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Eine große Zahl von Ordnern und Polizisten musste sich den teilweise maskierten Frankfurter Chaoten entgegenstellen.

Nach Europa-League-Spiel

Eintracht-Vorstand Hellmann verurteilt Fan-Randale in Rom - Verein droht Rekordstrafe

Vorstand Axel Hellmann zeigte sich bestürzt über die Ausschreitungen von Frankfurter Fans. Der Dialog mit der gewaltbereiten Szene scheint gescheitert zu sein. Auch Russ findet klare Worte.

Eine große Zahl von Ordnern und Polizisten musste sich den teilweise maskierten Frankfurter Chaoten entgegenstellen.

Marco Russ hat schon ein bisschen was erlebt in seinem Leben und seiner Karriere, er ist 33 und verdammt lange dabei, hat mehr als 350 Pflichtspiele absolviert. Doch am Donnerstagabend widerfuhr ihm auf dem Platz etwas, was er nicht oft erlebt hatte. Der Schreck fuhr ihm in die Glieder. „Zwei, drei Mal bin ich richtig zusammengezuckt“, erzählte der Routinier. Es waren von Fans gezündete Donnerschläge, die mit einem ohrenbetäubenden Knall im Olympiastadion zu Rom detonierten. „Schade, dass es Idioten gibt, die diese Bühne für solche Aktionen benutzen“, sagte Russ gewohnt unverblümt und sehr treffend. „Sie schaden dem Verein und 99,8 Prozent der Fans, die uns siegen sehen und unterstützen wollen. Das geht gar nicht.“

Die ungeheuer lauten Kanonenschläge waren nicht die einzige Verfehlung, die sich diese Chaoten leisteten, sie warfen gar einen Eisenträger in den Innenraum, schleuderten zudem ein Bengalo auf die Gegentribüne in die Lazio-Fans hinein und mehrere Leuchtfeuer gezielt auf die Ordner auf der Laufbahn; ein Bengalisches Feuer traf einen Polizisten am zum Glück behelmten Kopf.

Hellmann entsetzt

Es waren widerwärtige Bilder von wahlloser Gewalt, Auswüchse, die nicht zu akzeptieren sind. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann war bedient. „Ich spüre keine Freude über den sechsten Sieg“, sagte der 47-Jährige. „Wir haben kein gutes Bild abgegeben, so etwas schadet uns extrem.“

Hellmann und seine Kollegen setzen seit Jahren auf den Dialog mit den Fans, auch den gewaltbereiten und problematischen. Doch für den Marketingvorstand ist klar, dass so etwas wie in Rom nicht mal im Ansatz zu tolerieren ist. „Wir haben immer gesagt, dass all unsere Energie dem Kampf gegen die Dinge gilt, die die Hand verlassen. Insofern war das ein Rückschlag.“

Hellmann gibt sich keinen Illusionen hin. Es werde schwierig, diese „kleine Gruppe“ dingfest zu machen. „Da mache ich mir wenig Hoffnung, da müssen wir Realisten sein. Diese Gruppe, die ihre Aggressionen so auslebt, werden wir nie ganz rausbekommen, aber wir müssen versuchen, sie so klein wie möglich zu halten. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass sich diese Kräfte nicht austoben können.“

Festnahmen in Rom

In Rom wurden 15 Personen festgenommen. Die Bürgermeisterin Virginia Raggi urteilte knallhart: „Bestien dieser Art sollen zu Hause bleiben.  Hooligans aus Deutschland haben heute Abend im Grunde Teile unserer Stadt geplündert und verwüstet.“

„Wir werden den Dialog nie einstellen“, betonte Hellmann. „An dem Punkt wie jetzt waren wir schon ein paar Mal, wir müssen uns wieder mühsam ran pirschen.“ Was er meint: Auf führende Ultrakräfte einwirken, um die Botschaft weiterzutragen, Konsequenzen aufzeigen, auch für den Verein, an die Vernunft appellieren. Das ist mühsam. Schon einmal, nach den Auswüchsen in Magdeburg vor zweieinhalb Jahren, sah man sich einer ähnlichen Situation ausgesetzt.

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Hellmann resigniert aber nicht, denn es gebe auch in der Ultraszene „sehr viele Vernünftige, die so etwas nicht gut finden“. Generell seien die Vorfälle von Rom den meisten der 10 000 Eintracht-Anhänger „auf das Gemüt geschlagen“. Bemerkenswert fand Hellmann die Reaktion sehr vieler Fans, die in Richtung der Krawallmacher skandierten: „Und ihr wollt Eintracht Frankfurt sein.“  Der Jurist stellte diese Haltung heraus: „Das war eine klare Aussage. Das hat mir gefallen und Mut gemacht.“

Verein muss mit Rekordstrafe rechnen

Doch was hat diese Eskalation für Auswirkungen für Eintracht Frankfurt? Klar ist, dass der Club mit einer Rekordstrafe zu rechnen hat. Die Uefa wird dieses Verhalten hart, vielleicht sogar drakonisch sanktionieren. Die Frage ist, in welcher Weise: nur monetär oder eben auch in Form einer Kollektivstrafe, was den Verein und seine Fans sehr viel härter treffen würde? Keine Auswärtstickets für die Partie im Sechzehntelfinale wäre ein denkbares Szenario.

Oder eben eine Teilsperre für das kommende Heimspiel. Marco Russ sprach das aus, was viele denken: „Mal sehen, ob wir ein volles Stadion zugesprochen bekommen.“ Hellmann wollte sich zu möglichen Sanktionen nicht äußern. „Dass so was geahndet wird, ist lebensnah“, sagte er nur.

von Ingo Durstewitz

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