Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen bleibt auch in turbulenten Zeiten meist gelassen.
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Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen bleibt auch in turbulenten Zeiten meist gelassen.

Eintracht Frankfurt

Heribert Bruchhagens Bekenntnis zu Trainer Schaaf

Eintracht Frankfurts Vorstandschef ist überzeugt davon, dass der Trainer auch in der kommenden Saison Thomas Schaaf heißt. Unser Sportredakteur Klaus Veit unterhielt sich mit dem 64-Jährigen aber auch über andere wichtige Fragen beim Fußball-Bundesligisten.

Mit dem 3:1 gegen Hoffenheim hat Eintracht Frankfurt das Saisonziel „Nichtabstieg“ erreicht. Sind Sie mit der fast abgelaufenen Spielzeit zufrieden?

HERIBERT BRUCHHAGEN: Ja, ich bin zufrieden. Die Ziele, die wir postuliert haben, wurden erreicht. Aber ich mache kein Hehl daraus, dass die Saison trotzdem anders verlaufen ist als erwartet. Dass wir die viertmeisten Tore schießen, aber die meisten Gegentore kassieren, das hatte ich nicht im Kopf.

Hatten Sie solche Schwankungen erwartet?

BRUCHHAGEN: Nein, ich hatte nach den personellen Umbrüchen vor dem Start hohen Respekt, hatte gehofft, dass unser neuer Trainer Thomas Schaaf schnell ein wettbewerbsfähiges Team zusammenstellen wird. Das gelang dann so gut, dass immer wieder zurecht vom internationalen Geschäft geträumt werden konnte. Doch dann ist man auf dem Platz immer wieder in die Realität zurückgeholt worden. Das ging nicht nur mir so, sondern auch anderen, beispielsweise auch manchen Journalisten. Die Rückschläge fingen an mit dem 1:3 in Paderborn trotz 1:0-Führung. In Köln war es das Gleiche. Oder Stuttgart: Ich habe vor der Mannschaft des VfB hohen Respekt, aber wir haben sie 60 Minuten lang dominiert und wurden trotzdem nach unserem 1:0 noch mit 1:3 abgeschossen.

Ist so der Fußball oder wie kann man sich das erklären?

BRUCHHAGEN: Das ist auch ein Qualitätsmerkmal. Kein Trainer der Welt wird sagen, dass man bei einer Führung seine Kompaktheit aufgeben soll. Diesen Spielverläufen liegen Defizite zugrunde, an denen wir arbeiten müssen. Es hört sich leicht an: Die Stärken beibehalten, die Defizite bearbeiten.

Auch in diesem Sommer werden Sie neue Spieler holen müssen. Wie viele werden es sein?

BRUCHHAGEN: Wir haben eine andere Situation als 2014. Beim 3:1 gegen Hoffenheim haben wir mit einer Mannschaft gespielt, in der alle außer Carlos Zambrano weiter vertraglich an uns gebunden sind. Und auch bei Carlos bin ich optimistisch.

Doch es werden die verletzten Spieler Meier, Anderson und Kittel noch sehr lange fehlen. . .

BRUCHHAGEN: In der Tat werden die drei zu Beginn fehlen, wobei ich bei Alex Meier zuversichtlich bin, dass er im Laufe der Hinrunde wieder spielen wird. Er findet in Basel hervorragende Reha-Bedingungen vor und ist ein Typ, der schnell seine Fitness erlangen kann.

Mit wie vielen neuen Spielern rechnen Sie?

BRUCHHAGEN: Das kann man nicht genau beziffern, es geht ja nicht um Quantität, sondern um Qualität. Solche Spieler zu finden, das ist nicht leicht für Bruno Hübner und unseren Trainer.

Gibt es ein zeitliches Ziel, wann sollen die Neuen unter Vertrag stehen?

BRUCHHAGEN: Nein, da baut man nur unnötigen Druck auf, wir haben ja bereits eine Mannschaft, die Bestand hat.

Was sagen Sie zu dem Gerücht, dass Haris Seferovic nach Mönchengladbach gehen soll?

BRUCHHAGEN: Ach, da werden noch Gerüchte über Aigner, Zambrano und sogar Trapp dazukommen, obwohl der gerade verlängert hat. Deshalb lese ich ja immer unseren Pressespiegel, damit auch ich diese Gerüchte kenne. Aber nach 26 Jahren Bundesliga hat man auch die Eigenschaft entwickelt, solche Gerüchte bis zum Mittagessen wieder vergessen zu haben.

Neue Spieler hängen ja auch von den Finanzen ab. Wie sieht es da aus?

BRUCHHAGEN: Wir haben eine klare Planung, die mit Finanzvorstand Axel Hellmann und unserem Prokuristen Oliver Frankenbach verabschiedet wurde. Und die finanzielle Lage ist Teil unserer täglichen Kommunikation. Es gibt ja noch finanzielle Unsicherheiten. Ich wünsche es natürlich weder Freiburg noch Hannover, dass sie absteigen. Aber sollte das passieren, werden wir wegen der TV-Gelder einen größeren Etat haben.

