld bieten, zum anderen müssten die Frankfurter in kürzester Zeit eine Alternative finden. Denn sich alleine auf Alex Meier und dessen Torinstinkt zu verlassen, kann sich der Verein nicht leisten.

(pes)

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