Den Kopf hingehalten: Michael Hector (rechts) trifft zum späten 3:3.
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Den Kopf hingehalten: Michael Hector (rechts) trifft zum späten 3:3.

Eintracht Frankfurt

Hector wird zum Helden der Nachspielzeit

  • VonChristian Heimrich
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Beim 3:3 gegen Berlin sorgt Michael Hector für den umjubelten Ausgleich. Dabei kam er erst für den verletzten David Abraham ins Spiel.

Am Ende eines aufregenden Nachmittages zeigte sich, dass Michael Hector vielleicht immer noch nicht so ganz in Frankfurt bei der Eintracht angekommen ist. Als der baumlange Verteidiger frisch geduscht aus der Kabine kam, musste er kleinlaut einen Ordner nach dem genauen Weg Richtung Außenwelt fragen. Der Jamaikaner aus London hat ja noch nicht so viel gespielt. Da kann man mit den Räumlichkeiten am Arbeitsplatz schon ein wenig fremdeln.

Gegen Hertha BSC wurde Hector urplötzlich zum Helden, als er sich in der zweiten Minute der Nachspielzeit im Berliner Strafraum hoch schraubte und Ante Rebics Flanke zum 3:3 einköpfte. Danach gab’s den obligatorischen Jubel-Sprint und einen deftigen Tritt gegen die Eckfahne. „Das ist eines der besten Erlebnisse, die ich bis jetzt als Spieler hatte. Ein unglaubliches Gefühl“, freute sich der 24-Jährige.

Und das gleich aus mehreren Gründen. Michael Anthony James Hector, geboren am 19. Juli 1992 im Londoner Stadtbezirk East Ham, ist im Laufe seiner wechselvollen Profi-Karriere trotz seiner 1,93 Meter Körperlänge bislang nicht unbedingt als Tormaschine aufgefallen. Die Statistik weist zwölf Treffer für diverse irische und englische Clubs seit 2009 aus und keinen einzigen im Dress der Nationalelf Jamaikas, in der Hector seit 2015 spielt.

Außerdem hat er am Samstag endlich einmal den Schlusspfiff im Kreise der Kollegen auf dem Platz erlebt. Bei seinen ersten beiden Einsätzen, im Pokal in Magdeburg, in der Liga gegen Schalke, ist der vom FC Chelsea ausgeliehene Abwehrrecke beide Male vom Platz gestellt worden. Während Hectors Sperre hatte sich Jesus Vallejo zu einer Konstante in der Frankfurter Innenverteidigung entwickelt. „Das ist doch schön für alle“, sagte Trainer Niko Kovac, „Michael hat ja nicht so erfolgreich begonnen bei uns.“

Gegen Berlin saß „Big Hec“, so sein Spitzname, zuerst auf der Bank. Doch in der 31. Minute kam er unverhofft zu seiner neuen Chance. David Abraham hatte sich bei einem Rettungsversuch das Knie verdreht und musste ausgewechselt werden. Diagnose: Innenbanddehnung. „Es ist hoffentlich nicht so schlimm“, meinte Kovac. Ob der Abwehrchef am kommenden Samstag in Freiburg spielen kann, ist allerdings fraglich.

Michael Hector jedenfalls steht bereit. „Es ist ein gutes Gefühl, zurück auf dem Platz zu sein“, erklärte er. Und ergänzte: „Es ist meine Aufgabe, dem Trainer zu zeigen, dass ich spielen sollte.“ So denken wahrscheinlich auch die Scouts des FC Chelsea, die sich regelmäßig über die Entwicklung ihrer Leihgabe informieren.

Wegen der Platzverweise haben sie dem 24-Jährigen jedenfalls keine Vorwürfe gemacht. „Ich bin Verteidiger“, sagt Hector lächelnd, wenn es um seine mitunter rustikale Spielweise geht.“

Momentan zählt für den „Kerl wie ein Baum“ (Kovac) ohnehin nur die Eintracht. „Wir haben einen guten Saisonstart hingelegt, aber wir wollen von Spiel zu Spiel denken“, gibt Michael Hector den Mahner: „Wir haben die vergangene Saison nicht vergessen.“

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