Sind 40 Millionen Euro für den Lizenzspieleretat realistisch?

BRUCHHAGEN: Nein, aus dem normalen Geschäft ist diese Summe nicht realistisch. Wir haben den Etat, abgesehen beim Abstieg, von Jahr zu Jahr erweitert, aber 40 Millionen schaffen wir nicht. Es existieren zwar Gedanken zu externen Finanzierungen, aber die werden in der sommerlichen Transferphase noch nicht greifen.

Da soll es ja einen Mister X. geben, der bereit ist, der Eintracht zwischen 50 und 100 Millionen zur Verfügung zu stellen. Was sagen Sie dazu?

BRUCHHAGEN: Wir verfolgen derzeit nur die Möglichkeit, durch Genussscheine zusätzliche Gelder zu erhalten. Wie hoch diese Summe dann sein wird, kann man noch nicht exakt sagen.

Am Montag hatte der Aufsichtsrat letztmals unter der Führung von Wilhelm Bender getagt. Danach wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der Thomas Schaaf für seine Arbeit gedankt wurde. Ist das normal?

BRUCHHAGEN: Ja, nach der in den vergangenen Tagen erfolgten Berichterstattung war es gut, dass der Aufsichtsrat erklärte, dass er einstimmig zu Thomas Schaaf steht.

Und warum wurde nicht erklärt, dass Thomas Schaaf auch in der kommenden Saison Trainer bei Eintracht Frankfurt sein wird?

BRUCHHAGEN: Das muss man nicht besonders betonen. Thomas Schaaf hat einen Vertrag bis 2016 und Eintracht Frankfurt hat immer das Ziel, Verträge zu erfüllen.

Wie stehen Sie zu der Trainer-Diskussion?

BRUCHHAGEN: Ich bin überzeugt davon, dass Thomas Schaaf natürlich auch in der nächsten Saison unser Trainer sein wird.

Für Sie persönlich beginnt im August die letzte Saison als Vorstandschef von Eintracht Frankfurt. Welche Ziele hat der Verein für die kommende Saison?

BRUCHHAGEN: Man kann im Kicker-Sonderheft Jahr für Jahr nachlesen, dass sich jeder Verein höhere Ziele als das jüngste Abschneiden setzt. Wer 15. war, will 14. werden, wer in der Europa League spielt, will in die Champions League. Aber das geht halt arithmetisch nicht. Zwölf Clubs werden ihre Ziele nicht erreichen, sieben oder acht davon werden deshalb den Trainer entlassen. Deshalb ist es sehr wichtig, mutige, aber auch realistische Ziele zu setzen. Aber es ist noch zu früh, unsere Ziele genau zu definieren. Noch wissen wir nicht abschließend, welchen Etat und welche Mannschaft wir zur Verfügung haben werden.

Eine Zeitung schrieb, Sie würden auf Abschiedstournee gehen. Wird man weiterhin einen kämpferischen Heribert Bruchhagen erleben, oder lässt er es langsam austrudeln?

BRUCHHAGEN: Kämpferisch ist das falsche Wort. Aber die Verantwortung wird die gleiche bleiben wie bisher. Natürlich wird es auch Entscheidungen geben, deren Konsequenzen über meine Zeit hinaus gehen werden. Beispielsweise: Schaffen wir uns eine neue IT-Anlage an? Da werden dann auch die verstärkt mitreden, die damit in Zukunft arbeiten. Bekanntlich ist es seit vier Jahren nicht mehr meine Hauptaufgabe, einen Rechts- oder Linksaußen auszusuchen, sondern Machbarkeit der sportlichen Wünsche zu überprüfen. Da werde ich mich sicher nicht ändern.

Es soll Überlegungen geben, den Vorstand von zwei auf drei Positionen zu erweitern. Stimmt das?

BRUCHHAGEN: Das ist alleinige Sache des Aufsichtsrates. Da mische ich mich nicht ein.

Häufig fällt der Name Armin Veh, wenn es um Ihre Nachfolge geht. Was sagen Sie dazu?

BRUCHHAGEN: Ich bin mit Armin sehr befreundet, aber ich werde den Teufel tun und mich in diese Diskussion einschalten. Ich werde die volle Zeit bei der Eintracht genießen und am Ende meinen Nachfolger einarbeiten. Das ist ein ganz normaler Vorgang.

Und danach? Geht’s dann in die Abgeschiedenheit von Harsewinkel?

BRUCHHAGEN: Das weiß ich noch nicht, aber ich fühle mich in Frankfurt ausgesprochen wohl und kann mir auch vorstellen, hier weiter meinen Lebensmittelpunkt zu haben. Es ist noch alles offen, aber meine Hauptaufgabe wird dann sicher nicht sein, nur Golf oder Bridge zu spielen.

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